Harburg
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Kleine Fluchten im Harburger Binnenhafen

Foto: Maribel Graf / HA

In Escape Games versuchen Spieler so schnell wie möglich aus einem Raum zu entkommen. Das Mystery House feiert dreijähriges Bestehen.

Harburg.  Michael Schulze und Matthias Klindworth sind Experten, wenn es um Bombenentschärfungen, Gefängnisausbrüche und die Aufklärung von Mordfällen geht. Doch die beiden sind weder bei der Kampfmittelbeseitigung noch bei der Kriminalpolizei tätig. Seit drei Jahren leiten sie das Mystery House in Harburg, den größten und preiswertesten Escape Game Anbieter in der Metropolregion.

Das Prinzip ist einfach: Die Spieler müssen einen verschlossenen Raum so schnell wie möglich verlassen. Dafür haben sie maximal 60 Minuten Zeit. Um zu entkommen, müssen Rätsel gelöst werden. „Während des Spiels taucht man komplett in eine andere Welt ein“, sagt Matthias Klindworth, „die Spieler schlüpfen in Rollen, die sie im normalen Leben nicht sein können wie Kommissare, Einbrecher oder Häftlinge.“ Um ihren Gästen das volle Erlebnis zu bieten, gibt es entsprechende Kostüme und Verkleidungen. „Gerade dadurch gehen viele Spieler total in ihrer Rolle auf.“ Auch andere Hilfsmittel wie Handys haben im Escape Game nichts verloren. Die sollen die Spieler draußen lassen. „Man ist einfach weg von der digitalen Welt. Für Kinder kann das manchmal ganz schön hart sein, wenn sie im Raum nicht einmal Bilder machen und versenden können“, sagt Michael Schulze und lacht, „aber so ist man mit dem Kopf ganz beim Spiel.“

Das erste Mystery House eröffnete 2014 in Flensburg, 2015 folgte der Standort in Hamburg und 2016 in Bremen. In Harburg können Besucher zwischen sechs verschiedenen Spielen wählen: „The Bomb“, „The Robbery“, „The Prison Cell“ und am beliebtesten: „Der Tatort“. „Das liegt vermutlich einfach am Namen. Tatort – das kennen die Leute“, sagt Michael Schulze. Auch Prison Cell ist beliebt: hier versuchen bis zu vier Spieler aus einer Gefängniszelle auszubrechen.

Je nach Raum können sich zwei bis sechs Spieler an den Rätseln versuchen. „Ganz ohne Hilfe von außen sind die aber kaum zu knacken“, sagt Matthias Klindworth. Deshalb ist jede Spielgruppe mit einem Spielleiter per Walkie-Talkie verbunden und die Räume videoüberwacht. „Es gibt Punkte, die zu einer bestimmten Zeit erreicht sein sollten, um es vor Ablauf der Zeit aus dem Raum zu schaffen.“

Wenn die Gruppe nicht weiterkommt, helfen die Spielleiter weiter. „Die Leute wollen schließlich ein Erfolgserlebnis“, sagt Michael Schulze. Allerdings habe es auch schon einige Gruppen gegeben, die trotz Tipps aus dem Kontrollraum die Rätsel nicht lösen konnten – oder gar keine Hilfe wollten. „Die Mischung macht’s: die Spieler sollen die Rätsel in einer Stunde lösen können, zu einfach darf es allerdings auch nicht sein.“ Die Räume haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und sind für Erwachsene und Kinder ab acht Jahren.

Doch das Mystery House lockt nicht nur Freunde und Familien. Die Räume werden für Junggesellenabschiede, Kindergeburtstage und sogar ganzen Schulklassen gebucht. „Außerdem finden bei uns viele Betriebsausflüge, Weihnachtsfeiern und Teambuildings statt“, sagt Michael Schulze. Gemeinsam Rätsel zu lösen, schweiße viel mehr zusammen, als nur mit den Kollegen essen zu gehen. Für die Weihnachtszeit sei das Mystery House jetzt schon so gut wie ausgebucht.

Passend zum Jubiläum haben Spieler seit fast zwei Monaten die Möglichkeit, ihren Besuch mit einem anschließenden Drei-Gänge-Menü im Restaurant Schwerelos zu verbinden. Außerdem gibt’s auf der Facebookseite ab sofort Rabattcodes für den Besuch im Mystery House.

Ein neuer Raum ist ebenfalls geplant. Ideen für Räume liefern die rund 30 Mitarbeiter aus Flensburg und Hamburg. „In unseren Teammeetings und WhatsApp-Gruppen kommt es ständig zu neuen Ideen“, sagt Michael Schulze. Oft entstehe aus einem Raum wieder eine Idee für andere Standorte, ergänzt Matthias Klindworth.

Jeder Mitarbeiter trage etwas dazu bei. „Dafür suchen wir momentan auch neue Spielleiter. Im Mystery House ist der Kontakt mit Menschen wichtig und auch die Fähigkeit, sich und andere zu begeistern.“

Durch die ständig neuen Ideen durch das Team können Spieler die gleichen Escape Games sogar am selben Standort mehrmals spielen. „Ein Raum ist nie fertig. Die Rätsel verändern und entwickeln sich immer weiter“, sagt Michael Schulze.