Harburg
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Im Park zurückgelassen – Störte Benji bei der Urlaubsreise?

Mit Beginn der Ferienzeit werden im Hamburger Stadtgebiet wieder verstärkt Haustiere ausgesetzt. Dafür drohen Freiheitsstrafen

Harburg. Ferienzeit ist Reisezeit. Und damit die Zeit, in der sich regelmäßig Menschen ihrer Haustiere entledigen. Allein im Juni wurden mehr als 150 Tiere im Hamburger Stadtgebiet gefunden und direkt ins Tierheim des Hamburger Tierschutzvereins gebracht oder in Notlagen vom vereinseigenen Rettungsdienst abgeholt. Im Juni vergangenen Jahres waren es noch 130 verstoßene Familienmitglieder – Tendenz steigend.

In einem Harburger Park etwa wurde der Welpe Benji am 18. Juni spät abends winselnd und zitternd im Gebüsch gefunden. Der Finder machte sich auf den Weg ins Vereins-Tierheim in der Süderstraße, das auch nachts für genau solche Notfälle geöffnet ist. Stand da ein arbeitsintensiver Welpe Urlaubsplänen im Weg? Das Trauma der Aussetzung hat Welpe Benji gut weggesteckt. Da er noch keine vier Monate alt ist, wird er noch ein wenig wachsen müssen, bis er preisgibt, welche Rassen in ihm stecken.

Manche Tiere werden mit Briefen oder Info-Zetteln versehen ausgesetzt. So geschehen ist es mit dem Kaninchen Mimmy am 27. Juni. Die kleine Nagedame stand in einer Transportbox auf dem Parkplatz an der MSV-Sportanlage in Mümmelmannsberg. An der Box war ein ausgedruckter Zettel mit folgender Aufschrift befestigt: „Ich bin ein Mädchen, Ende Oktober 2016 geboren. Lass mich im Käfig nicht streicheln, auch sonst ungern. Bitte seid lieb zu mir, meine Besitzer haben Angst vor mir.“

In beiden Fällen hat der Hamburger Tierschutzverein Anzeige gegen Unbekannt erstattet. „Wer ein Tier aufnimmt, übernimmt auch die Verantwortung für sein Wohlergehen“, sagt Sandra Gulla. „Es gibt überhaupt keinen Grund ein Tier auszusetzen. Den Mut, es bei uns im Tierheim abzugeben, sollte man doch aufbringen.“

Gemäß § 3 Abs. 3 Tierschutzgesetz (TierSchG) ist es verboten, ein im Haus, Betrieb oder sonst in Obhut des Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder es zurückzulassen, um sich seiner zu entledigen oder sich der Halter- oder Betreuerpflicht zu entziehen. Das Aussetzen ist eine Ordnungswidrigkeit und kann gemäß § 18 Abs.1 Nr.4 TierSchG mit einer Geldbuße bis zu 25.000 Euro bestraft werden. Im Einzelfall, so wenn das Tier durch die Aussetzung zu Tode kommt, handelt es sich um eine Straftat gem. § 17 TierSchG. Diese kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe geahndet werden.

Der Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V. appelliert an Menschen, die ihr Tier nicht mehr halten können, diesen Mitbewohner im Tierheim abzugeben. Eine persönliche Abgabe ist nicht nur eine Frage des Anstands und Respekts, sondern erleichtert auch die Vermittlung des Tieres.s.