Harburg
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Bezirksamtsleiter-Suche spitzt sich zu

Das Harburger Rathaus soll eine neue Chefin oder einen neuen Chef bekommen. Drei Bewerber sind in der engeren Wahl

Das Harburger Rathaus soll eine neue Chefin oder einen neuen Chef bekommen. Drei Bewerber sind in der engeren Wahl

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Zwei Kandidatinnen und ein Kandidat stehen noch zur Auswahl. In gut zwei Wochen muss sich die Harburger Politik entscheiden.

Harburg.  Sophie Fredenhagen, Petra Gerlach, Maik Schwartau – das sind in alphabetischer Reihenfolge die drei Kandidatinnen beziehungsweise der Kandidat für das Amt des Harburger Bezirksamtsleiters, die die Bezirksversammlungsfraktionen am Freitag angehört haben.

Aussagen darüber, wer von den dreien die Nase vorn hat, waren von den entscheidenden Parteien der großen Koalition danach nicht zu erhalten. „Das könnte ich im Moment nicht einmal sagen, wenn ich wollte“, sagt Jürgen Heimath, Fraktionsvorsitzender der SPD. „Wir beraten das ja zunächst in der Fraktion und dann mit dem Koalitionspartner. Ich entscheide das doch nicht allein.“

Einfach scheint die Auswahl allerdings nicht zu sein: „Alle drei Kandidierenden haben große Kompetenzen bewiesen“, sagt Kay Wolkau von den Neuen Liberalen. „Ich wüsste selbst noch nicht, wen ich in unserer Fraktion unterstützen würde.“

Wenn man die Biografien der Kandidaten betrachtet, findet man tatsächlich viel Kompetenz versammelt – aber auch schwierige Aspekte der Kandidaturen.

Maik Schwartau wurde von den Großkoalitionären als der „ehemalige Bürgermeister von Büsum“ vorgestellt. Das klingt gut, denn Büsum ist bekannt und als Urlaubsort mit positiven Assoziationen verbunden. Politisch ist Büsum allerdings ein Nicht-mal-6000-Seelen-Ort in der Nähe von Heide (Holstein) und ein unangenehmes Pflaster. Zahlreiche Kleinparteien und Wählergemeinschaften sorgen für einen zersplitterten Gemeinderat ohne verlässliche Mehrheiten.

Die Büsumer CDU nutzte das damals, um dem sozialdemokratischen Verwaltungschef Schwartau immer wieder Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Zum Ende seiner sechsjährigen Amtszeit, 2014, trat Schwartau nicht wieder an. Er bewarb sich stattdessen um das Bürgermeisteramt in Fockbek am Nord-Ostsee-Kanal, verlor jedoch die Wahl.

Dann wurde er Tourismusdirektor von Fehmarn. Dort behielt man Schwartau allerdings nur bis zum Ende der Probezeit. Schwartau wurde Referent im Sozialministerium Schleswig-Holsteins und schied dort aus, nachdem die CDU die Landtagswahl gewonnen hatte. Der 54-Jährige hatte sich auch schon auf die Bezirksamtsleiterstelle in Hamburg-Nord beworben. Glaubt man der Gerüchteküche, dann ist SPD-Kreisschef Frank Richter ein Förderer der Schwartau-Kandidatur.

Petra Gerlach (46) ist Verwaltungsfachfrau durch und durch: Zwei Verwaltungs-Fachhochschuldiplomen aus Oldenburg und Osnabrück setzte sie noch einen Magisterabschluss in Management an der Fernuniversität Hagen auf. Sie ist seit dem Jahr 2000 in der Verwaltung der Stadt Delmenhorst tätig und dort mittlerweile „ausbefördert“.

Das wird unter anderem daran deutlich, dass sie zwar seit über einem Jahr die Funktion der Kämmerin von Delmenhorst wahrnimmt, nicht aber das Amt. Das wäre nämlich mit einer Dezernentenstelle verbunden, die der Bürgermeister nicht ausschreiben will und in die man auch gewählt werden müsste. Für die CDU-Frau Gerlach wäre das im sozialdemokratisch geprägten Delmenhorst schwierig.

Petra Gerlachs Karriere kann nur außerhalb Delmenhorsts weitergehen. Harburgs CDU-Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer behauptet zwar, nie nach einer Parteimitgliedschaft gefragt zu haben. Das musste er aber auch nicht. Dass Gerlach Vorstandsmitglied der Delmenhorster Frauen-Union ist, erfährt man im Internet mit zwei Mausklicks.

Die CDU soll Gerlach favorisieren. Ob diese allerdings in Hamburgs sozialdemokratisch geprägten Strukturen schnell genug Kontakte aufbauen kann, um Harburg überzeugend zu vertreten, darf zumindest gefragt werden

Sophie Fredenhagen (53) ist die Kandidatin, die den Anforderungen der Stellenausschreibung am meisten entspricht: Zu Verwaltungserfahrung und Führungserfahrung, die die Konkurrenten ebenfalls mitbringen, kommen bei ihr auch noch Kenntnisse der Strukturen vor Ort: Fredenhagen leitete zehn Jahre lang das Fachamt Jugend- und Familienhilfe im Bezirksamt Harburg. Als die Stelle des nach Hamburg gewechselten Sozialdezernenten Holger Stuhlmann neu besetzt wurde, bewarb sich auch Sophie Fredenhagen. Genommen wurde Anke Jobmann.

Fredenhagen wechselte daraufhin Anfang dieses Jahres in die Verwaltung der Stadt Buxtehude – angeblich nicht, ohne vorher einige Male mit ihrer neuen Chefin aneinandergeraten zu sein. Auch mit Verwaltungsdezernent Dierk Trispel, dem derzeit stellvertretenden Bezirksamtsleiter, soll Sophie Fredenhagen Konflikte ausgetragen haben.

Würde sie Bezirksamtsleiterin, wäre sie Vorgesetzte Trispels und Jobmanns. Aus dem Bezirksamt soll sich deshalb schon Widerstand gegen Fredenhagens Kandidatur regen. Allerdings dürfen sich nur bei den Berliner Philharmonikern und einigen Staatstheatern die Arbeitnehmer ihre Chefs aussuchen.

Die SPD-Landesvorsitzende, Sozialsenatorin Melanie Leonhard, soll Fredenhagens Kandidatur angeblich fördern, äußert sich dazu allerdings nicht: „Die Bezirksamtsleitung wird von der Bezirksversammlung gewählt“, sagt sie, „diesem Gremium gehöre ich nicht mehr an.“

Bis zur Wahl in gut zwei Wochen muss also noch viel geschehen. Die SPD muss sich intern einigen und danach mit der CDU.

Wenn SPD und CDU sich nicht einigen

Was passiert, wenn sich SPD und CDU nicht einig werden? Darüber gibt es unterschiedliche Meinungen: „Vielleicht platzt ja die große Koalition, damit SPD und CDU vor der nächsten Bezirkswahl ihre Profile schärfen können“, orakelt Linken-Fraktionschef Jörn Lohmann, „wir würden dann für wechselnde Mehrheiten zur Verfügung stehen.“

Zur Verfügung stehen würden auch die Neuen Liberalen, „aber wahrscheinlich kommt es zu gar keiner Wahl, weil am Ende nur ein Kandidat übrig bleibt – oder auch gar keiner.“

„Erstes Ziel ist es, die Koalition zu erhalten“, sagt Ralf-Dieter Fischer (CDU), „und das kann auch bedeuten, dass wir das Findungsverfahren verlängern.“