Harburg
Hittfeld

Schüler und Lehrer kämpfen für ihr Gymnasium

Sie fordern die „große Renovierung“: Schulleiter Frank Patyna (v.l.), Emma Hoffmann, Hausmeister René Bechmann,

Sie fordern die „große Renovierung“: Schulleiter Frank Patyna (v.l.), Emma Hoffmann, Hausmeister René Bechmann,

Foto: Stefanie Ender / HA

Kollegium, Eltern, Kinder und Jugendliche fordern „große Lösung“ für die Renovierung in Hittfeld. Schulleitung fürchtet um Reputation des „GyHi“.

Hittfeld.  Als das Hittfelder Gymnasium vor 45 Jahren gebaut wurde, war der offene Bau mit den breiten Fluren der architektonisch letzte Schrei. Doch die Zeiten ändern sich. Dunkle Räume ohne Tageslicht und zerfranste Teppiche ärgern die, die heute dort viel Zeit verbringen. Schüler, Lehrer und Eltern wünschen sich einen Umbau durch den Landkreis Harburg. Die Entscheidung, ob eine große Renovierung für 15 Millionen Euro, oder eine kleine für 9 Millionen Euro kommt, wird die Kreispolitik treffen.

„Unser Schulgebäude hat Bahnhofscharakter. Wir müssen etwas tun, sonst werden wir als Schule abgehängt“, sagt Schulleiter Frank Patyna. Er steht im Erdgeschoss des Hauses, das sich linker Hand vom Eingang erstreckt. Ohne Deckenlampen wäre dieser weiträumige Bereich düster. Ähnlich einer Bahnhofsvorhalle gibt es hier einen schnörkellosen Klinkerfußboden und Gruppen von Sitzbänken. „Wir könnten hier etwas Schönes draus machen“, meint Patyna.

Der Flur habe Potential. Allerdings müsse dazu renoviert werden. Vor allem den Teppichbezug der Sitze will er entfernen. „Dieser Teppich war schon hier als meine Mutter noch zur Schule ging“, sagt Emma Hoffmann. Die 18-Jährige steht kurz vor dem Abitur. „Ich habe bisher mein halbes Leben hier verbracht. Dieser Betonklotz ist dunkel, manche Räume haben gar keine Fenster. Es wird Zeit, dass sich was ändert“, sagt sie energisch.

Zusammen mit Schülern aller Klassenstufen hat sie in drei Zukunftswerkstätten Vorschläge zur Verbesserung des Schulgebäudes erarbeitet. Die Gymnasiasten schossen Fotos von den schönen Ecken des Hauses und denen, die sie ändern wollen. Gemeinsam mit Eltern, der Schulleitung und vier Vertretern des Landkreises saßen sie in mehrtägigen Workshops zusammen.

„Dafür haben wir schon viel Zeit investiert“, sagt Andrea Doerner, die im Elternrat der Schule sitzt. „Wir fehlten ganze Tage im Unterricht“, sagt die angehende Abiturientin Emma. Ihr sei es das wert gewesen. Und das, obwohl sie nicht mehr in den Genuss eines renovierten Schulgebäudes kommen wird.

„Aus allen Klassenstufen wurde der Wunsch nach mehr Licht geäußert“, fasst Patyna eines der Ergebnisse der Werkstätten zusammen. „Die kleinen Dachluken in den Fluren reichen nicht aus“, sagt Elternratsmitglied Tanja Otten-Warner. Tatsächlich fehlt in den Gängen und manchen Räumen Tageslicht. So müssen Schüler im Lehrsaal komplett ohne natürliches Licht Prüfungen schreiben.

„Hier kann sich niemand beim Klausurenschreiben konzentrieren“, sagt Johannes Winter, Lehrer für Latein, Deutsch und Darstellendes Spiel. „Keine Luft und kein Licht. Im Fremdsprachenraum bekomme ich Kopfschmerz“, fügt Emma hinzu.

Die Lösung könnten Lichtkegel sein, die vom Dach bis ins Erdgeschoss verlaufen und Helligkeit von draußen auf jede Etage bringen. Außerdem wollen die engagierten Planer die sechs u-förmigen Flure umstrukturieren. Die Räume in der Mitte sollen weg. Stattdessen wollen sie Lerninseln schaffen. So würde auch der Flur heller werden.

Mit den Lerninseln könnte die heute gängige, pädagogische Maxime umgesetzt werden. „Der Schüler steht im Mittelpunkt. Der Unterricht richtet sich nicht mehr vorrangig nach dem Fach“, erklärt Patyna. In den Bereichen könnten Schüler in Gruppen oder allein in Ruhe und fächerübergreifend arbeiten. Die Klassenräume wären dann das Forum, um Ergebnisse zu präsentieren. „Dann würden Schüler hier gern arbeiten und nicht mehr in den Freistunden ins Dorf gehen“, meint Emma.

Ob die Wünsche umgesetzt werden oder nur die dringend notwendigen Sanierungen, wie Ausbesserung der Teppiche und Lüftungen, um das Gebäude auf den aktuellen Stand der Brandschutzbestimmungen zu bringen, gemacht werden, entscheidet die Winsener Politik. Am 2. Mai tagt der Kreisschulausschuss ab 15 Uhr im Foyer des Gymnasiums.

Schmierereien

Kurz vor den Osterferien fand die Schulleitung Kritzeleien in den Toiletten des Gymnasiums am Peperdieksberg. Fassungslos, angesichts der mühevollen Planarbeiten für die bevorstehende Sanierung, sucht Schulleiter Frank Patyna nun nach den Verantwortlichen. „Es handelt sich hier nicht um Kleinigkeiten“, schreibt er in einer Rundmail an Eltern und Schüler. Er wird Anzeige wegen schwerwiegender Sachbeschädigung erstatten.

Die Schmierfinken haben Fliesen, Toilettenwände und Türen mit schwarzem, schwer abwaschbarem Material beschrieben. Der Name „Zaro“ taucht dort häufig auf. Patyna bittet um Mithilfe und hat die Polizei in den kommenden Tagen ins Haus bestellt.