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Der neue Chef setzt auf persönliche Beratung

Interview: Andreas Sommer ist seit 1. April Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Harburg-Buxtehude – wohin geht der Kurs mit ihm?

Harburg.  Seit dem 1. April ist Andreas Sommer Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Harburg-Buxtehude. Sein erstes Interview in neuer Funktion hat er dem Hamburger Abendblatt gegeben. Sommer entwirft darin Entwicklungsperspektiven für die Sparkasse und nennt auch Grenzen.

Hat der Rollenwechsel vom Vorstandsmitglied zum Vorstandsvorsitzenden für Sie viel geändert?

Sommer: Gott sei Dank nicht. Ich bin kein anderer Mensch, weil ich einen Stern mehr auf der Schulter habe. 2003 habe ich von der Haspa hierher gewechselt. Die langjährige Tätigkeit in der Sparkasse ist ein großer Vorteil. Ich kenne ihre Stärken und Schwächen, kenne die handelnden Personen und die hausinterne Kultur, die Qualität der Region. Ich weiß, was uns in den vergangenen Jahren stark gemacht hat. Ich bin seit sechs Jahren Mitglied im Vorstand und habe die dort gefällten Entscheidungen mit vertreten. Es wäre merkwürdig, wenn ich nun alles ändern wollen würde. Generell ist die Veränderungsgeschwindigkeit aber inzwischen so rasant geworden, dass sie die Dinge, die sie erst gestern entschieden haben, manchmal schon morgen wieder über den Haufen werfen und an geänderte Rahmenbedingungen anpassen müssen.

Wird es in 20 Jahren noch Filialen geben?

Wir müssen uns immer wieder fragen, wie wir einem sich ändernden Kundenverhalten auch in Zukunft gerecht werden. Wie die Welt in fünf, zehn oder 20 Jahren aussieht und welche Bedeutung dann eine Filiale haben wird, darüber haben wir Annahmen. Aber ob diese zutreffen werden, lässt sich heute nicht mit Sicherheit sagen. Wir glauben an den Wert von Filialen, werden uns für die Zukunft gleichzeitig aber auch möglichst schlank aufstellen. Wir gehen mit dem Vorstand voran und haben ihn auf zwei Mitglieder reduziert. Daneben haben wir vor drei Jahren Regionaldirektoren eingesetzt, in Harburg und in den Mittelzentren Buchholz, Winsen und Buxtehude. Sie werden unsere öffentliche Präsenz in der Region verstärken.

Wie gehen Sie mit der Internet-Konkurrenz um?

Wir wollen das beste aus zwei Welten: Der regionale Vertrieb über unsere Filialen hat uns stark gemacht. Aber der mit dem Internet verbundene Trend, Service- und einfache Beratungsleistungen schnell online erledigen zu können, jeder Zeit erreichbar zu sein, ist ebenfalls wichtig. Die Internet-Konkurrenz ist ein ernst zu nehmendes Thema, das wir als Sparkassen-Organisation über Jahre ein Stück weit unterschätzt hatten. Das war ein Fehler. Aber es ist genauso falsch, zu meinen, es gehe alles nur noch über das Internet. Ich sehe sogar erste Anzeichen für eine Trendwende. Beispiel Direktbanken: In den letzten Jahren haben wir mehr Kundeneinlagen von ihnen gewonnen, als wir an die Banken verloren haben.

Oder schauen Sie sich die Interhyp an, eine Plattform zur Vermittlung von Baukrediten. Die haben früher alles online abgewickelt. Inzwischen haben sie in allen nennenswerten Städten Beratungscenter. Baufinanzierung ist für viele Leute die wichtigste Finanzentscheidung im Leben. Die Mehrheit braucht eine kompetente Beratung von jemandem, dem sie vertraut. Und das sind wir Sparkassen!

Wie persönlich ist die Sparkasse? Arbeiten Sie zum Beispiel mit Call-Centern zusammen?

Wir haben ein eigenes Team in Harburg, unsere S-Online-Filiale. In den Abendstunden nach 18 Uhr und an den Sonnabenden unterstützt uns ein Call-Center der Sparkassen, der S Direkt in Halle (Saale). Aber unser Anspruch ist, dass wir den Telefonservice und auch die Beratung über moderne Medien so weit wie möglich mit unseren Mitarbeitern machen. Sie können uns montags bis sonnabends von 8 bis 22 Uhr zudem über den Berater-Chat erreichen, auch dort antworten eigene Mitarbeiter. Bei Standortschließungen – ein heikles Thema – entsteht bei unseren Kunden häufig der Eindruck, wir wollten sie ins Internet abdrängen. Das ist nicht so. Unser Ansatz ist: Der Kunde entscheidet, über welchen Weg er zu uns kommt.

