Harburg
Schulsport

Wie Kinder in der Schule richtig flink werden

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Buchholzer Heideschule beteiligt sich am bundesweiten Programm „Kindersprint“. Großes Finale am Sonnabend vor Möbel Kraft

Buchholz.  Am Dienstag herrscht vor dem Sportunterricht an der Heideschule gespannte Aufmerksamkeit. In der Sporthalle erwartet die Schüler ein besonderer Laufparcours. Sechs Hütchen sind so schnell wie möglich im Slalom zu passieren. Und das wird auch exakt gemessen, sogar auf die Hundertstelsekunde genau. „Kindersprint“ nennt sich die Initiative mit Sitz in Leipzig. Sie will Grundschulkinder in Schwung bringen und die Freude an der Bewegung fördern.

„Es ist eine Tatsache, dass bereits Kinder im Grundschulalter erhebliche Bewegungs- und Koordinationsdefizite haben. Sport wird außerhalb der Schule immer öfter an Spielkonsolen und Computern betrieben, aber nicht mehr draußen auf den Bolz- und Sportplätzen“, sagt Sozialpädagoge Frank Richter, der den Kindersprint an der Heideschule leitet.

Bestätigt wird er durch eine Langzeitstudie des Robert Koch Instituts. Die Wissenschaftler ermittelten, dass sich zwei Drittel der 7- bis Zehnjährigen deutlich zu wenig bewegen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für Kinder in diesem Alter täglich mindestens 60 Minuten mäßige bis anstrengende körperliche Aktivität. In Deutschland erreichen aber gerade 31 Prozent diese Vorgabe.

„Deshalb müssen wir neue Anreize setzen“, so Richter. Die Initiative „Kindersprint“ eigne sich dafür hervorragend: „Weil wir Technik und Sport mit unserem Parcours verbinden. Einen Computer gibt’s hier auch. Aber der reagiert nur, wenn die Kinder sich bewegen und etwas leisten.“

Erfasst werden verschiedene Laufdaten, und zwar mittels zweier Lichtschranken. Das Startsignal gibt eine Ampel. Nach dem Zufallsprinzip bestimmt sie die Laufrichtung. Im Sprint wird dann eine etwa acht Meter lange Strecke zurückgelegt. Retour geht es im Slalom durch die in einer Linie aufgestellten Hütchen.

„Gemessen wird nicht nur die Gesamtzeit. Die Computerauswertung gibt auch Auskunft über die Reaktionszeit beim Antritt, das Sprintvermögen, das Tempo beim Richtungswechsel sowie das Pendelvermögen“, erklärt Richter.

Nach jedem Lauf erhält der Schüler seinen persönlichen Laufzettel mit allen Resultaten. Überdies findet sich auf jedem Abschnitt ein Sammelbild, das beim Finale gegen kleine Preise eingetauscht werden kann.

Da es mehrere Durchgänge gibt, kann jeder Starter genau verfolgen, ob er sich verbessert hat. „Das weckt den Ehrgeiz, spornt die Leistungsbereitschaft an, steigert das Selbstwertgefühl und fördert letztlich Fitness und Motorik“, weiß Richter. Nach wenigen Wiederholungsläufen würden die Kinder mindestens eine Laufzeit verbessern.

Noch stolzer macht es natürlich, wenn man nicht nur Bester seiner Klasse geworden ist, sondern vielleicht sogar der Schule. Niko durfte sich immerhin als bester Viertklässler feiern lassen. Wenn er am kommenden Sonnabend beim Regionalfinale vor Möbel Kraft antritt, kann er sogar schulübergreifender Champion des Wettbewerbs werden.

„Möbel Kraft war bereits beim Kindersprint in Bad Segeberg lokaler Partner der Initiative“, sagt Thorben Woelke, Filialleiter in Buchholz. Seitdem sei man bei der Einrichtungskette von dem Konzept überzeugt. „Nicht nur, weil der Wettbewerb von den Schülern sofort mit großer Begeisterung angenommen wurde. Wir sind viel mehr davon überzeugt, dass Kindersprint ein guter Anreiz sein kann, Kinder in Bewegung zu bringen“, so Woelke.

Deshalb wolle man auch aus dem Finale am Sonnabend ab 10 Uhr ein richtig großes Fest mit buntem Rahmenprogramm machen. Auch Famila und OBI werden sich beteiligen. Es wird für alle Teilnehmer Urkunden und Geschenke geben und für die besten eine Siegerehrung.

Neue Rekorde erwartet Sozialpädagoge Frank Richter unterdessen nicht: „Die absolute Bestzeit hält ein Potsdamer Grundschüler mit 4,68 Sekunden, gelaufen vor drei Jahren. Seitdem ist kaum wieder ein Kindersprinter auch nur in die Nähe dieser Zeit gekommen.“