Harburg
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Ein neues Wohngebiet für die Bremer Straße

So wird das Wohngebiet an der Bremer Straße aussehen

So wird das Wohngebiet an der Bremer Straße aussehen

Foto: Gerber Architekter / EBV

Eisenbahnbauverein will Mietshäuser abreißen und 156 neue Wohnungen errichten. Denkmalschutzamt und Bezirkspolitiker geben grünes Licht.

Harburg.  Dem Bau von 156 Mietwohnungen an der Bremer Straße steht nichts mehr im Wege: Der Eisenbahnbauverein (EBV) Harburg kann jetzt das Projekt in seinem Sinne vorantreiben. Noch im März stand es auf der Kippe, weil ein denkmalgeschütztes Gebäude den Planungen im Wege stand. „Der EBV wird das Bauvorhaben nicht weiterbetreiben, wenn die Bandelstraße 2 unter Denkmalschutz bleibt und ein Abriss nicht möglich ist“, teilte damals EBV-Vorstandsmitglied Joachim Bode dem Stadtplanungsausschuss mit.

Das Bauprojekt betrifft die Mietshäuser an der Bremer Straße 114 bis 136. Die 20er-Jahre-Bauten flankieren einen Eingangsbereich zur Harburger City, an der Mündung der Hohen Straße in die Bremer Straße. Bis 2015 standen alle unter Denkmalschutz. Die Gebäude 126 bis 134 hat der EBV aufwendig saniert, sie werden erhalten bleiben. Die weiteren Gebäude, also die Hausnummern 114 bis 124 und zwei Mietshäuser an der Bandelstraße 1 und 2, sollten aus dem Denkmalschutz entlassen und für den Neubau abgerissen werden, so die Planung des Bauvereins. Dasselbe gilt für zwei Mehrfamilienhäuser stadtauswärts an der Ecke Bremer Straße 136/Gottschalkring 2.

Doch bei dem Gebäude Bandel­straße 2 erhob das Denkmalschutzamt Einspruch. Es begann ein jahrelanger Streit, in dessen Folge das beauftragte Büro Gerber Architekten zwei Versionen der Gebäuderiegel entwarf. Die erste enthält das alte, zweistöckige Haus (plus Satteldach) zwischen zwei vierstöckigen Neubauten (plus Satteldächer). Es wirkt wie ein Fremdkörper. Der Alternativ-Entwurf ohne das sanierungsbedürftige Mietshaus wirkt dagegen wie aus einem Guss und bietet zudem zusätzlichen Wohnraum.

„Meine Ankündigung beim Stadtplanungsausschuss, von dem Bauprojekt Abstand nehmen zu wollen, wenn wir unser Gebäude Bandelstraße 2 nicht abreißen dürfen, hat offenbar zu einem Umdenken beim Denkmalschutzamt geführt“, sagt Bode. Jetzt sei signalisiert worden, dass das Haus in der geplanten Umgebung nicht mehr zu halten sei. Bode: „Wir hatten schon 2013 besprochen, dass die betreffenden Häuser für das Bauprojekt aus dem Denkmalschutz entlassen werden. Aber dann hieß es plötzlich, dass das Gebäude Bandelstraße 2 nie mit einbezogen war und sehr wohl stehen bleiben müsse. Dabei war der Abriss unsere Minimalforderung, um das Bauprojekt starten zu können.“

Ein Problem seines Bauvereins sei das Alter – die Genossenschaft ist im 98. Geschäftsjahr. „Drei von vier unserer Bauvorhaben funktionieren nur mit Abriss“, sagt Bode und plädiert dafür, dass Wohngebäude nicht endlos unter Denkmalschutz gestellt werden. „Irgendwann muss der Schutz enden – die Häuser geben nicht mehr her“.

Am Dienstagabend gab der Stadtplanungsausschuss grünes Licht für ein projektbezogenes Bebauungsplanverfahren nach dem Wunschentwurf. Bode kündigt an, nun mit voller Kraft das Bauvorhaben vorantreiben zu wollen. Allerdings gilt es jetzt, eine weitere Hürde zu nehmen: Deutlich mehr Mieter als erwartet wollen in ihren alten Häusern wohnen bleiben.

„Bei einer Mieterversammlung am 23. April sagten 97 Prozent der Bewohner, dass sie nicht umziehen wollen. Das macht die Sache nicht leichter“, sagt Bode. „Wenn keiner wegziehen will, kann ich die Häuser nicht abreißen lassen.“ Immerhin stehen gut 20 von insgesamt 69 betroffenen Wohnungen bereits leer, weil Mieter in den vergangenen Monaten ausgezogen sind und die Wohnungen nicht neu vermietet wurden.

Der EBV will während des geschätzt 1,5 Jahre dauernden B-Planverfahrens gezielt Mieter von Gebäuden mit höherem Leerstand ansprechen und sie zum Umzug in sanierte Wohnungen des Häuserblocks Bremer Straße 126-134 bewegen. Bode: „Die Häuser, die zuerst leer werden, bilden das erste Baufeld. Wir werden dort öffentlich geförderte Wohnungen errichten, die wir in etwa zum gleich bleibenden Mietpreis anbieten können. Das wird sicherlich den einen oder anderen Bewohner der Bestandsgebäude überzeugen, seine alte Wohnung zugunsten einer modernen Neubauwohnung zu verlassen.“ Wenn dann ein Gebäude mit zehn durch eines mit 30 Wohnungen ersetzt ist, erhöhe dies den Spielraum für weitere Umzüge im gewohnten Wohngebiet, betont Bode.