Wie persönlich ist ein Kundenservice mit ständig wechselnden Mitarbeitern?

Wir haben im Service-Bereich viele junge Leute. Der klassische Weg ist, nach der Ausbildung sich weiteres Wissen im Kundenservice anzueignen. Dadurch entsteht eine Fluktuation, weil Menschen sich weiter entwickeln wollen. Wir haben in diesen Bereichen weniger Kontinuität als wir uns das wünschen, und arbeiten daran, Karrierepfade zu entwickeln, auf denen sich die jungen Banker am selben Ort weiterqualifizieren können. So haben wir in jedem unserer 21 Beratungscenter ausgewiesene Finanzexperten für das Wertpapiergeschäft. Und seit April können Sie dort eine komplette private Baufinanzierung abschließen. Wir arbeiten an den letzten technischen Details – in einigen Wochen können Sie aus dem Beratungsgespräch mit einem unterschriebenen Vertrag herausgehen. 70 bis 80 Prozent aller Baukredite werden wir auf diesem Weg vergeben können.

Ist das eine Rückkehr zu den Wurzeln? Früher hatten die Filialen umfangreiche Kompetenzen.

Ja – nicht alles, was es früher gab, war schlecht. Auch die vier Regionaldirektoren hatten wir schon einmal in ähnlicher Form. Wir müssen auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren, etwa auf aufsichtsrechtliche Anforderungen. Aktuell hilft uns die Digitalisierung, viele Finanzgeschäfte dezentral in unseren Beratungscentern abzuwickeln.

Welche Rolle spielen die strengeren Regularien für Finanzinstitute?

Sie sind ein Problem. Wenn wir heute neue Stellen schaffen, dann nicht für den Dienst am Kunden, sondern in der Regel dort, wo wir Aufsichtsrecht erfüllen müssen. Unser regionales Geschäft hat mit Bankenkrise nicht viel zu tun. Man sollte bei den Anforderungen die Geschäftsmodelle der Institute beachten. Wir reden nicht über eine international agierende Bank, die viel Investmentbanking macht, sondern über die Sparkasse Harburg-Buxtehude mit einer Bilanzsumme von knapp vier Milliarden Euro, die die Kundeneinlagen des Sparers aus Buxtehude dem Häuslebauer in Winsen leiht oder umgekehrt.

Derzeit leiden Sparer und Finanzinstitute unter den niedrigen Zinsen. Ist absehbar, dass sich da etwas ändert?

Ich habe lange in Buxtehude gewohnt, dort hatten meine Eltern Eigentum erworben. Um meine Konfirmation herum kam mein Vater stolz nach Hause: Unsere Baufinanzierung war verlängert worden, und der Zinssatz lag das erste Mal unter zehn Prozent. Für Spareinlagen gab es fünf bis sechs Prozent Zinsen. Ich glaube nicht, dass wir jemals eine Zeit mit annähernd so hohen Zinsen erleben werden. Kurzfristig wird sich die Zinspolitik nicht wesentlich ändern. Die Entschuldung der südeuropäischen Länder spielt dabei eine große Rolle. Frühestens Ende 2019/2020 wird sich vielleicht ganz allmählich etwas tun. Aber wir rechnen nicht mit signifikanten Änderungen.

Das eigentliche Bankgeschäft ist dadurch schwieriger geworden. Wo sehen Sie Wachstumschancen?

Die Niedrigzinsphase reduziert unser Zinsergebnis. Es wird weiter abnehmen, obwohl wir mit einem wachsenden Kreditvolumen planen. Denn wenn zehnjährige Baufinanzierungen verlängert werden, reduziert sich der Zinssatz von ehemals drei, vier Prozent auf heute 1,5 bis zwei Prozent. Auf der Einlagenseite zahlen wir heute schon kaum noch Zinsen. Da gibt es keine Potenziale, um das Zinsergebnis zu verbessern. Zum Ausgleich müssen wir mehr Provisionen erwirtschaften – und noch stärker auf die Kosten schauen. Der Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst endete gerade mit einem Plus von 7,5 Prozent in den nächsten 30 Monaten. Das freut mich für unsere Mitarbeiter. Aber für die Sparkasse bedeutet ein Prozentpunkt Gehaltsanstieg eine halbe Million Euro mehr Personalkosten. Die müssen wir irgendwo hinzuverdienen. Wir wollen weitere Kunden gewinnen, denken aber auch über Preisanpassungen nach, etwa bei Girokonten.

