Harburg
Winsen/Pattensen

Die Windkraft reicht für die ganze Stadt

Der Windpark in Pattensen aufgenommen mit einer Drohne: Dort stehen jetzt vier weitere neue Türme mit einer Leistung von je 3,3 Megawatt

Der Windpark in Pattensen aufgenommen mit einer Drohne: Dort stehen jetzt vier weitere neue Türme mit einer Leistung von je 3,3 Megawatt

Foto: winenergie / HA

Im Winsener Ortsteil Pattensen nimmt heute die Firma WinEnergie vier neue Anlagen offiziell in Betrieb.

Winsen/Pattensen.  Die Windkraft entwickelt immer mehr Dynamik. Für die Kreisstadt Winsen reicht rein rechnerisch allein die Leistung der inzwischen insgesamt installierten 15 Windkraftanlagen für die Stromversorgung mehr als aus. „Die Anlagen liefern grob geschätzt 114 Millionen Kilowattstunden. Bei einem Durchschnittsverbrauch eines Haushalts von 4000 Kilowattstunden pro Jahr entspricht dies dem Bedarf von 28.500 Haushalten“, sagt Bernd Meyer, Geschäftsführer der WinEnergie in Winsen. Mit dem erzeugten Strom lassen sich somit nicht nur die 36.000 Einwohner der Stadt, sondern auch weitere Orte im Landkreis Harburg versorgen.

Zum Winsener Windkraft-Aufgebot zählen auch die vier neue Anlagen von WinEnergie, die am heutigen Freitag in Pattensen offiziell in Betrieb genommnen werden. Mit ihrer Leistung von jeweils 3,3 Megawatt wären sie allein für 9000 Haushalte ausreichend.

Insgesamt wurden in das von der Winsener Firma und ihrem Partner Orbis Energie- und Umwelttechnik (Rotenburg/Wümme) geplante Projekt knapp 27 Millionen Euro investiert. Darin sind die neuen Wege, Fundamente und der Kosten für Gutachter und Ausgleichsflächen enthalten.

Die neuen Anlagen komplettieren den Windpark Pattensen. Zunächst standen dort drei Zwei-Megawatt-Anlagen und eine etwas kleinere mit 1,5 Megawatt auf einem Gittermast. „Wir werden im Landkreis auf Sicht nicht weiter bauen“, sagt Meyer.

Der Hintergrund: Die Standorte für Windkraftanlagen hat der Landkreis Ende 2016 in seinem Regionalen Raumordnungsprogramm festgelegt. Insgesamt sind 0,62 Prozent aller Flächen für die erneuerbare Energie vorgesehen. Das liegt unter dem Wert für Niedersachsen, für das 1,4 Prozent vorgegeben wurden. Nur auf den ausgewiesenen Vorrangflächen dürfen Türme errichtet werden. Für alle Flächen gibt es derzeit Planer oder es laufen Genehmigungsverfahren. Die Win­Energie hat sich keine weiteren Pachtverträge mehr gesichert.

Meyer hatte bei seinem neuen Projekt zunächst auch mit den Partnern Hamburg Energie und den Stadtwerken Winsen zusammengearbeitet. Die hatten Mitte Februar ihren Park Winsen/Luhe bei Scharmbeck eröffnet (Abendblatt berichtete). „Gemeinsam haben wir vor gut zwei Jahren begonnen, Flächen von Grundeigentümern zu pachten und die beiden Projekte vorangetrieben“, sagt Meyer.

Dann entschlossen sich die Partner jedoch, die beiden Parks unabhängig voneinander fertig zu stellen. „Das hatte allein praktische Gründe“, sagt der 57-jährige Diplom-Kaufmann. Für beide Flächen stellte die Stadt Winsen Flächennutzungs- und Bebauungspläne auf. Schon bei der Eröffnung in Scharmbeck freute sich Bürgermeister André Wiese: „Für uns bricht ein neues Energiezeitalter an.“

Der Unternehmer Meyer befasst sich schon seit mehr als 20 Jahren mit Windkraft. Sein Engagement begann mit der Anti-Atomkraft- und Umweltschutz-Bewegung. Später stieg er für die Grünen in die Kommunalpolitik ein. Heute ist er Vorsitzender der Gruppe Grüne/Linke im Stadtrat und Grünen-Fraktionschef.

„Beim Energiekonzept für die Region wollten wir damals als Bürger nicht nur kritisieren, sondern aktiv werden,“ sagt Meyer. Mit einer eigenen Gesellschaft sicherte er sich 1994 die erste Genehmigung für Windkraftanlagen im Kreis. Allerdings konnte das Projekt nicht umgesetzt werden. Die Pachtverträge übernahm eine Firma aus Schleswig-Holstein.

Der Einstieg klappte 1999 als erstmals drei 600-Kilowatt-Anlagen in Pattensen entstanden. Sie wurden danach auf die höhere Leistung von jetzt zwei Megawatt aufgerüstet. Die vierte Anlage entstand dann auf dem Gittermast. Später folgten Projekte in Tangendorf mit zwei, in Wulfsen mit drei und in Roydorf ebenfalls mit drei Windkraftanlagen-Türmen.

Am Freitagvormittag wird nun neben Marcus Müller vom Anlagenhersteller Nordex auch Oliver Waltenrath, Leiter der Stabsstelle Klimaschutz des Landkreises Harburg, erwartet. Waltenrath hat recherchiert, wie effizient Windstrom ist. Danach kostet die Erzeugung von Atomstrom bis zu 12,6 Cent pro Kilowattstunde, bei Steinkohle kommt er auf 10,5 Cent. „Bei Windkraftanlagen an Land sind dagegen gerade einmal 8,9 Cent notwendig.“

Windfest erwartet die Besucher

Bei einem Windfest im Park Pattensen können sich interessierte Besucher, vor allem Anwohner, am heutigen Freitag über die neue Anlage informieren. Neben Besichtigungen (ohne Aufstieg) gibt es ab 15 Uhr Live-Musik mit „Ma Cajun“und artistische Luftakrobatik mit Marlene Kiepke. Auch für Getränke und Kuchen ist gesorgt.

Eingespeist wird Strom von den Windkraftanlagen zwar schon seit Ende 2017. Für die Feier wurde aber gewartet, bis die Bauarbeiten abgeschlossen waren.