Harburg
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Fußgängerleitsystem für Harburg verschiebt sich weiter

Seit Jahren steht der Beschluss, die Fußwege besser auszuschildern. Hamburg und der Schilderaufsteller Stöer bremsen

Harburg. Seit sieben Jahren diskutieren Harburgs Bezirkspolitiker über ein Fußgängerleitsystem für die Harburger Innenstadt. Das ist ein System aus farblich codierten Wegweisern, denen Fußgänger zu Behörden, Museen, Kirchen, Denkmälern oder auch einfach zum nächsten Klo folgen können. Derzeit sieht es so aus, als dürften die Bezirksabgeordneten auch noch einige Jahre länger darüber diskutieren: Aus der Wirtschaftsbehörde kam gerade die Absage an die schnelle Umsetzung eines Fußgängerleitsystems in Harburg.

Im Fußball-WM-Sommer 2006 waren solche Wegweisersysteme in Hamburg-Mitte und Altona aufgestellt worden, damit auswärtige Gäste der Stadt nicht orientierungslos durch die Gehstraßen irren.

In den beiden Bezirken, in denen es solche Systeme gibt, sind sie von Einheimischen und Gästen sehr positiv aufgenommen worden. Auch Harburg stünde ein Fußgängerleitsystem gut zu Gesicht, befand die SPD-Bezirksfraktion 2011 und beantragte eines. Ihre damalige absolute Mehrheit musste die SPD dafür gar nicht in die Waagschale werfen. Die Unterstützung war breit.

Auf den Beschluss folgte das bis heute andauernde Warten auf die Umsetzung. Die erste Anfrage zum „Wann“ des Leitsystems kam 2015 von der Linkspartei. Ein erneuter Antrag, das Leitsystem in Harburg zu verwirklichen, im Frühjahr 2017 von SPD und CDU. Bezirksverwaltung und Wirtschaftsbehörde stellten das Leitsystem für Herbst 2017 in Aussicht. In der Zwischenzeit gab es Anträge der Linken und der Grünen, weitere Punkte, als die bislang angedachten ins Hinweisraster aufzunehmen. Im Januar 2018 wurde die Wann-Frage noch einmal an die Verwaltung gestellt, diesmal von der CDU. Nun fällt die Antwort allerdings ganz anders aus: Der Vertrag der Freien und Hansestadt Hamburg mit der Firma Ströer – sie hat das Monopol für Werbe- und Hinweisschilder in Hamburg – über die Installation von Fußgängerleitsystemen verpflichte Ströer nicht auf bestimmte Stadtteile, schreibt die Wirtschaftsbehörde. Außerdem läuft der Vertrag zum Ende dieses Jahres aus. „Derzeit erfolgt die Prüfung der Fortführung des Fußgängerleitsystems für die Zeit ab dem 1. Januar 2019, die auch für die Einrichtung und den Betrieb des Fußgängerleitsystems in Harburg von Bedeutung ist“, heißt es in der Antwort auf die Anfrage.

„Ich finde das etwas irritierend“, sagt Jürgen Heimath, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Bezirksversammlung, „Das Geld ist im Bezirkshaushalt längst zurückgestellt.“

Rund 200.000 Euro kosten Einrichtung und vier Jahre Pflege eines Fußgängerleitsystems in Harburg. Einen kleineren Teil davon, 80.000 Euro, spendiert die Wirtschaftsbehörde. Den Rest bringt der Bezirk auf.

„Ich will mich mit dieser Antwort nicht zufrieden geben“, sagt der Sozialdemokrat Jürgen Heimath. „Ich führe in den nächsten Wochen noch einmal Gespräche mit der Verwaltung und der Wirtschaftsbehörde. Das ist ja eine unendliche Geschichte!“