Gibt es – nach zwei gescheiterten Anläufen mit den Sparkassen Lüneburg und Altes Land – Überlegungen zu Fusionen?

Aktuell nicht. Auch damals waren nicht wir der aktive Part, sondern sind angesprochen worden. Beide Fusionen sind am politischen Willen gescheitert. Allgemein wird sich Kommunalpolitik bzgl. Fusionen weiterentwickeln. Unser Ziel ist, wirtschaftlich unabhängig zu bleiben, also nicht aus der Not heraus fusionieren zu müssen. Dennoch wird eine Fusion irgendwann wieder ein Thema werden. Ich bin mir sicher, dass wir in 25 Jahren unser 200-jähriges Jubiläum feiern. Ob wir dann noch Sparkasse Harburg-Buxtehude heißen, darüber bin ich mir nicht sicher.

Hat sich der Begriff Sparkasse überlebt?

Nein. Sparen ist wichtiger denn je. Gerade Jugendlichen sagen wir: Tue etwas für deine Altersvorsorge, fange damit nicht erst mit 50 an. Die niedrigen Zinsen machen dies nicht einfacher. Zudem hat der Name Sparkasse einen Markenwert. Er signalisiert Vertrauen und Sicherheit.

Man kann fast alles im Internet machen, aber viele Menschen kehren zurück in die Reisebüros. Spüren Sie diesen Trend auch?

Das ist genau unser Thema! Und der Grund, warum ich nach wie vor an das Geschäftsmodell Sparkasse glaube. Eine ein Jahr alte Statistik belegt, dass seit 2014 mehr Reisebüros neu eröffnet als geschlossen wurden. Im Bankensektor werden derzeit mehr Filialen geschlossen als eröffnet, und das wird noch einige Zeit anhalten. Im Reisemarkt sind wir auf einem anderen Weg: Ich kann jede Reise im Internet buchen, werde dort mit Informationen überflutet. Da brauche ich manchmal einen Lotsen, der mich an die Hand nimmt und mir Orientierung gibt, eine persönliche Beratung.

Suchen Sie nach neuen Geschäftsfeldern?

Wir stellen gerade erste Überlegungen an, ob wir vielleicht einmal eine Immobilie erwerben oder errichten und als Vermieter auftreten. Neue Geschäftsfelder müssen aber immer am Kernprodukt Sparkasse ausgerichtet sein.

Droht eine Überhitzung des regionalen Immobilienmarktes?

Die sehen wir noch nicht. Das Thema Lage ist dabei extrem wichtig. Vor drei Jahren haben meine Eltern ihr wunderschönes Haus in Schwinge, zwischen Fredenbeck und Stade, verkauft. Ich war schockiert, als ich den Verkaufspreis erfuhr. Dort wirkte sich die ungünstige Lage, die mangelnde Infrastruktur-Anbindung des Ortes negativ aus. In exquisiten Hamburger Lagen mit extremen Preisen mag dagegen allmählich die Spitze erreicht sein. Eine Preisentwicklung mit Prozentraten, wie wir sie in den vergangenen Jahren hatten, werden wir in den nächsten Jahren mit Sicherheit nicht mehr erleben.

Führungswechsel bei der Sparkasse Harburg-Buxtehude: Seit dem 1. April ist Andreas Sommer Vorsitzender des Sparkassenvorstands. Mit dem Abendblatt sprach er über die Zukunft seines Instituts, für das der 50-Jährige Manager bereits seit 15 Jahren arbeitet.

Hat der Rollenwechsel vom Vorstandsmitglied zum Vorstandsvorsitzenden für Sie viel geändert?

Gott sei dank nicht. Ich bin kein anderer Mensch, weil ich einen Stern mehr auf der Schulter habe. 2003 habe ich von der Haspa hierher gewechselt. Die langjährige Tätigkeit in der Sparkasse ist ein großer Vorteil. Ich kenne ihre Stärken und Schwächen, kenne die handelnden Personen und die hausinterne Kultur, die Qualität der Region. Ich weiß, was uns in den vergangenen Jahren stark gemacht hat. Ich bin seit sechs Jahren Mitglied im Vorstand und habe die dort gefällten Entscheidungen mit vertreten. Es wäre merkwürdig, wenn ich nun alles ändern wollen würde. Generell ist die Veränderungsgeschwindigkeit aber inzwischen so rasant geworden, dass sie die Dinge, die sie erst gestern entschieden haben, schon morgen wieder über den Haufen werfen und an geänderte Rahmenbedingungen anpassen müssen.

Wird es in 20 Jahren noch Filialen geben?

