Harburg
Landkreis Harburg

„Ich koche mir mit dem See-Wasser meinen Kaffee“

Sonnenbaden mit Blick auf den Pulvermühlenteich in Seevetal

Sonnenbaden mit Blick auf den Pulvermühlenteich in Seevetal

Foto: Maribel Graf / HA

Badegewässer im Landkreis Harburg haben trotz starker Hitzeperiode ausgezeichnete Wasserqualität. Die wird ständig kontrolliert.

Wilhelmsburg. Heiße Sommer mit Temperaturen über 30 Grad Celsius erleben meist eher die südlichen Bundesländer, doch seit Wochen hält die andauernde Hitzewelle auch den Norden gefangen. Wer sich da abkühlen möchte, findet in den umliegenden Badegewässern reichlich Gelegenheit.

Die Stadt Hamburg eröffnete die Badesaison für die meisten ihrer Seen am 10. Mai, allerdings befindet sich keine der ausgewiesenen Badestellen im Landkreis Harburg. Wer hier wohnt und trotzdem nicht auf eine Abkühlung verzichten möchte, wird im Umland fündig: der Pulvermühlenteich in Meckelfeld, der Große Moorsee, der Maschener Moorsee und der Badeteich Ramelsloh laden zum Bad, ebenso der Badeteich Holm-Seppensen in Buchholz.

Die Harburger Andrej und Irina Reichert aus Neuwiedenthal kommen schon seit über zehn Jahren mit ihren Kindern an die Pulvermühle. Die sei einfach näher als andere Hamburger Seen und viel leichter zu erreichen, sagt Andrej Reichert. Seine Frau ergänzt: „Die Kinder wollen zwar lieber ins Freibad, aber mit Papa geht’s nur an den See.“ Die haben den erfrischenden Vorteil, dass sie kostenlos zugänglich sind. Nur in Holm-Seppensen muss Eintritt gezahlt werden. Außerdem gibt es an allen fünf Seen (mobile) Toiletten, eine Sandstrand und Wiesenflächen.

Während Freibäder durchgängig eine hohe Wasserqualität gewährleisten können, sieht das an den Badegewässern anders aus. Deshalb führt das Gesundheitsamt Winsen regelmäßige Qualitätskontrollen durch. Die letzten Messungen ergaben Mitte Mai für alle fünf Seen eine ausgezeichnete Wasserqualität.

Um vor allem nach der andauernden Hitzeperiode eine aktuelle Messung zu erhalten, führt Tobias Kirch an der Pulvermühle wiederholt Wasserqualitätstests durch. Der 42-Jährige ist seit einem Jahr Gewässerwart der Wasserbeschaffenheit des Seevetaler Fischereivereins Meckelfeld-Glüsingen e.V. und seit 29 Jahren Vereinsmitglied. Damit ist er nicht nur für die Wasserbeschaffenheit an der Pulvermühle, sondern auch für die Seen im Großen und im Maschener Moor zuständig.

„Hitze ist für kein Gewässer gut“, sagt Kirch. Durch herabfallendes Laub, das im Wasser zersetzt werde, komme es zu einem Nährstoffüberschuss. Der könne zu Algenbefall führen, der dem Wasser noch mehr Sauerstoff entziehen und damit den Nährstoffüberschuss anheizen würden. Ein Teufelskreis, der zusätzlich durch Müll, Sonnencreme, Brot vom Entenfüttern und Felddünger begünstigt werde. Der Großteil der entstehenden Algen ist für den Menschen ungefährlich, allerdings können die Bakterien der Blaualge Hautreizungen verursachen und sogar für Übelkeit sorgen, wenn sie verschluckt werden.

Ein Algenvorkommen beeinflusst nach EU-Richtlinien nicht die Beurteilung der Wasserqualität. Die ist im Pulvermühlenteich dank seiner Größe enorm hoch. Denn je größer und tiefer ein Gewässer ist, desto weniger wird es durch die Hitze beeinflusst. „An all unseren Seen haben wir Trinkwasserqualität“, sagt Kirch, „Ich koche mir mit dem Seewasser sogar meinen Kaffee.“

Auch Anke Wahne von der Bäder- und Seenverwaltung Seevetal sieht keinen Grund zur Sorge. Sollte es zu einer Beanstandung kommen oder gar Blaualgen entdeckt werden, würde der Landkreis Harburg sofort eine Warnung hinausschicken.

Nadine Ende erwartet diesen Sommer jedoch noch einige Meldungen zur Blaualge. Bei den hohen Temperaturen sei das Risiko besonders hoch, sagt die Lebensgefährtin des Gewässerwartes. In den vergangenen Jahren warnte das Gesundheitsamt schon vor Blaualgen in fast allen Seevetaler Badeseen – ein Badeverbot war aber meist überflüssig.

Am Freitagabend betrug die Wassertemperatur in der Pulvermühle knapp 26 Grad. Der pH-Wert entsprach mit 7 exakt dem Soll-Wert für Freibäder und Pools. Und auch beim Sauerstoffgehalt glänzt der Meckelfelder See mit 6,2 Milligramm pro Liter. Zum Vergleich: vor Blankenese liegt er derzeit bei 1,5 Milligramm – die Umweltbehörde befürchtet ein großes Fischsterben in der Elbe (wir berichteten).

„Auf die Fische in den tieferen Seen im Großen und Maschener Moor und in der Pulvermühle hat die Hitze bislang noch keine Auswirkungen“, sagt Kirch. In die kalten Tiefen der Seen könne diese nämlich gar nicht vordringen. Anders bei den flachen Badeteichen Holm-Seppensen und Ramelsloh, in denen grundsätzlich ein höheres Risiko für Algenteppiche besteht.

Inselpark

Das Baden im „Kükenbrack“ ist verboten

Anders als bei den Badegewässern im Landkreis Harburg sieht die Situation in Wilhelmsburg aus. Zwar sieht auch das „Kükenbrack“ im Wilhelmsburger Inselpark für Schwimmerinnen und Schwimmer einladend aus. Jedoch handelt es sich bei den Gewässern des Inselparks um geschützte Biotope nach dem Naturschutzrecht.

Die Stege und die Kanustrecke wurden nur unter strengen Auflagen genehmigt, um die empfindliche Pflanzen- und Tierwelt zu schützen und die Gewässer für die Gäste des Parks trotzdem erlebbar zu machen. Dort ist das Baden verboten. Doch es gibt weitere Gründe dafür. Zum Beispiel die Wasserqualität, die nicht wie bei Badegewässern geprüft wird. Gerade bei Hitze kann es zur vermehrten Bildung von Keimen und giftigen Blaualgen kommen.

Außerdem können Gegenstände im Gewässer liegen, an denen sich Badende verletzen könnten. Ein dritter Sicherheitsmangel des Gewässers liegt an den zum Teil stark abfallenden Uferrändern, die ein Aussteigen erheblich erschweren. Die Parkverwaltung bittet deshalb die Parkgäste um Verständnis, dass das Baden im Kükenbrack untersagt ist.