Harburg
Buchholz

Aufbruchstimmung im Museumsdorf

 Dr. Jörn Lindner (l.) und Hartmut Matthies vom Geschichte- und Museumsverein Buchholz vor dem Eingang zum alten Schulgebäude

Dr. Jörn Lindner (l.) und Hartmut Matthies vom Geschichte- und Museumsverein Buchholz vor dem Eingang zum alten Schulgebäude

Foto: Lutz Kastendieck

Geschichts- und Museumsverein Buchholz wagt in Seppensen den Schritt vom Sammeln und Bewahren zum Forschen und Vermitteln.

Buchholz.  Der Geschichts- und Museumsverein Buchholz plant im Museumsdorf Seppensen eine umfassende Neustrukturierung seiner Dauerausstellung zur Heimatgeschichte. „Es geht nicht mehr nur ums Sammeln und Bewahren, sondern mehr denn je auch ums Forschen und Vermitteln“, begründet Dr. Jörn Lindner die Aufbruchstimmung.

Schauplatz ist und bleibt die alte Seppenser Dorfschule. Als massiver Backsteinbau 1880 für 25 Schüler und ihren Lehrer errichtet, fand hier bis 1965 regulärer Unterricht statt. „Seit 1980 beherbergt sie das Heimatmuseum Buchholz und steht als ortsbildprägendes Gebäude unter Denkmalschutz“, so der Vereinsvorsitzende Dr. Ehrhard Deisting.

Mit der Umwidmung wurden die ehemaligen Räume einer neuen Nutzung zugeführt. Ins Schlafzimmer der einstigen Lehrerwohnung wurde die Werkstatt des letzten Dorfschuhmachers verlagert, der 1982 seinen Betrieb eingestellt hatte. Zu sehen sind hier neben rund 1000 verschiedenen Werkzeugen die Originalleisten des Meisters, der noch jedes Paar in mehrtägiger Arbeit eigenhändig herstellte.

Zwei weitere Räume der einstigen Lehrerwohnung beherbergen unter anderem die Bibliothek und das Archiv des Vereins sowie den Ausstellungsraum 2, im ehemaligen Klassenzimmer befindet sich heute ein Versammlungsraum, der zugleich als Atelier für Sonderausstellungen, Lesungen und permanent stattfindende Malkurse genutzt wird.

„Unser Problem besteht vor allem darin, dass bislang kein echter Rundgang von Raum zu Raum möglich war, weil Zu- und Ausgang der Räume durch die selbe Tür erfolgt. Dadurch haben sich die Besucherströme nicht selten gegenseitig behindert“, erläutert Kassenwart Hartmut Matthies die Ausgangssituation.

Abhilfe sollen nun zwei Mauerdurchbrüche schaffen. Zum einen vom Schusterraum (Ausstellungsraum 1) zum Ausstellungsraum 2, zum anderen von der Bibliothek zur Diele, bei gleichzeitiger Entfernung der Tür vom Ausstellungsraum 2 zum Flur. „Damit schaffen wir einen glatten Durchfluss, der praktischer Weise von zwei Seiten möglich ist. Also sowohl von der ehemaligen Hauptpforte der Schule, als auch von der rückwärtigen Hofseite aus“, so Matthies.

Dass dies dem Gesamtverständnis der Ausstellung abträglich sein könnte, glaubt Dr. Jörn Lindner nicht. „Weil die Buchholzer Heimatgeschichte so vielschichtig ist, folgt das neue Konzept keiner chronologischen, sondern einer thematischen Gliederung“, sagt der Sozial- und Wirtschaftshistoriker, der dem Museumsverein beratend zur Seite steht.

Lindner sieht vor allem zwei inhaltliche Schwerpunkte: Das Leben der Heidebauern im 19. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der Landwirtschaft und der Dorfgemeinschaft sowie die Entwicklung der Gemeinde Buchholz vom Bauerndorf zum Mittelzentrum.

„Beide Schwerpunkte sind spannend und bergen ihren ganz eigenen Reiz“, so Lindner. Ließe sich aus der Zeit, als Buchholz noch ein unbedeutendes Heidedorf war, viel über Sitten, Gebräuche, Feste und die Dorfelite, bestehend aus Handwerksmeistern, Lehrer und Schultheiß, berichten, so liefere auch die rasante Urbanisierung nach dem Anschluss ans Eisenbahnnetz jede Menge wissenswerten und interessanten Stoff.

„Für beide Abschnitte haben wir genügend spannende Exponate: Werkzeuge wie Sägen und Hämmer, historische Kleidung wie etwa ein Trauerkleid aus dem 19. Jahrhundert, aber auch zahlreiche Dokumente zum Wandel vom Dorf zur Stadt“, erklärt Lindner. Durch eine geschickte Anordnung gehe es nun darum, die Exponate zum Sprechen zu bringen und so eine Interaktion mit den Besuchern zu ermöglichen.

Deshalb sei es ihm auch wichtig, eine enge Verbindung zu den anderen Gebäuden des Museumsdorfes herzustellen, das überdies eine historische Schmiede, ein Backhaus, eine Durchfahrtsscheune sowie Sniers Hus zu bieten hat, das 1695/96 in Regesbostel erbaut worden war, 1985/86 aber nach Seppensen transloziert und weitgehend originalgetreu wiederhergestellt wurde.

Die Stadtverwaltung stand den Plänen des Museumsvereins bei der Präsentation in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses ebenso positiv gegenüber, wie die Kommunalpolitik. Gefeilt werden müsse allerdings noch am Finanzierungskonzept. Geschätzte 30.000 Euro sind vorerst veranschlagt. Daran wolle sich die Stadt durchaus beteiligen, so der allgemeine Tenor. Erwartet würde aber, dass sich der Verein um weitere Fördergelder aus entsprechenden Landes-, Bundes- und EU-Mitteln bemühe.

Verein in Zahlen

Der Museumsverein zählt aktuell 335 zahlende Mitglieder, von denen sich etwa zehn Prozent regelmäßig engagieren. Der Jahresbeitrag beläuft sich auf 24 Euro.

Neben dem Museumsdorf am Mühlenteich in Seppensen betreibt der Verein auch die Holmer Mühle in der Schierhorner Straße.

Beliebte Aktionen in den nächsten zwei Monaten sind die Back- und Schmiedetage am 21. Juli und 18. August, jeweils von 15 bis 17 Uhr, der SPD-Flohmarkt am 12. August von 10 bis 16 Uhr sowie der Imkertreff für Ferienkinder am 4. Juli von 10 bis 12.30 Uhr.

Weitere Infos gibt es auf der Homepage des Vereins www.gmv-buchholz.de.