Wir müssen uns immer wieder fragen, wie wir einem sich ändernden Kundenverhalten auch in Zukunft gerecht werden. Wie die Welt in fünf, zehn oder 20 Jahren aussieht und welche Bedeutung dann eine Filiale haben wird, darüber haben wir Annahmen. Aber ob diese zutreffen werden, lässt sich heute nicht mit Sicherheit sagen. Für die Zukunft wollen wir uns möglichst schlank aufstellen. Wir gehen mit dem Vorstand voran und haben ihn auf zwei Mitglieder reduziert. Wir haben vor drei Jahren Regionaldirektoren eingesetzt, in Harburg und in den Mittelzentren Buchholz, Winsen und Buxtehude. Sie werden unsere öffentliche Präsenz in der Region verstärken.

Wie gehen Sie mit der Internet-Konkurrenz um?

Wir wollen das beste aus zwei Welten: Der regionale Vertrieb über unsere Filialen hat uns stark gemacht. Aber der mit dem Internet verbundene Trend, einfache Serviceleistungen schnell online erledigen zu können, jeder Zeit erreichbar zu sein, ist ebenfalls wichtig. Die Internet-Konkurrenz ist ein ernst zu nehmendes Thema, das wir als Sparkassen-Organisation über Jahre ein Stück weit unterschätzt hatten. Das war ein Fehler. Aber es ist genauso falsch, zu meinen, es gehe alles nur noch über das Internet. Ich sehe sogar erste Anzeichen für eine Trendwende. Beispiel Direktbanken: In den letzten Jahren haben wir mehr von ihnen gewonnen, als wir an die Banken verloren haben.

Oder schauen Sie sich die Interhyp an, eine Plattform zur Vermittlung von Baukrediten. Die haben früher alles online abgewickelt. Inzwischen haben sie in allen nennenswerten Städten Beratungscenter. Baufinanzierung ist für viele Leute die wichtigste Finanzentscheidung im Leben. Die Mehrheit braucht eine kompetente Beratung von jemandem, dem sie vertraut.

Wie persönlich ist die Sparkasse? Arbeiten Sie mit Call-Centern?

Wir haben eine eigene Truppe in Harburg. In den Abendstunden nach 18 Uhr und an den Sonnabenden unterstützt uns ein Call-Center der Sparkassen, der S Direkt in Halle (Saale). Aber unser Anspruch ist, dass wir den Telefonservice so weit wie möglich mit unseren Mitarbeitern machen. Sie können uns montags bis sonnabends von 8 bis 22 Uhr zudem über den Berater-Chat erreichen, auch dort antworten eigene Mitarbeiter. Bei Standortschließungen – ein heikles Thema – entsteht bei unseren Kunden häufig der Eindruck, wir wollten sie ins Internet abdrängen. Das ist nicht so. Unser Ansatz ist: Der Kunde entscheidet, über welchen Weg er zu uns kommt.

Wie persönlich ist ein Kundenservice mit ständig wechselnden Mitarbeitern?

Wir haben im Service-Bereich viele junge Leute. Der klassische Weg ist, nach der Ausbildung sich weiteres Wissen im Kundenservice anzueignen. Dadurch entsteht eine Fluktuation, weil Leute sich weiter entwickeln wollen. Wir haben in diesen Bereichen weniger Kontinuität als wir uns das wünschen, und arbeiten daran, Karrierepfade zu entwickeln, auf denen sich die jungen Banker am selben Ort weiterqualifizieren können. So haben wir in jedem unserer 21 Beratungscenter ausgewiesene Finanzexperten für das Wertpapiergeschäft. Und seit April können Sie dort eine komplette private Baufinanzierung abschließen. Wir arbeiten an den letzten technischen Details – in einigen Wochen können Sie aus dem Beratungsgespräch mit einem unterschriebenen Vertrag herausgehen. 70 bis 80 Prozent aller Baukredite werden wir auf diesem Weg vergeben können.

Ist das eine Rückkehr zu den Wurzeln? Früher hatten die Filialen umfangreiche Kompetenzen.

Ja – nicht alles, was es früher gab, war schlecht. Auch die vier Regionaldirektoren hatten wir schon einmal in ähnlicher Form. Wir müssen auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren, etwa auf aufsichtsrechtliche Anforderungen. Aktuell hilft uns die Digitalisierung, viele Finanzgeschäfte dezentral in unseren Beratungscentern abzuwickeln.

Welche Rolle spielen die strengeren Regularien für Finanzinstitute?

