Harburg
„24 h Stelle“

Ein ganzer Ort feiert rund um die Uhr

„24 h Stelle“ – Nikola Laudien und Giuseppe Faldetta haben die zweitägige Veranstaltung ehrenamtlich organisiert

„24 h Stelle“ – Nikola Laudien und Giuseppe Faldetta haben die zweitägige Veranstaltung ehrenamtlich organisiert

Foto: Lena Thiel / HA

Nikola Laudien und Giuseppe Faldetta organisieren ehrenamtlich „24 h Stelle“ – ein Musikfest, das Menschen verbinden soll.

Stelle.  Die Idee kam ihnen im vergangenen Sommer beim Plaudern auf einem Parkplatz: Nikola Laudien und Giuseppe Faldetta unterhielten sich über das Musik- und Kulturfestival 48 h Wilhelmsburg – beide waren begeistert von dem Konzept, das unterschiedlichste Menschen durch ein abwechslungsreiches 48-Stunden-Programm zusammenbringt.

Am Ende gingen sie auseinander mit einem festen Vorsatz: „So etwas wollten wir auch hier in Stelle auf die Beine stellen“, sagt Nikola Laudien. „Und dann haben wir das einfach gemacht.“

Die beiden können auf ein gutes Netzwerk im Ort zurückgreifen. Die 50-Jährige leitet seit 13 Jahren die Steller Bücherei, ihr Mitstreiter kennt durch das Blumengeschäft seiner Frau, in dem er oft aushilft, viele Menschen. Unabhängig voneinander haben sie bereits Open-Air-Veranstaltungen, Lesungen und Straßenfeste organisiert. Kurzerhand luden die Initiatoren zu einem ersten offenen Treffen ein, um mögliche Veranstaltungsorte zu sammeln.

„Die Reaktionen waren super“, sagt Nikola Laudien. Dann fragten sie bei Musikern, Gruppen und Einrichtungen – nicht nur aus Stelle – an, wer einen Teil zu dem ungewöhnlichen Event beitragen wollte. Über den Anruf einer bekannten „Rock op Platt“-Gruppe freute sich Giuseppe Faldetta besonders. „Dass die ‘Wattenläufer’ sich auf den Weg zu uns machen, finde ich echt klasse.“

Nun besteht das Programm, das sich inklusive nächtlicher Pause über 24 Stunden erstreckt, aus 50 Konzerten, Lesungen, Tanzvorführungen und anderen Veranstaltungen. „Genremäßig haben wir fast alles von Dark Hardcore bis zum Volkslied“, sagt Nikola Laudien.

Die Künstler treten an 35 Orten in Stelle und den Ortsteilen Fliegenberg und Ashausen – unter anderem im Freibad, in Kirchen und Cafés, beim Bestattungsunternehmen und Friseur, im Gesundheitszentrum und Sportverein. „Zum ersten Mal machen so viele Leute hier etwas zusammen“, sagt die Initiatorin. „Nur durch dieses Miteinander kann das funktionieren.“

Gage gibt es nicht, aber der Hut geht herum

Etwa 300 Menschen sind mittlerweile an dem Projekt beteiligt, in regelmäßigen Treffen werden sie in die Planung einbezogen. „Gerade hier auf dem Land ist es wichtig, dass alle dahinterstehen“, sagt Nikola Laudien. „Aber wir wollen uns nicht im Klein-klein verstricken.“ Wichtige Entscheidungen, zum Beispiel über das 24 h-Stelle-Logo, treffen alle gemeinsam, über Details entscheiden die beiden ehrenamtlichen Organisatoren.

Über bürokratische Hindernisse können sie nicht klagen. „Wir haben große Unterstützung durch den Bürgermeister erhalten“, sagt Giuseppe Faldetta. So dürfen sie beispielsweise am Sonnabend bis ein Uhr nachts Musik spielen – keine Selbstverständlichkeit. Etwas mühsam sei dagegen die Sponsorensuche gewesen, sagt der 52-Jährige, der in einem Hamburger Asphaltwerk arbeitet. Da passte es gut, dass sie mit ihrem Konzept für 24 h Stelle den Kultursommerpreis der Stiftung der Sparkasse Harburg-Buxtehude gewonnen haben – er ist mit 1000 Euro dotiert.

Eine Gage können die Organisatoren nicht zahlen, für die Künstler geht an den Veranstaltungstagen ein Hut im Publikum rum. Die für ihren Auftritt notwendige Technik bringen die Künstler selbst mit – oder sie spielen einfach unplugged, ohne Verstärker. An dem Wochenende werden Nikola Laudien und Giuseppe Faldetta sich unter die Besucher mischen.

„Ich will am liebsten überall mal reingucken“, sagt der gebürtige Wilhelmsburger, der seit 30 Jahren in Stelle lebt. Auch wenn 24 h Stelle etwas kleiner als das Hamburger Vorbild ausfallen werde, bleibe dieselbe Idee dahinter. „Wir wollen Berührungspunkte schaffen.“

Das Programm

24 h Stelle beginnt am Sonnabend, 26. Mai, 15 Uhr, mit der offiziellen Eröffnung am Rathaus der Gemeinde mit den Steller Musikanten und Bürgermeister Robert Isernhagen. Der letzte Programmpunkt, eine Transzen-dental Lounge startet um 23 Uhr in der Martin-Luther-Kirche in Fliegenberg.

Am Sonntag, 27. Mai, geht es von 10 Uhr an weiter, dann lädt der Waldorfkindergarten in Ashausen zum gemeinsamen Singen und Tanzen ein. Das Programm endet mit vier Veranstaltungen, die um 14 Uhr an verschiedenen Orten beginnen: Es treten eine Popsängerin, die Ashäuser Vielharmonie, der Kinder-Gospel-Chor „Sunday Kids“ und die Rock-’n’-Roll-Band „east45“ auf.

Das Programm gibt es im Internet auf www.24h-stelle.de und demnächst als Flyer in der Gemeinde.