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Kiez-Club-Macher plant jetzt einen Treffpunkt in Hittfeld

Reinhold Richter und seine Frau Sonja Richter eröffnen im August 2018 das "Café Lagom" an der Schützenstraße in Hittfeld

Reinhold Richter und seine Frau Sonja Richter eröffnen im August 2018 das "Café Lagom" an der Schützenstraße in Hittfeld

Foto: Lena Thiele

Im „Café Lagom“ gibt es von August an Frühstück, Salate und Kuchen. Inhaber Reinhold Richter hat zuvor Kiez-Clubs aufgebaut.

Hittfeld. „Gerade richtig“ hat sich dieser Schritt für Reinhold Richter angefühlt. Ein eigenes Café im Süden Hamburgs zu eröffnen, das tagsüber ein Ort zum Wohlfühlen für seine Gäste sein soll – und ihm selbst genug Luft lässt für ein Leben neben dem Job. Im August will er das „Café Lagom“ an der Schützenstraße in Hittfeld eröffnen. An sechs Tagen pro Woche wird es hier Frühstück, Salate, Brote, Suppen, Eis und Kuchen geben.

Bis dahin ist noch jede Menge zu tun. Doch das macht Reinhold Richter nichts aus. Hat er doch neben seinem Job als Chemie-Laborant in den vergangenen zwei Jahrzehnten stets mit Leidenschaft in der Gastronomie gearbeitet und Veranstaltungen organisiert. Zuletzt baute er zwei erfolgreiche Clubs, das Noho und das Gaga, auf dem Hamburger Kiez auf. Der Erfolg hatte seinen Preis. 300 Arbeitsstunden im Monat waren keine Seltenheit, morgens kehrte der Vater einen kleinen Sohnes oft erst gegen acht Uhr in das Wilstorfer Zuhause der Familie zurück.

„Jetzt weiß ich wenigstens, warum ich viel arbeite“, sagt der 40-Jährige. Er blickt sich in dem Raum um, in dem bald die Cafébesucher eine Tasse guten Kaffee, einem orientalischen Salat oder ein Stück selbstgebackenen Kuchen genießen sollen. Maurerkellen, Plastikeimer, ein Sack Spachtelmasse stehen auf dem staubigen Betonboden, durch den sich tiefe Einkerbungen für verschiedene Leitungen ziehen.

Der Cafébetreiber legt Wert auf Produkte aus der Region

Die Decke ist freigelegt, weiße Kabel hängen herunter, an der Wand lehnt eine Leiter. Noch ist hier alles grau, wenn auch hellgrau. Durch die breite Fensterfront fällt Licht in den Raum, obwohl weiße Kreidefarbe auf den Fensterscheiben den Blick von draußen nach drinnen noch verwehrt.

Im Oktober vergangenen Jahres stand Reinhold Richter zum ersten Mal in dem Raum, der bis vor zehn Jahren ein griechisches Restaurant beherbergte und seitdem leer stand. Auch wenn der Renovierungsbedarf offensichtlich war – die Entscheidung für den Standort im Hittfelder Zentrum fiel nicht schwer. „Wir wollten unbedingt im Süden bleiben“, sagt Sonja Richter. Sie ist im Café ihres Mannes vor allem fürs Marketing zuständig, parallel zu ihrem Job als E-Commerce-Leiterin einer Papierfirma.

„Hittfeld ist bekannt für eine gute Abendgastronomie“, sagt die 41-Jährige. Ein Frühstücksangebot, wie es ihnen vorschwebt, fehle jedoch bisher in der Region. Zugleich gebe es in Hittfeld und Umgebung ausreichend Menschen, die tagsüber ein Café besuchen könnten und hochwertiges Essen schätzten. „Qualität statt Masse“ sei ihr Ziel, sagt Sonja Richter. „Gerade haben wir im Garten meiner Mutter Kirschen gepflückt, um Marmelade fürs Café zu kochen.“ Die Lebensmittel werden die Richters überwiegend von Anbietern aus Norddeutschland beziehen.

Auf einer Fläche von 185 Quadratmetern entsteht ein Café für bis zu 43 Gäste. Verschiedene Zonen sollen den Raum auflockern und für Behaglichkeit sorgen. Es wird eine Bar und einen Eistresen geben, der auch von der Straße aus zugänglich ist. Dort ist zudem eine große Holzterrasse bis an den Gehweg heran geplant.

Für Kinder wird ein Spielzimmer eingerichtet

Drinnen kann ein Raum abgetrennt werden, darin wird ein langer Holztisch stehen. „Wir wollen ein bisschen Familienatmosphäre schaffen und die Leute zusammenbringen“, sagt Sonja Richter. Der Raum kann auch für Geburtstagsfeiern und Meetings genutzt werden. Für Kinder wird im Café ein Spielzimmer mit Milchglasfenster eingerichtet, damit Eltern ihre Kleinen im Blick haben und zugleich in Ruhe ihren Kaffee trinken können.

Das Design sei „ein bisschen skandinavisch“, sagt Sonja Richter. Viel Holz, helle Möbel, klare Linien. Bevor es an die Einrichtung geht, werden zunächst die Fenster ausgetauscht, die Elektrik muss erneuert und der Boden gemacht werden. In ihren Traum vom Café steckt das Paar rund 100.000 Euro. Reinhold Richter hat seinen Job auf dem Kiez bereits gekündigt, mit Hilfe eines Gründungszuschusses der Arbeitsagentur arbeitet er nun in Vollzeit daran, dass das Café wie geplant im August eröffnen kann.

„Hier soll jeder Gast einen Platz finden, an dem er sich wohlfühlt“, sagt Reinhold Richter. „Wer allein herkommt, soll selbst entscheiden können, ob er in Ruhe eine Zeitung lesen oder ein bisschen mit mir quatschen will.“ Es ist diese Balance von nicht zu viel und nicht zu wenig, die auch der Name des Cafés ausdrücken soll. „Lagom“ ist ein Begriff aus Schweden und beschreibt dort das Gefühl, das sich ein Moment oder auch das ganze Leben gut anfühlt – eben „gerade richtig“.