Sie sind ein Problem. Wenn wir heute neue Mitarbeiter einstellen, dann nicht für den Dienst am Kunden, sondern in der Regel dort, wo wir Aufsichtsrecht erfüllen müssen. Unser regionales Geschäft hat mit Bankenkrise nicht viel zu tun. Man sollte bei den Anforderungen die Geschäftsmodelle der Institute beachten. Wir reden nicht über eine international agierende Bank, die viel Investment macht, sondern über die Sparkasse Harburg-Buxtehude mit einer Bilanzsumme von knapp vier Milliarden Euro.

Derzeit leiden Sparer und Finanzinstitute unter den niedrigen Zinsen. Ist absehbar, dass sich da etwas ändert?

Ich habe lange in Buxtehude gewohnt, dort hatten meine Eltern Eigentum erworben. Um meine Konfirmation herum kam mein Vater stolz nach Hause: Unsere Baufinanzierung war verlängert worden, und der Zinssatz lag das erste Mal unter zehn Prozent. Für Spareinlagen gab es fünf bis sechs Prozent Zinsen. Ich glaube nicht, dass wir jemals eine Zeit mit annähernd so hohen Zinsen erleben werden. Kurzfristig wird sich die Zinspolitik nicht wesentlich ändern. Die Entschuldung der südeuropäischen Länder spielt dabei eine große Rolle. Frühestens Ende 2019/2020 wird sich vielleicht ganz allmählich etwas tun. Aber wir rechnen nicht mit signifikanten Änderungen.

Das eigentliche Bankgeschäft ist dadurch schwieriger geworden. Wo sehen Sie Wachstumschancen?

Die Niedrigzinsphase reduziert unser Zinsergebnis. Es wird weiter abnehmen, obwohl wir mit einem wachsenden Kreditvolumen planen. Denn wenn zehnjährige Baufinanzierungen verlängert werden, reduziert sich der Zinssatz von ehemals drei, vier Prozent auf heute 1,5 bis zwei Prozent. Auf der Einlagenseite zahlen wir heute schon kaum noch Zinsen. Da gibt es keine Potenziale, um das Zinsergebnis zu verbessern. Zum Ausgleich müssen wir mehr Provisionen erwirtschaften – und noch stärker auf die Kosten schauen. Der Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst endete gerade mit einem Plus von 7,5 Prozent in den nächsten 30 Monaten. Das freut mich für unsere Mitarbeiter. Aber für die Sparkasse bedeutet ein Prozentpunkt Gehaltsanstieg eine halbe Million Euro mehr Personalkosten. Die müssen wir irgendwo hinzuverdienen. Wir wollen weitere Kunden gewinnen, denken aber auch über Preisanpassungen nach, etwa bei Girokonten.

Gibt es – nach zwei gescheiterten Anläufen mit den Sparkassen Lüneburg und Altes Land – Überlegungen zu Fusionen?

Aktuell nicht. Auch damals waren nicht wir der aktive Part, sondern sind angesprochen worden. Beide Fusionen sind am politischen Willen gescheitert. Hier wird sich Kommunalpolitik weiterentwickeln. Unser Ziel ist, wirtschaftlich unabhängig zu bleiben. Dennoch wird eine Fusion irgendwann wieder ein Thema werden. Ich bin mir sicher, dass wir in 25 Jahren unser 200-jähriges Jubiläum feiern. Ob wir dann noch Sparkasse Harburg-Buxtehude heißen, darüber bin ich mir nicht sicher.

Hat sich der Begriff Sparkasse überlebt?

Nein. Sparen ist wichtiger denn je. Gerade Jugendlichen sagen wir: Tue etwas für deine Altersvorsorge, fange damit nicht erst mit 50 an. Die niedrigen Zinsen machen dies nicht einfacher. Zudem hat der Name Sparkasse einen Markenwert. Er signalisiert Vertrauen und Sicherheit.

Man kann fast alles im Internet machen, aber viele Menschen kehren zurück in die Reisebüros. Spüren Sie diesen Trend auch?

Das ist genau unser Thema! Und der Grund, warum ich nach wie vor an das Geschäftsmodell Sparkasse glaube. Eine ein Jahr alte Statistik belegt, dass mehr Reisebüros neu eröffnet als geschlossen wurden. Im Bankensektor werden derzeit mehr Filialen geschlossen als eröffnet, und das wird noch einige Zeit anhalten. Im Reisemarkt sind wir auf einem anderen Weg: Ich kann jede Reise im Internet buchen, werde dort mit Informationen überflutet. Da brauche ich einen Lotsen, der mich an die Hand nimmt und mir Orientierung gibt, eine persönliche Beratung.

Suchen Sie nach neuen Geschäftsfeldern?

