Harburg
Verkehrschaos

Darum steht ganz Harburg im Super-Stau

Gleichzeitige Baustellen auf allen Haupt- und Nebenstrecken bremsen den Verkehr im Bezirk und Umland aus.

Harburg.  Ein Stück alter Stahl brachte den Verkehr im Hamburger Süden und den umliegenden Landkreisen gestern für Stunden zum Erliegen: Auf der A 7 in Höhe der Auffahrt Waltershof war eine Fahrbahn-Übergangs-Lamelle gebrochen. Die Autobahn wurde an der schadhaften Stelle sofort gesperrt, der Verkehr darum herumgeführt. Rückstaus von teilweise bis zu 30 Kilometern waren die Folge. Die Umlandgemeinden Rosengarten und Seevetal ächzten unter dem Ausweichverkehr. Pendler berichteten von stundenlangen Fahrzeiten für wenige Kilometer Strecke. War das nötig?

„Wir müssen in solchen Fällen sofort reagieren“, sagt Annabel Schnepf, Pressesprecherin des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer, „denn wenn sich so eine defekte Lamelle löst, kann sie schwere Schäden verursachen und Unfälle auslösen.“

Die Sofortreparatur wird bis in die nächste Woche andauern, sagt Christian Merl, Autobahnbaustellenkoordinator bei der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation: „Wir haben sofort eine Spezialfirma aus Mitteldeutschland kommen lassen. Die Spezialisten werden hauptsächlich nachts arbeiten, weil dafür die Autobahn auf eine Spur verengt werden muss. Tagsüber können wir zwei Spuren öffnen.“

Geplant ist, dass die Arbeiten am 2. Mai morgens beendet sind. Versprechen will Merl das nicht. Man sei jetzt dabei, die defekte Lamelle auszubauen. Dabei könne man noch auf weitere Schäden stoßen.

Schon am Tag zuvor war im Hamburger Süden das Verkehrschaos ausgebrochen, weil ein umgestürzter Lkw die A 7 mehrere Stunden lang komplett blockiert hatte. Vergangene Woche brach der Verkehr zusammen, nachdem ein Bagger an der Wilhelmsburger Reichsstraße eine Gasleitung beschädigte. Üblicherweise hält das Fernstraßensystem solche Einzelvorfälle aus, ohne, dass es zu größeren Staus kommt. Derzeit ist das Gesamtsystem aber derart durch Baustellen eingeschränkt, dass jede spontane Mehrbelastung zum Kollaps führt.

Auf der A 1 wird eine Komplettsanierung der Fahrbahn durchgeführt, auf der Wilhelmsburger Reichsstraße sind Fahrspuren wegen einer Brückensanierung sowie der Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße gesperrt. „Die Grundsanierung der A 1 ist unaufschiebbar“, sagt Merl. „Wir mussten in den vergangenen Jahren immer wieder Notreparaturen auf dieser Strecke durchführen. Das würde ohne Sanierung so weitergehen und ebenfalls zu Sperrungen führen. Auch die Brücke der A 253 muss jetzt saniert werden, weil sie akut schadhaft ist.“

Hätte man angesichts dieser Notwendigkeiten nicht das Prestigeprojekt „Verlegung der Reichsstraße“ aussetzen können?, „Nein“, sagt Merl „da gibt es langjährige Verträge, die eingehalten werden müssen. Außerdem brauchen wir die neue, leistungsfähigere Reichsstraße so schnell wie möglich, um die Ertüchtigung der anderen Strecken vorantreiben zu können.“

Theoretisch stünden auch trotz der Baumaßnahmen noch genügend Fahrspuren zur Verfügung, um den Verkehr zu bewältigen. „Es darf nur auf der A 7 nichts passieren“, sagt Merl, „und das war jetzt zweimal der Fall.“

Alternativen zu den Hauptstrecken haben Autofahrer derzeit nicht: Viele innerharburgische Querverbindungen sowie die Rethe-Brücke im Hafen sind ebenfalls wegen Baumaßnahmen gesperrt und aus dem Binnenhafen kommt man immer noch nicht in Richtung A 253, weil die Planer befürchten, dass ihre umstrittene Autobahn-Ampelkreuzung an der Kornweide dann doch versagt, weil sie den zusätzlichen Verkehr nicht bewältigen kann. Nicht einmal weiträumig lässt sich die A 7-Baustelle umfahren: Im Maschener Kreuz wird eine Brücke saniert, auch hier mit erheblichen Einschränkungen.

Was auch immer Autofahrer an Alternativstrecken probierten: Es waren schon zu viele andere auf ihren Schleichwegen unterwegs.

Zum Chaos auf den Straßen gesellte sich gestern auch noch eine Sperrung auf der Schiene: Durch ein Missgeschick beim nächtlichen Schweißen wurde ein S-Bahn-Kabel beschädigt. Der Citytunnel musste bis 9 Uhr morgens gesperrt werden. Mitten im Berufsverkehr fiel die Hälfte der Harburger S-Bahnen aus.