Harburg
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Das letzte Jahr für Harburgs „Transit“

Bevor die Flüchtlinge kamen gab Rembert Vaerst (M), damals Geschäftführer von fördern und wohnen, im Februar 2015 ein Interview auf der „Transit“

Bevor die Flüchtlinge kamen gab Rembert Vaerst (M), damals Geschäftführer von fördern und wohnen, im Februar 2015 ein Interview auf der „Transit“

Foto: dpa Picture-Alliance / Bodo Marks / picture alliance / dpa

Der Vertrag läuft am 31. Dezember 2019 aus. Monatliche Fixkosten belaufen sich auf gut 164.700 Euro.

Harburg.  Die Not war groß, als die „Transit“ Ende 2014 im Binnenhafen festmachte. Es konnten gar nicht so schnell Betten rangeschafft und aufgestellt werden wie Flüchtlinge in Hamburg eintrafen. Damals entschied der Senat über die Köpfe der Bezirkspolitiker hinweg, dass das Wohnschiff am Kanalplatz anlegen sollte. Wenn es in der Nachbarschaft ein Murren dagegen gegeben hat, so wurde es sehr schnell abgelöst von dem Willen, den Neuankömmlingen zu helfen: die Geburtsstunde der Flüchtlingshilfe Binnenhafen.

Seither hat sich viel getan. Aktuell gibt es nach Mitteilung des Zentralen Koordinierungsstabs Flüchtlinge (ZKF) im Bezirk Harburg an 15 Standorten genau 3799 Plätze für Menschen, die ihre Heimat verlassen musste. Und der Zustrom ist abgeebbt. Für die „Transit“ bedeutet das: Ihr letztes Jahr in Harburg hat begonnen.

Der Vertrag mit dem Eigentümer endet am 31. Dezember 2019, so die Mitteilung des ZKF. Die aktuelle Planung sehe vor, dass er nicht verlängert werde. „Wenn es so bleibt wie jetzt, ist das Ding Ende 2019 weg“, sagt ZKF-Referent Fouad Hamdan.

Besitzer des Wohnschiffes ist das niederländische Unternehmen Chevalier Floatels BV. „Wir müssen bis spätestens sechs Monate vor Ende des Mietvertrages mitteilen, ob wir die ,Transit’ weiter haben wollen“, sagte Hamdan gestern. Derzeit sei davon aber nicht auszugehen.

Aktuell (Stand Ende Juni) leben auf der „Transit“ insgesamt 176 Menschen. 120 davon sind nach Mitteilung des ZKF Flüchtlinge, 56 Obdachlose. Auf dem Wohnschiff mit 216 Plätzen herrscht stetes Kommen und Gehen, sagt Andrea Zwengel, Koordinatorin der Flüchtlingshilfe Binnenhafen und von Anfang als Ehrenamtliche dabei. Dass die „Transit“ Ende 2019 Harburg verlässt, ist ihr bekannt: „Aber mehr wissen wir auch nicht.“

Wann die letzten Bewohner das Schiff verlassen haben müssen, wann es wieder in den Urzustand zurückversetzt wird – zwei Monate hatte es damals gedauert, die „Transit“ so auszustatten und einzurichten, dass Flüchtlinge einziehen konnten –, all das sei ungewiss. „Mit uns hat noch keiner gesprochen“, sagt Zwengel.

Dass die „Transit“ keinen Tag länger im Binnenhafen liegen soll als unbedingt nötig, liegt in der Natur der Dinge. Aus der jüngsten Antwort des Senats auf eine Anfrage der FDP-Bürgerschaftsabgeordneten Christel Nicolaysen geht hervor, dass sich die monatlichen Fixkosten für die „Transit“ auf gut 164.700 Euro belaufen: knapp 123.000 Euro allein für Charter und Liegeplatz, 12.190 Euro für das Personal im Unterkunfts- und Sozialmanagement sowie 3.764 Euro für das im technischen Dienst.

Die Kosten für den eingesetzten Sicherheitsdienst beziffert der Senat mit 26.100 Euro pro Monat. Hinzukommen noch sogenannte verbrauchsabhängige Kosten – etwa für Heizöl und Strom – die im vergangenen Jahr zwischen knapp 8000 Euro (im September) und fast 18.600 Euro (im November) schwankten. Schließlich auch noch diese Zahl: Am höchsten war die Belegung im Januar 2017, damals lebten auf dem Wohnschiff im Binnenhafen 200 Menschen.

Unabhängig davon, wann endgültig Schluss sein wird auf der „Transit“, die Arbeit der Flüchtlingshilfe Binnenhafen geht weiter. Ob Sprachkurse, Fahrradwerkstatt, Nähstübchen oder Hilfen beim Umzug: die Initiative ist für jeden dankbar, der mit anpackt (T. 300 853 91). Denn das steht für Andrea Zwengel fest: „Jetzt beginnt die nächste Stufe zur Integration. Was die Geflüchteten bisher gelernt haben, müssen sie nun im Alltag umsetzen. Auch dabei brauchen sie Unterstützung.“

Aus Rotterdam

216 Plätze auf drei Decks mit Einzel- und Doppelkabinen, gemeinschaftlichen Küchen, Wasch- und Gruppenräumen: Das Wohnschiff der niederländischen Firma Chevalier Floatels BV hat im Dezember 2014 am Kanalplatz im Harburger Binnenhafen festgemacht. Das 110 Meter lange und inzwischen 24 Jahre alte Schiff hatte seine Reise nach Hamburg von Rotterdam aus gestartet und soll, bevor es hier zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert wurde, Handwerkern als Bleibe gedient haben. Die ersten 30 Flüchtlinge hatten die „Transit“ im Februar 2015 bezogen. Betreiber ist fördern und wohnen, eine soziales Dienstleistungsunternehmen der Stadt Hamburg.