Wir stellen gerade erste Überlegungen an, ob wir vielleicht einmal eine Immobilie erwerben und als Vermieter auftreten. Neue Geschäftsfelder müssen aber immer am Kernprodukt Sparkasse ausgerichtet sein.

Droht eine Überhitzung des regionalen Immobilienmarktes?

Die sehen wir noch nicht. Das Thema Lage ist dabei extrem wichtig. Vor drei Jahren haben meine Eltern ihr wunderschönes Haus in Schwinge, zwischen Fredenbeck und Stade, verkauft. Ich war schockiert, als ich den Verkaufspreis erfuhr. Dort wirkte sich die ungünstige Lage, die mangelnde Infrastruktur-Anbindung des Ortes negativ aus. In exquisiten Hamburger Lagen mit extremen Preisen mag dagegen allmählich die Spitze erreicht sein. Eine Preisentwicklung mit Prozentraten, wie wir sie in den vergangenen Jahren hatten, werden wir in den nächsten Jahren mit Sicherheit nicht mehr erleben.

Sehen Sie Wachstumshemmnisse in der regionalen Wirtschaft?

Wir sind hier in einer tollen Region, der Metropolregion Hamburg. Herausforderungen wären einerseits politische Krisen, wobei in jüngster Zeit Verunsicherungen wie Brexit, Syrienkrieg oder die Wahl von Donald Trump problemlos weggesteckt wurden. Andererseits müssen wir aufpassen, dass wir uns unsere Standortvorteile nicht kaputt machen. Damit meine ich vor allem die Infrastruktur, den notwendigen Ausbau von Straßenverbindungen und vom Breitbandnetz zum Datentransport.

Führungswechsel bei der Sparkasse Harburg-Buxtehude: Seit dem 1. April ist Andreas Sommer Vorsitzender des Sparkassenvorstands. Mit dem Abendblatt sprach er über die Zukunft seines Instituts, für das der 50-Jährige Manager bereits seit 15 Jahren arbeitet.

Hat der Rollenwechsel vom Vorstandsmitglied zum Vorstandsvorsitzenden für Sie viel geändert?

Gott sei dank nicht. Ich bin kein anderer Mensch, weil ich einen Stern mehr auf der Schulter habe. 2003 habe ich von der Haspa hierher gewechselt. Die langjährige Tätigkeit in der Sparkasse ist ein großer Vorteil. Ich kenne ihre Stärken und Schwächen, kenne die handelnden Personen und die hausinterne Kultur, die Qualität der Region. Ich weiß, was uns in den vergangenen Jahren stark gemacht hat. Ich bin seit sechs Jahren Mitglied im Vorstand und habe die dort gefällten Entscheidungen mit vertreten. Es wäre merkwürdig, wenn ich nun alles ändern wollen würde. Generell ist die Veränderungsgeschwindigkeit aber inzwischen so rasant geworden, dass sie die Dinge, die sie erst gestern entschieden haben, schon morgen wieder über den Haufen werfen und an geänderte Rahmenbedingungen anpassen müssen.

Wird es in 20 Jahren noch Filialen geben?

Wir müssen uns immer wieder fragen, wie wir einem sich ändernden Kundenverhalten auch in Zukunft gerecht werden. Wie die Welt in fünf, zehn oder 20 Jahren aussieht und welche Bedeutung dann eine Filiale haben wird, darüber haben wir Annahmen. Aber ob diese zutreffen werden, lässt sich heute nicht mit Sicherheit sagen. Für die Zukunft wollen wir uns möglichst schlank aufstellen. Wir gehen mit dem Vorstand voran und haben ihn auf zwei Mitglieder reduziert. Wir haben vor drei Jahren Regionaldirektoren eingesetzt, in Harburg und in den Mittelzentren Buchholz, Winsen und Buxtehude. Sie werden unsere öffentliche Präsenz in der Region verstärken.

Wie gehen Sie mit der Internet-Konkurrenz um?

Wir wollen das beste aus zwei Welten: Der regionale Vertrieb über unsere Filialen hat uns stark gemacht. Aber der mit dem Internet verbundene Trend, einfache Serviceleistungen schnell online erledigen zu können, jeder Zeit erreichbar zu sein, ist ebenfalls wichtig. Die Internet-Konkurrenz ist ein ernst zu nehmendes Thema, das wir als Sparkassen-Organisation über Jahre ein Stück weit unterschätzt hatten. Das war ein Fehler. Aber es ist genauso falsch, zu meinen, es gehe alles nur noch über das Internet. Ich sehe sogar erste Anzeichen für eine Trendwende. Beispiel Direktbanken: In den letzten Jahren haben wir mehr von ihnen gewonnen, als wir an die Banken verloren haben.

