Harburg
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Sommerbaustellen ärgern die Harburger

Grundsanierung der wichtigsten Ost-West-Verbindungsstraßen verursacht weiträumigen Ausweichverkehr im gesamten Stadtbereich

Harburg. Dass in Norddeutschland Sommerferien sind, hat man auf den Straßen Harburgs nur kurz gemerkt: Erst sorgte die Reisewelle aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen mit Staus auf den Autobahnen für so viel Ausweichverkehr, dass in Harburg ein Wochenende lang Stillstand herrschte, dann floss der Verkehr vorbildlich, da zahlreiche niedersächsische Pendler jetzt im Urlaub waren. Nur eine Woche später war das jedoch vorbei: Mit dem Beginn der Hamburger Sommerferien begann der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) seine Asphalt-Offensive zur Sanierung maroder Straßen. Dies in den Ferien zu tun, ist üblich, neutralisiert aber die Entlastung durch die Urlaubszeit.

Gerade die erneute Sperrung des Langenbeker Wegs macht sich negativ bemerkbar: Weil auch die Hohe Straße in Höhe des Autobahn-Anschlusses voll gesperrt ist, gibt es derzeit für Harburgs Autofahrer nur zwei Möglichkeiten, vom Osten der Stadt in den Westen zu kommen, und umgekehrt: In Sinstorf, fast schon an der Landesgrenze oder durch die Harburger Innenstadt, die gerade im Bereich Wilstorfer Straße/Krummholzberg/Bremer Straße massiv unter dem Ausweichverkehr ächzt. Ginge es nach den Planern des LSBG, wäre derzeit auch immer noch die Autobahnauffahrt Wilstorf gesperrt. Eine Intervention des Hamburger Baustellenkoordinators bog das ab.

Diese Baustelle wird Harburg bis in den August hinein begleiten und schrittweise in Richtung Bremer Straße wandern, mit Sperrungen erst bis zum Osterfeldweg, dann vom Osterfeldweg bis zur Marmstorfer Kirche und schließlich des gesamten Ernst-Bergeest-Wegs. Mit Schuljahresbeginn soll die Sanierung beendet sein. Wie sicher solche Terminprognosen sind, zeigt die Tatsache, dass der derzeit gesperrte Abschnitt des Langenbeker Wegs bereits 2017 fertig sein sollte. Einige Wochen lang war die Straße in diesem Jahr wieder frei gegeben, jetzt ist sie wider aufgerissen. Der Ausweichverkehr quält sich durch die engen Gassen am Krönenbarg. Die sind oft nur in eine Richtung befahrbar, da die Fahrbahn zur Hälfte zugeparkt ist.

„An einigen Stellen des Krönenbarg sind Halteverbotsschilder aufgestellt und es gab vor einigen Tagen Postwurfsendungen, die den Anwohnern die Halteverbote ankündigten. Nur haben diese Leute ja keine Alternative, wo sie ihr Auto abstellen können“, sagt Rainer Bliefernicht. Der CDU-Bezirksabgeordnete ist Vorsitzender des Ausschusses für Inneres, Bürgerservice und Verkehr.

Wahrscheinlich gäbe es auch weniger Ausweichverkehr, wenn Autofahrern an der Winsener Straße gleich klar wäre, dass die gelben Umleitungsschilder am Straßenrand für den Langenbeker Weg und die bis nächste Woche geltende Sperrung des Meckelfelder Wegs gelten. Dieser Hinweis fehlt jedoch völlig. So kommt es in den Sackgassen vor den eigentlichen Baustellen zu langen Gesichtern und chaotischen Wendemanövern. In Richtung Meckelfeld müsste man aus Harburg nun eigentlich die traditionelle Hauptstrecke über Jägerstraße und Vogteistraße nehmen, da der alte Schleichweg über die Rönneburger Freiheit mittlerweile verpollert ist. Auf ortskundigen Rat wollten die LSBG-Planer an ihren Schreibtischen in Hammerbrook offenbar lieber verzichten: „Die bezirklichen Gremien sind dazu nicht gehört worden“, sagt Rainer Bliefernicht. „Der Verkehrsausschuss des Bezirks wurde über die Baustellen nur kurzfristig en passant unterrichtet. Das Resultat auf der Straße ist eine Katastrophe. Und politisch ist dieses Vorgehen eine Schweinerei! Wünschenswert wäre ein Vorlauf von einigen Monaten.“

Doch nicht nur im Harburger Osten wird derzeit gefräst, geschüttet und gewalzt. Pünktlich zum Ferienanfang begann auch die erstmalige endgültige Herstellung des Ehestorfer Wegs. Die wichtige Nebenstrecke in Richtung Rosengarten und Süderelbe wird bis in den Hebst hinein zwischen Jahnhöhe und Landesgrenze komplett neu gebaut.

Außerdem werden am Moorburger Bogen zwischen Fürstenmoordamm und Moorburger Straße bis August neue Gasleitungen eingezogen. Die Strecke ist so lange Einbahnstraße in Richtung Westen.

Einseitig Einbahnstraße bleibt auch die Neuländer Straße zwischen Narten-straße und Hannoverscher Straße. Auf der Internet-Baustellenkarte des Senats gilt sie noch als Baustelle der Klappbrücken-Sanierung. Das ist allerdings nicht der Grund, warum sie einseitig gesperrt ist: Die für die Verlegung der Wilhemsburger Reichsstraße zuständige Gesellschaft DEGES befürchtet zuviel Verkehrsdruck auf ihr Prestigeobjekt, vor allem die umstrittene Ampelkreuzung an der Kornweide. Da kam den DEGES-Planern die Sperrung der Neuländer Straße, die zunächst in der Tat der Brückensanierung diente, ganz recht. so dass sie diese einseitig fortsetzten. Das derzeit die Hannoversche Straße voll gesperrt ist, weil die Bahnbrücke erneuert werden muss und deshalb ohnehin weniger Autos die Auffahrt Neuland ansteuern, lässt die Verkehrsbehörde nicht zählen: „Die Umleitungsstrecken werden gut angenommen Eine Änderung an der Einbahnstraßenregelung ist daher nicht zweckmäßig“, schreibt Christian Füldner, Pressesprecher der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation.