Harburg
Wochenmarkt-Legende

Schinken-Heino legt das Messer weg

Heino Allgäuer verkaufte mehr als 32 Jahre Schinken auf dem Harburger Wochenmarkt

Heino Allgäuer verkaufte mehr als 32 Jahre Schinken auf dem Harburger Wochenmarkt

Foto: xl

Heino Allgäuer ist eine Legende auf dem Harburger Wochenmarkt. Nach fast 33 Jahren geht der Fleischermeister in den Ruhestand.

Harburg.  . Ein Urgestein geht, sein Stand bleibt: Am kommenden Sonnabend um 13.30 Uhr schneidet Heino Allgeier die letzte Scheibe Schinken vom Schweinebein. Dann macht er das Messer sauber, übergibt es an seinen Nachfolger und packt sein Wohnmobil. 49 Jahre Berufsleben, davon 32 Jahre und elf Monate auf dem Harburger Wochenmarkt, werden zu einem abgeschlossenen Kapitel. „Schinken-Heino“ geht in den Ruhestand.

„Ich bin 65 Jahre alt und ich habe mir immer gesagt, dass ich dann aufhöre. Das fällt mir natürlich ein wenig leichter, weil ich einen Nachfolger gefunden habe, dem ich zutraue, meinen Stand vernünftig weiterzuführen.“ Denn zwar geht Heino Allgeier in den Ruhestand, „Heinos Schinkenkate“ aber bleibt auf dem Wochenmarkt.

Jens Boltin heißt der neue Mann auf dem Verkaufsanhänger. Schon seit einigen Wochen lässt der Hollenstedter sich von seinem Vorgänger anlernen, damit dieser beruhigt und pünktlich gehen kann. „Fachlich muss ich ihm ja nichts beibringen“, sagt Heino Allgeier, „der Mann ist Fleischermeister, wie ich, und ein guter noch dazu. Mit den Kunden ist Jens noch ein bisschen schüchtern. Aber das wird sich schnell geben, denn privat hat er auch Humor.“

Heino Allgeier gehört zur sogenannten Elstorf-Connection auf dem Harburger Wochenmarkt. Die wird mit seinem Abschied aus dem Arbeitsleben nun erneut ein Stück kleiner, bleibt aber mit Otto Jürgens’ Gemüsestand, dem Schwiedersdorfer „Brotkorb“ und dem Geflügelhof Schönecke stark vertreten.

Dabei ist Allgeier gar kein typischer Elstorfer Name. Ursprünglich kommt der Fleischermeister aus Finkenwerder. Den bayerischen Nachnamen brachte sein Großvater einst nach Norddeutschland mit. „Der ist hier auf der Walz hängengeblieben.“

Auch seine Fleischerlehre absolvierte Heino Allgeier in Finkenwerder, am Nessdeich bei Hinrich Woldmann. Dann aber zog es ihn in die Selbstständigkeit und in die Heide. Auf dem Harburger Wochenmarkt ist er seit dem 8. August 1984 zu finden. Die Qualität seines Schinkens sprach sich dort schnell herum.

Was ist das Geheimnis eines guten Schinkens? „Da gibt es kein großes Geheimnis“, sagt er. „Man muss sein Handwerk verstehen und den Schinken mit Sorgfalt zubereiten. Wir nehmen nur Sauschinken, von Tieren, die schon ein paar Jahre alt sind und mehrmals Nachwuchs hatten. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern macht das Fleisch auch besser, wenn das Schwein ein erfülltes Leben hatte. Außerdem sind die Schinken viel größer als bei Mastschweinen. Der Schinken wird dann liebevoll per Hand trocken eingesalzen und trocknet lange genug. Dann kommt er noch mal mindestens eine Woche in den Rauch. Dann ist das Fleisch auch eine Delikatesse.“

Weil er nur ausgewachsene Tiere verarbeitet, sind die Schinken, die Allgeier scheibenweise verkauft, riesig. „Die haben nach Salz und Rauch noch ein Gewicht von mindestens 20 Kilo“, sagt er. „Die vom Turboschwein wiegen höchstens zwölf Kilo, bevor sie verarbeitet werden.“

Abseits vom Schinkenstand ist Heino Allgeier Ehemann, Vater und Opa. Außerdem ist er seit Jahrzehnten bei der Freiwilligen Feuerwehr Elstorf engagiert. Aus dem aktiven Brandschutzdienst ist er seit mehreren Jahren ausgeschieden. Die Altersgrenze kennt da mittlerweile keine Gnade mehr. „Genug zu tun ist in der Ehrenabteilung aber auch noch“, sagt er. „Angst, mich im Ruhestand zu langweilen, habe ich deshalb nicht.“

Sein Organisationstalent war nicht nur bei der Feuerwehr gefragt: Mehr als zehn Jahre lang war Heino Allgeier Obmann der Marktleute auf dem Sand und hatte es sogar geschafft, Dutzende selbstständige Querköpfe zu einem Markt-Verein zusammenzubekommen, der allerdings bald nach seinem Rückzug aus dem Vorstand wieder auseinanderfiel.

Die Markt-Kunden kennen Heino Allgeier als gesprächig und leutselig. Im Urlaub zieht es ihn allerdings in die Einsamkeit. Besonders gern fahren seine Frau und er mit dem Wohnmobil nach Norwegen. „Wir waren schon bis zum Nordkap“, sagt er.

Die Ruhestandsreise geht auf die Lofoten. Das ist zwar nicht ganz so weit nördlich wie das Nordkap, dafür aber noch abgelegener und immerhin fast auf dem selben Breitengrad, wie Murmansk.

Jens Boltin wird ihn dann nicht so schnell um Rat fragen können, aber er ist zuversichtlich, dass das auch nicht notwendig sein wird. „Ich übernehme ein gut eingeführtes Geschäft und werde es so weiterführen, wie es bislang gut gelaufen ist“, sagt er. „Und wenn ich neue Ideen habe, werde ich sie vorsichtig ausprobieren.“