Harburg
Kreisfeuerwehrjugendcamp

Das Zeltdorf der 1000 kleinen Retter

Für die Jugendfeuerwehren im Landkreis Harburg geht es um den Lagerpokal. Dabei

Für die Jugendfeuerwehren im Landkreis Harburg geht es um den Lagerpokal. Dabei

Foto: Laura Kosanke

Nachwuchsförderung der freiwilligen Feuerwehren im Kreis Harburg. In Vahrendorf herrscht noch bis Sonnabend Hochbetrieb.

Vahrendorf.  Jeden Morgen ruft der Lagerleiter, Detlev Schröder, zum Appell. Das Meer von Zelten, die am Sonnabend am Wildpark Schwarze Berge aufgebaut wurden, erwacht und rund 1000 kleine Feuerwehrleute wuseln zum Frühstücksbuffet in die Essenshalle.

Sie sind zehn bis 18 Jahre jung und kommen aus dem Kreis Harburg. Gastgruppen sind aus Lahnstein, Vollersode und Schweden angereist. Das achttägige Zeltlager steht unter dem Motto ‚Nachwuchsförderung‘.

„Die steht bei uns an erster Stelle“, sagt Oliver Bachmann, Fachbereichsleiter für Öffentlichkeitsarbeit. Deshalb arbeiten die Kinder und Jugendlichen auch von morgens bis abends im Team. Es gibt sportliche Übungen für den Lagerpokal und interne Aufgaben wie Waschdienste und Nachtwache. Das schweißt zusammen, stärkt das Verantwortungsgefühl und sichert die Jugendarbeit der Feuerwehren, denn „Feuerwehrarbeit ist Teamarbeit“, sagt Lagerleiter Detlev Schröder.

Nach der ersten Etappe startet der Feuerwehr-Nachwuchs ins Spiel- und Spaßprogramm. Mit Völkerball, Tchoukball und Speedminton spielen die Jugendfeuerwehren in zwei Altersligen um die Rangspitze. Der Lagerpokal wird am heutigen Freitag, 6. Juli, verliehen. Bis dahin werden die Kraftreserven mit Wassermelone, Gyros und Pute Hawaii aufgetankt. Manche Feuerwehrleute hängen trotz vollem Energie-Tank in den Seilen – in zehn Meter Höhe auf mehr als 20 gestapelten Wasserkisten. Faulenzer atmen beim Basteln und Malen oder im Wildpark durch.

Familienbesuch gab es am Mittwoch, 4. Juli. Mit 5000 Hotdogs wurde die Küche auf Trab gehalten und bewirtschaftete neben den Abenteurern rund 3000 Gäste, darunter auch Kreishandwerkerschaft und Behörden, die verschiedene Berufe vorstellten. Bevor es auf der Zeltwiese dann ruhig wird, trommeln die Betreuer zum Public Viewing, Nachtmarsch, Karaoke-Singen oder zur Disco.

Der Feuerwehr-Nachwuchs erzählt, neben dem langen Aufbleiben seien das ganz besondere Highlights. „Die Stimmung kann man sich gar nicht vorstellen, wenn man nicht dabei ist. Da ist die Hölle los“, sagt Detlev Schröder. Außer der Nachtwache schleicht dann aber ab 23 Uhr niemand mehr auf der Zeltwiese, sondern im Land der Träume herum.

Ernst wird es für 240 Jugendliche im Alter von 15 bis 18. Sie trainieren für die Leistungsspange. Das ist die höchste Auszeichnung, die gruppenweise für jugendliche Feuerwehrleute vergeben wird. In fünf Aufgaben wird der Nachwuchs in den Disziplinen Kugelstoßen, Staffellauf, Löschangriff, Schnelligkeit und theoretischem Wissen zum Feuerwehr-Einmaleins geprüft. Die Auszeichnungen werden ebenfalls am heutigen Freitag, 5. Juli, verliehen.

Über die Tagesereignisse informiert „Dufte“, die Tageszeitung des Zeltlagers. Auf der bunten Titelseite zeigt sie die Ferien-Helden des Tages. Im Innenteil gibt es das Programm und Insider-Wissen: „Gerüchten zufolge ist Deutschland wieder bei der WM dabei“, obwohl „Müller das müllern verlernt hat“. Liebesannoncen werden auch geschaltet: „Einsamer Bulle aus H. sucht nette Kuhlady für warme Duschabende. Mu(h)t beim Melden und zur Liebeserklärung.“ So bleiben Erinnerungen im Gedächtnis.

Der Ferienspaß läuft noch bis Sonnabend, 7. Juli, und wird von rund 450 freiwilligen Feuerwehrleuten und Sanitätern betreut. „Unser Lohn ist die Freude der Kinder“, sagt Detlev Schröder. Er betont: „Hier sind alle unter einem Hut.“ Das Zeltlager heißt jede Feuerwehrfrau und jeden Feuerwehrmann im Alter von zehn bis 18 Jahren willkommen. Um jedem die Teilnahme zu ermöglichen, seien bis auf kleine Naschereien vom Eis- und Würstchenstand alle Kosten mit 85 Euro Eigenbeitrag abgedeckt.

Den Rest übernehmen öffentliche und private Sponsoren. 2020 startet die 25. Runde, um die Zukunft der freiwilligen Feuerwehren durch Jugendarbeit zu sichern.

82 Kreisjugendfeuerwehren sind dabei

Alle zwei Jahre organisieren die Freiwilligen Feuerwehren im Kreis Harburg ein Zeltlager für Kinder und Jugendliche. Dadurch soll die freiwillige Feuerwehrarbeit im Sinne der Nachwuchsförderung gesichert werden. Auch dieses Jahr nehmen 82 von 92 Kreisjugendfeuerwehren am Sommerspaß teil.


Das Zeltlager besteht seit 1972 und geht in die 24. Runde