Oder schauen Sie sich die Interhyp an, eine Plattform zur Vermittlung von Baukrediten. Die haben früher alles online abgewickelt. Inzwischen haben sie in allen nennenswerten Städten Beratungscenter. Baufinanzierung ist für viele Leute die wichtigste Finanzentscheidung im Leben. Die Mehrheit braucht eine kompetente Beratung von jemandem, dem sie vertraut.

Wie persönlich ist die Sparkasse? Arbeiten Sie mit Call-Centern?

Wir haben eine eigene Truppe in Harburg. In den Abendstunden nach 18 Uhr und an den Sonnabenden unterstützt uns ein Call-Center der Sparkassen, der S Direkt in Halle (Saale). Aber unser Anspruch ist, dass wir den Telefonservice so weit wie möglich mit unseren Mitarbeitern machen. Sie können uns montags bis sonnabends von 8 bis 22 Uhr zudem über den Berater-Chat erreichen, auch dort antworten eigene Mitarbeiter. Bei Standortschließungen – ein heikles Thema – entsteht bei unseren Kunden häufig der Eindruck, wir wollten sie ins Internet abdrängen. Das ist nicht so. Unser Ansatz ist: Der Kunde entscheidet, über welchen Weg er zu uns kommt.

Wie persönlich ist ein Kundenservice mit ständig wechselnden Mitarbeitern?

Wir haben im Service-Bereich viele junge Leute. Der klassische Weg ist, nach der Ausbildung sich weiteres Wissen im Kundenservice anzueignen. Dadurch entsteht eine Fluktuation, weil Leute sich weiter entwickeln wollen. Wir haben in diesen Bereichen weniger Kontinuität als wir uns das wünschen, und arbeiten daran, Karrierepfade zu entwickeln, auf denen sich die jungen Banker am selben Ort weiterqualifizieren können. So haben wir in jedem unserer 21 Beratungscenter ausgewiesene Finanzexperten für das Wertpapiergeschäft. Und seit April können Sie dort eine komplette private Baufinanzierung abschließen. Wir arbeiten an den letzten technischen Details – in einigen Wochen können Sie aus dem Beratungsgespräch mit einem unterschriebenen Vertrag herausgehen. 70 bis 80 Prozent aller Baukredite werden wir auf diesem Weg vergeben können.

Ist das eine Rückkehr zu den Wurzeln? Früher hatten die Filialen umfangreiche Kompetenzen.

Ja – nicht alles, was es früher gab, war schlecht. Auch die vier Regionaldirektoren hatten wir schon einmal in ähnlicher Form. Wir müssen auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren, etwa auf aufsichtsrechtliche Anforderungen. Aktuell hilft uns die Digitalisierung, viele Finanzgeschäfte dezentral in unseren Beratungscentern abzuwickeln.

Welche Rolle spielen die strengeren Regularien für Finanzinstitute?

Sie sind ein Problem. Wenn wir heute neue Mitarbeiter einstellen, dann nicht für den Dienst am Kunden, sondern in der Regel dort, wo wir Aufsichtsrecht erfüllen müssen. Unser regionales Geschäft hat mit Bankenkrise nicht viel zu tun. Man sollte bei den Anforderungen die Geschäftsmodelle der Institute beachten. Wir reden nicht über eine international agierende Bank, die viel Investment macht, sondern über die Sparkasse Harburg-Buxtehude mit einer Bilanzsumme von knapp vier Milliarden Euro.

Derzeit leiden Sparer und Finanzinstitute unter den niedrigen Zinsen. Ist absehbar, dass sich da etwas ändert?

Ich habe lange in Buxtehude gewohnt, dort hatten meine Eltern Eigentum erworben. Um meine Konfirmation herum kam mein Vater stolz nach Hause: Unsere Baufinanzierung war verlängert worden, und der Zinssatz lag das erste Mal unter zehn Prozent. Für Spareinlagen gab es fünf bis sechs Prozent Zinsen. Ich glaube nicht, dass wir jemals eine Zeit mit annähernd so hohen Zinsen erleben werden. Kurzfristig wird sich die Zinspolitik nicht wesentlich ändern. Die Entschuldung der südeuropäischen Länder spielt dabei eine große Rolle. Frühestens Ende 2019/2020 wird sich vielleicht ganz allmählich etwas tun. Aber wir rechnen nicht mit signifikanten Änderungen.

Das eigentliche Bankgeschäft ist dadurch schwieriger geworden. Wo sehen Sie Wachstumschancen?

