Harburg
Coole Drinks

Cocktail-Profi mixt in der „Treppe“

Ibo Yüksel will am Sonntag norddeutrscher Meister werden

Ibo Yüksel will am Sonntag norddeutrscher Meister werden

Foto: Lars Hansen / xl

Ibo Yüksel eröffnet erste eigene Bar am Sand. Am Sonntag will er mit seinen Rezepten Norddeutscher Meister werden.

Harburg.  Hamburger Kümmel ist keine Spirituose, die sich Lieschen Müller als Zutat in einem Cocktail vorstellen könnte. Ibrahim „Ibo“ Yüksel kippt den Kümmel unbekümmert in den Shaker. Dazu: Rote-Bete-Saft und diverse Geheimzutaten aus kleinen unbeschrifteten Flaschen, deren Inhalt nur Ibo kennt. Ibo Yüksel ist der Chef in der neuen Harburger Cocktail-Bar „Die Treppe“ oberhalb des Marktplatzes am Sand. Und er ist kein Unbekannter: Noch ist er Norddeutscher Vizemeister der Bartender. Am Sonntag will er sich im mecklenburgischen Fleesensee den Titel für das Jahr 2018 holen.

Es rattert vernehmlich, als Yüksel den Shaker bewegt. Dann gießt er ihn ab. Die altrosafarbene Flüssigkeit verteilt sich um die Eiswürfel. Was auffällt: Die Eiswürfel knacken nicht. Sie sind einige Grad kälter, als die die man aus einem Haushaltskühlschrank holt. „Der Drink soll ja nur gekühlt werden und nicht mit Schmelzwasser verdünnt sein“, sagt Yüksel „Deshalb kühlen wir auch die Gläser vor.“

Über die Flüssigkeit kommt jetzt noch eine großzügige Lage Kokos-Chips. Fertig ist der „Moin Moin“. Es ist Ibo Yüksels „Signature Drink“ die Eigenkreation eines Bartenders, die seinen Stil verrät und die ihm so schnell so gut keiner nachmacht. Mit dem „Moin Moin“ ist Ibo Yüksel 2017 Norddeutscher Vizemeister der Bartender geworden. Für Sonntag hat er einen neuen Drink kreiert – den „Fluch der Karibik“

„Es ist wichtig, dass man mit einem Drink eine Geschichte vermitteln und Assoziationen wecken kann“, sagt Barmeister Yüksel. „Beim Fluch der Karibik werden alle Zutaten karibischen Ursprung haben. Eine Schatzkarte wird die genauen Herkunftsgebiete der Zutaten angeben. Und die Präsentation wird sich auch am Film orientieren.“ Ibo Yüksel begann seine Gastronomielaufbahn vor 14 Jahren in der Harburger Lämmertwiete. Als 18-jähriger jobbte er am Tresen des Caspari. „Da habe ich Blut geleckt“, sagt er.

Yüksel blieb zunächst in Harburg, wechselte ins „Oktober“. Als Teil einer Gastrokette bot das Lokal Fortbildungen und Ausbildungsplätze. Der Jobber Ibo Yüksel wurde so zum Restaurantfachmann. Es folgten neun Jahre in der „Not Bar“ am Alsterfleet und eine Zeit als Betriebsleiter im „Grill and Green“. In der Zwischenzeit hatte Yüksel an der Barschule Rostock den Kurs zum IHK-geprüften Barmeister absolviert. Den Kurs bei Kreuzfahrer-Barlegende Uwe Voigt schließen nicht alle Teilnehmer erfolgreich ab, obwohl Ausbildung und Berufserfahrung Voraussetzung sind. Ibo Yüksel bestand mit der Note 1.

Seit Januar ist Ibo Yüksel sein eigener Chef. Seine Bar „Die Treppe“ liegt genau da: An der Treppe vom Sand zur Galerie. Bis Oktober befand sich dort die Marktkneipe „Kerns Stübchen“. Zwei Monate baute Ibo Yüksel die Gaststätte um. Die Brauereimöbel sind raus, in der Bar wurde Platz geschaffen. Hinter dem Tresen trägt ein Geflecht aus Zinkrohren die Regalbrettern, so dass sich ein Treppenmuster ergibt. Zwischen den Flaschen stehen Apparaturen zum Herstellen von Essenzen und Pressen von Säften. „Craft Cocktails“ nennt sich der Trend, Getränke mit einem möglichst hohen Anteil an selbst hergestellten Zutaten zu mischen. In einem Reifetank arbeitet derzeit ein eigener Gin der „Treppe“ an seinen Geschmacksnuancen. „Sand 25“ wird er heißen, nach der Adresse der „Treppe“. „Die Geschmacksnoten sind Zitrusfrüchte, Tang und Algen“, sagt Ibo Yüksel.

Mit der „Treppe“ hat Ibo Yüksel noch viel vor. „Es geht schon los, dass sich bei mir die Bedienungen aus den anderen Bars und Kneipen zum Feierabenddrink treffen, weil wir solange auf haben. Daraus will ich einen Gastronomiestammtisch aufbauen Außerdem kann man meine Bar für Partys mieten und ich denke über einen Studentenabend mit guten aber günstigen, einfachen Drinks nach.“

In Gastro-Portalen wird die „Treppe“ schon hoch gelobt Vor allem ungewöhnliche Kreationen wie Whisky Sour auf Popcorn oder Drinks mit Erdnussbutter als Zutat begeistern die Blogger. Oder eben der „Moin Moin“.