Landkreis Harburg

Jeder Zweite ist noch ohne Diesel-Update

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Maribel Graf
Ein Kfz-Meister lädt in einer Volkswagen-Werkstatt ein Software-Update auf einen Volkswagen Amarok mit einem 2,0-Liter-Dieselmotor (Symbolbild)

Ein Kfz-Meister lädt in einer Volkswagen-Werkstatt ein Software-Update auf einen Volkswagen Amarok mit einem 2,0-Liter-Dieselmotor (Symbolbild)

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

27 von 50 betroffenen Fahrzeugen im Kreis Harburg sind noch nicht auf neue Software umgerüstet. Haltern droht Stilllegung.

Winsen.  Mehr als ein Jahr hatte das Kraftfahrt-Bundesamt dem Autohersteller VW Zeit gegeben, für die vom Abgasskandal betroffenen Dieselfahrzeuge ein Software-Update anzubieten. Die Halter konnten es in diesem Zeitraum installieren lassen. Doch obwohl VW seit 2016 die Fahrzeuge zurückruft, sind viele immer noch mit der alten Software unterwegs. Das Update ist zwar nicht verpflichtend. Doch Haltern, die es verweigern, kann die zuständige Zulassungsstelle das Fahrzeug stilllegen.

Im Landkreis Harburg seien 50 Fahrzeuge vom Dieselskandal betroffen, sagt Andrea Deutschmann, die Sprecherin des Kreises. Bisher haben 23 Autobesitzer nach Angaben des Landkreises das Update machen lassen – gut die Hälfte fährt noch mit der alten Software. Gegen fünf von ihnen habe der Landkreis Klage erhoben. Ein Dieselfahrzeug sei bereits abgemeldet. Den übrigen sei durch besondere Begründung eine Fristverlängerung gewährt worden. Teils seien Klagen zu erwarten, teils bestehe bereits ein Termin in der Werkstatt für das Update, sagt Andrea Deutschmann.

Wer das Software-Update nicht nachweisen kann, muss sein Fahrzeug innerhalb von vier Wochen abmelden, erklärt Eva Wiebe vom Landesbetrieb Verkehr. An diesem Punkt entscheiden sich laut dem Landkreis viele Autobesitzer dann doch noch für das Update. Betroffene Dieselbesitzer können wegen der Stilllegung gegen die Zulassungsbehörde klagen. Bis zum Urteil dürfen sie dann weiterfahren.

Unabhängig vom Update können Halter auch gegen VW klagen. Jedoch sei es nach der Installation der neuen Software weitaus schwieriger, Ansprüche geltend zu machen, sagt Anke Wolf vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Die Ansprüche beschränkten sich im Wesentlichen auf Schadensersatz wegen Wertminderung. „Das ist aber immer schwierig zu begründen, insbesondere was die Höhe der Wertminderung betrifft.“

Deshalb verweigern viele Halter das Update, wenn sie sich in einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung mit VW um Schadensersatz bemühen. „Die Fahrzeugbesitzer begründen das damit, dass die Fahrzeug in ihrem aktuellen Zustand als Beweismittel benötigt werden“, sagt Wiebe.

Musterfeststellungsklagetritt am 1. November in Kraft

Fahrzeugbesitzern kann das vom Bundestag beschlossene Gesetz zur Musterfeststellungsklage helfen, das am 1. November in Kraft treten soll. Betroffene können sich bei Verbänden wie der Verbraucherzentrale melden, die stellvertretend für die Halter klagen. Nötig sind hierfür mindestens zehn Einzelfälle von geschädigten Verbrauchern und mindestens 50 Anmeldungen im Klageregister. Das ist jedoch nur bis Ende des Jahres möglich.

„Nach 2019 sind Schadensersatzansprüche gegenüber VW größtenteils verjährt“, sagt Anke Wolf von der Verbraucherzentrale. Eine Musterfest­stellungsklage hemme die Verjährung immerhin für die beteiligten Verbraucher. „Davon unabhängig hat sich die Verbraucherzentrale stets dafür ausgesprochen, dass sich VW seiner Verantwortung stellt und jeden Verbraucher entschädigt – egal ob Ansprüche verjährt sein sollten oder nicht.“

Im Landkreis Harburg verweigerten Halter oft aus Furcht vor Leistungseinbußen und Motorschäden das Software-Update, sagt Kreis-Sprecherin Deutschmann. Diese Ängste sind den Testergebnissen des ADAC zufolge jedoch weitgehend unbegründet. Der ADAC hatte den Schadstoffausstoß, die Motorleistung und den Kraftstoffverbrauch mehrerer Dieselautos vor und nach dem Software-Update getestet.

„Die Motorleistung und der Kraftstoffverbrauch sind vor und nach dem Update nahezu gleich“, sagt Hans Pieper, Sprecher des ADAC Hansa. Der Ausstoß von Schadstoffemissionen, insbesondere von Stickstoffoxiden, sei hingegen deutlich gesunken. „Daher empfiehlt der ADAC das Update. Es hat keine direkten Nachteile“, so Pieper.

Autobesitzer befürchten Folgeschäden nach Update

Allerdings seien die Langzeitaus­wirkungen nach dem Software-Update nicht geklärt. Während VW die Kosten für das Up­date übernimmt, sorgen sich Autobesitzer wegen möglicher Folgeschäden. „Sollte es aufgrund der Software zu Folgeschäden am Fahrzeug kommen, müsste VW die Kosten dafür übernehmen“, fordert Pieper. Laut ADAC habe sich der Autohersteller in solchen Fällen allerdings bislang kulant gezeigt.

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