Harburg
Prozess

Bewährungsstrafe für versuchte Vergewaltigung

Der Angeklagte (vorn) verbirgt sein Gesicht. Hinter ihm: Der Dolmetscher und der Rechtsanwalt des Angeklagten

Der Angeklagte (vorn) verbirgt sein Gesicht. Hinter ihm: Der Dolmetscher und der Rechtsanwalt des Angeklagten

Foto: Jörg Riefenstahl / HA

Prozess: Junge Frau (19) in Harburg gewürgt und geschlagen – vor Gericht bittet der Täter sein Opfer um Entschuldigung.

Harburg.  Das Harburger Amtsgericht hat den 33 Jahre alten Messud L. (Namen geändert) wegen schwerer Körperverletzung und versuchter Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf drei Jahre zur Bewährung verurteilt. Der Richter sah es als erwiesen an, dass der junge Mann die 19-jährige Fatou S. am 18. Januar in seinem Zimmer in der Flüchtlingsunterkunft Am Röhricht brutal attackiert hat, um sie zum Sex mit ihm zu zwingen.

Messud L. trug Blue Jeans, T-Shirt und Turnschuhe, als er neben seinem Dolmetscher und Verteidiger auf der Anklagebank Platz nahm. Den Lockenkopf versteckte L. unter einer Kapuze. Gleich zu Beginn steckte sein Verteidiger die Marschrichtung ab: Welcher Strafrahmen zu erwarten sei, wenn sein Mandant ein umfassendes Geständnis ablegt, wollte er wissen. Das Gericht ließ sich auf den „Deal“ ein und nannte eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahre und acht Monate, mindestens ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung.

Daraufhin verlas der Anwalt eine Erklärung des Angeklagten, der zugab, die 19-Jährige aus Eritrea, die er einen Tag zuvor kennengelernt hatte, zum Sex gezwungen zu haben. Am 18. Januar sei er dem Mädchen beim Gang zur Ausländerbehörde behilflich gewesen. Danach habe er sie zu sich zum Essen eingeladen. Er habe ihr versprochen, ihr Schmuck und traditionelle eritreische Kleider zu zeigen, die sie kaufen könne. Er habe drei Bier getrunken. Sie habe auf seinem Bett gesessen und sich auf dem Smartphone einen Film angeschaut. Da habe er sich neben sie gesetzt und ihr gesagt, dass er mit ihr Sex haben wolle. Als sie ablehnte, habe er sie am Arm gepackt, den Mund zugehalten. Sie habe sich losgerissen, sei zum Fenster gestürzt, habe um Hilfe geschrien. Er habe sie zurückgerissen, geschlagen und gewürgt und bedroht: Sie werde seine Wohnung nicht verlassen, bis er ihm nachgegeben habe, hieß es laut Anklage.

„Ich wollte nicht, dass sie schreit und aus dem Fenster springt. Ich wollte immer noch Sex mit ihr“, sagte der Angeklagte dem Richter. Als Nachbarn zu Hilfe kamen, lag das Mädchen schwer verletzt am Boden. Fatou L. erlitt Staublutungen an den Augen, der Unterlippe, hinter dem Ohr , starke Würgemale am Hals und Blutergüsse im Gesicht und an der Brust. „Ich wollte aus dem Fenster springen, um mein Leben zu retten. Er hielt mich zurück, schlug und packte mich im Genick, würgte mich, bis ich zu Boden sank“, sagte Fatou S. als Zeugin vor Gericht.

Messudd L. ist in Eritrea verheiratet und Vater eines Sohnes (4). Nach der Untersuchungshaft wolle er seine „Familie nach Deutschland holen, arbeiten, und ein normales Leben“ führen. Er bat sein Opfer um Entschuldigung: „Es war ein Fehler von mir. Ich habe es nicht machen wollen. Es ist mir eine Lehre.“