Die Niedrigzinsphase reduziert unser Zinsergebnis. Es wird weiter abnehmen, obwohl wir mit einem wachsenden Kreditvolumen planen. Denn wenn zehnjährige Baufinanzierungen verlängert werden, reduziert sich der Zinssatz von ehemals drei, vier Prozent auf heute 1,5 bis zwei Prozent. Auf der Einlagenseite zahlen wir heute schon kaum noch Zinsen. Da gibt es keine Potenziale, um das Zinsergebnis zu verbessern. Zum Ausgleich müssen wir mehr Provisionen erwirtschaften – und noch stärker auf die Kosten schauen. Der Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst endete gerade mit einem Plus von 7,5 Prozent in den nächsten 30 Monaten. Das freut mich für unsere Mitarbeiter. Aber für die Sparkasse bedeutet ein Prozentpunkt Gehaltsanstieg eine halbe Million Euro mehr Personalkosten. Die müssen wir irgendwo hinzuverdienen. Wir wollen weitere Kunden gewinnen, denken aber auch über Preisanpassungen nach, etwa bei Girokonten.

Gibt es – nach zwei gescheiterten Anläufen mit den Sparkassen Lüneburg und Altes Land – Überlegungen zu Fusionen?

Aktuell nicht. Auch damals waren nicht wir der aktive Part, sondern sind angesprochen worden. Beide Fusionen sind am politischen Willen gescheitert. Hier wird sich Kommunalpolitik weiterentwickeln. Unser Ziel ist, wirtschaftlich unabhängig zu bleiben. Dennoch wird eine Fusion irgendwann wieder ein Thema werden. Ich bin mir sicher, dass wir in 25 Jahren unser 200-jähriges Jubiläum feiern. Ob wir dann noch Sparkasse Harburg-Buxtehude heißen, darüber bin ich mir nicht sicher.

Hat sich der Begriff Sparkasse überlebt?

Nein. Sparen ist wichtiger denn je. Gerade Jugendlichen sagen wir: Tue etwas für deine Altersvorsorge, fange damit nicht erst mit 50 an. Die niedrigen Zinsen machen dies nicht einfacher. Zudem hat der Name Sparkasse einen Markenwert. Er signalisiert Vertrauen und Sicherheit.

Man kann fast alles im Internet machen, aber viele Menschen kehren zurück in die Reisebüros. Spüren Sie diesen Trend auch?

Das ist genau unser Thema! Und der Grund, warum ich nach wie vor an das Geschäftsmodell Sparkasse glaube. Eine ein Jahr alte Statistik belegt, dass mehr Reisebüros neu eröffnet als geschlossen wurden. Im Bankensektor werden derzeit mehr Filialen geschlossen als eröffnet, und das wird noch einige Zeit anhalten. Im Reisemarkt sind wir auf einem anderen Weg: Ich kann jede Reise im Internet buchen, werde dort mit Informationen überflutet. Da brauche ich einen Lotsen, der mich an die Hand nimmt und mir Orientierung gibt, eine persönliche Beratung.

Suchen Sie nach neuen Geschäftsfeldern?

Wir stellen gerade erste Überlegungen an, ob wir vielleicht einmal eine Immobilie erwerben und als Vermieter auftreten. Neue Geschäftsfelder müssen aber immer am Kernprodukt Sparkasse ausgerichtet sein.

Droht eine Überhitzung des regionalen Immobilienmarktes?

Die sehen wir noch nicht. Das Thema Lage ist dabei extrem wichtig. Vor drei Jahren haben meine Eltern ihr wunderschönes Haus in Schwinge, zwischen Fredenbeck und Stade, verkauft. Ich war schockiert, als ich den Verkaufspreis erfuhr. Dort wirkte sich die ungünstige Lage, die mangelnde Infrastruktur-Anbindung des Ortes negativ aus. In exquisiten Hamburger Lagen mit extremen Preisen mag dagegen allmählich die Spitze erreicht sein. Eine Preisentwicklung mit Prozentraten, wie wir sie in den vergangenen Jahren hatten, werden wir in den nächsten Jahren mit Sicherheit nicht mehr erleben.

Sehen Sie Wachstumshemmnisse in der regionalen Wirtschaft?

Wir sind hier in einer tollen Region, der Metropolregion Hamburg. Herausforderungen wären einerseits politische Krisen, wobei in jüngster Zeit Verunsicherungen wie Brexit, Syrienkrieg oder die Wahl von Donald Trump problemlos weggesteckt wurden. Andererseits müssen wir aufpassen, dass wir uns unsere Standortvorteile nicht kaputt machen. Damit meine ich vor allem die Infrastruktur, den notwendigen Ausbau von Straßenverbindungen und vom Breitbandnetz zum Datentransport.