Harburg
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Bezirksamtsleiter-Wahl steht auf der Kippe

Innerhalb der Harburger CDU-Fraktion gibt es offenbar Widerstand gegen die favorisierte Kandidatin

Harburg. Da bekommt der Begriff „Geheime Wahl“ eine ganz andere Bedeutung: Haupttagesordnungspunkt der Sitzung der Harburger Bezirksversammlung morgen ist die Wahl einer neuen Bezirksamtsleitung. Bis zum Wochenende war aber noch nicht einmal klar, wer überhaupt zur Wahl stehen wird. Eigentlich wollten die Fraktionsspitzen von SPD und CDU am Freitag im Ältestenrat der Bezirksversammlung mitteilen, welche Kandidatin oder welchen Kandidaten sie vorschlagen werden.

Nach Abendblatt-Informationen ist dies allerdings nicht geschehen. Die Große Koalition teilte lediglich mit, dass sie sich noch nicht äußern wolle und dies frühestens am heutigen Montag – wenn überhaupt –zu tun gedenke.

„Wir haben gleichlautend verdeutlicht, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch keinen gemeinsamen Kandidaten benennen wollen“, sagt CDU-Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Jürgen Heimath wollte sich gar nicht äußern. Die große Koalition hat sich auf die Fahne geschrieben, den Erhalt ihres Bündnisses über die gesamte Legislaturperiode über alle anderen Fragen zu stellen. Und trotz gegenteiliger Beteuerungen scheint sich die Groko nicht geschlossen auf eine Kandidatin einigen zu können.

„Mit einer Stimme haben Fischer und Heimath nun wirklich nicht gesprochen“, sagt ein Insider, „Die SPD-Fraktion ist wohl 100-prozentig für Sophie Fredenhagen, und Teile der CDU haben auch kein Problem mit ihr. Andere schon.“ Besonders die Ultra-Konservativen um den Kreisvorsitzenden Uwe Schneider und den Marmstorfer Rainer Bliefernicht sollen die ehemalige Harburger Jugenamtsleiterin verhindern wollen. Wirklich verneinen will Bliefernicht das nicht: „Wir haben nichts gegen Frau Fredenhagen“, sagt er. „Aber wir sind nicht einer Meinung mit dem Rest der Abgeordneten.“

Laut Koalitionsvertrag hat die SPD das Vorschlagsrecht für Bezirksamtsleiterkandidaten. Allerdings haben die Sozialdemokraten niemanden vorgeschlagen, so dass die Stelle ausgeschrieben wurde. Einige Stimmen in der CDU-Fraktion meinen, die SPD habe ihr Recht damit verwirkt.

Die progressive Sophie Fredenhagen ist manchem CDUler wohl auch deshalb ein Dorn im Auge, weil sie als Bezirksamtsleiterin die Vorgesetzte von Sozialdezernentin Anke Jobmann werden könnte. Jobmann war vor einem Jahr von der CDU durchgesetzt worden. Fredenhagen hatte sich ebenfalls beworben. Nachdem die Historikerin Jobmann die Stelle bekam, hatte sich die Fachfrau Sophie Fredenhagen zum Jahreswechsel beruflich nach Buxtehude und nach oben verändert. Beobachter vermuten, dass es um die Chemie zwischen Jobmann und Fredenhagen nicht gerade zum besten bestellt ist.

Möglich ist, dass Ralf-Dieter Fischer über das Wochenende noch versucht hat, Bliefernicht und Schneider auf Konsenskurs zu bringen. „Es ist aber auch möglich, dass wir am Dienstag eine große Überraschung erleben“, sagt Rainer Bliefernicht. Das könne bedeuten, dass es einen Kompromisskandidaten gibt, die CDU-Favoritin Petra Gerlach aus Delmenhorst oder den SPD-Mann Maik Schwartau aus Schleswig-Holstein. Es könnte bedeuten, dass das Ausschreibungsverfahren in die nächste Runde geht. Oder es könnte bedeuten, dass die Koalition doch noch platzt.