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Was wird aus der Jugendherberge Inzmühlen?

Vor vier Jahren demonstrierten Schüler und Eltern gegen die Schließung der Jugendherberge in Inzmühlen

Vor vier Jahren demonstrierten Schüler und Eltern gegen die Schließung der Jugendherberge in Inzmühlen

Foto: Corinna Panek

Gebäude in Inzmühlen stehen demnächst wieder leer. Gemeinde sucht nach einem neuen Betreiber.

Die Jugendherberge Inzmühlen hat turbulente Jahre hinter sich. Vor drei Jahren kam das Aus, dann keimte die Hoffnung, das Haus doch noch irgendwie retten zu können und schließlich die kurzfristige Aufnahme von Geflüchteten. Minderjährige unbegleitete Menschen aus den Krisen- und Kriegsgebieten wurden Anfang 2016 in der ehemaligen Jugendherberge untergebracht und das verschaffte den Verantwortlichen bei der Zukunftsplanung für das Areal in der Lüneburger Heide etwas Luft.

Doch jetzt das Deja-vù: wieder fehlt ein Betreiber für den großen Komplex, wieder Verhandlungen mit mehreren Interessenten, wieder eine ungewisse Zukunft. Zurzeit leben noch 30 minderjährige Flüchtlinge in der ehemaligen Jugendherberge. Die müssen jedoch bis Ende März ausziehen, da das Land Niedersachsen die Sondergenehmigung für ihre Unterbringung nicht verlängert hat.

Der Landkreis Harburg muss die Geflüchteten nun in kleinen Einheiten auf mehrere Unterkünfte im Kreis verteilen. Wo, ist noch nicht klar. „Wir wissen noch nicht, in welchen Orten sie untergebracht werden“, sagt Reiner Kaminski, Sozialdezernent im Landkreis Harburg. Demnächst solle es Gespräche mit möglichen Trägern von Unterkünften geben.

Noch bis Ende 2018 läuft der Mietvertrag zwischen dem Landkreis Harburg und der Gemeinde Handeloh, die Eigentümer der ehemaligen Jugendherberge ist. Dass der Kreis das Gebäude nach dem Auszug der Flüchtlinge in anderer Form nutzt, ist unwahrscheinlich. „Das werden wir nicht ins Auge fassen. Dafür wären Investitionen nötig“, sagt Reiner Kaminski.

Es ist also damit zu rechnen, dass die ehemalige Jugendherberge erstmal leer steht, sobald die Flüchtlinge ausgezogen sind. Die Gemeinde hofft, so schnell wie möglich, einen Betreiber dafür zu finden. Vor zwei Jahren hatte die Gemeinde Handeloh das Gebäude gekauft und kam damals einem privater Investor zuvor, der ebenso beabsichtigte, die Herberge zu erwerben, um sie als Flüchtlingsunterkunft an den Landkreis zu vermieten.

Die Gemeinde kaufte den Gebäudekomplex vom Landesverband Nordmark, um sicher zu stellen, dass das Areal auch nach der Nutzung der Asylsuchenden wieder als Unterkunft für Jugendliche dient. Und jetzt verhandelt Heinrich Richter, Bürgermeister der Gemeinde Handeloh, erneut mit potenziellen Interessenten. So wie er es auch schon getan hat, bevor die minderjährigen Geflüchteten einzogen. „Wir haben eine ganze Menge Anfragen“, sagt Heinrich Richter.

Es fehlt bislang einschlüssiges Gesamtkonzept

Unter anderem hat Jan Lürtzing-Brodersen, der die Tagespflege „Naturkinder“ in Dohren betreibt und jetzt eine neue demokratische Schule in der Samtgemeinde Tostedt eröffnen möchte, Interesse angemeldet. Doch Lürtzing-Brodersen braucht zunächst lediglich 160 Quadratmeter und in vier Jahren vielleicht insgesamt 500 Quadratmeter.

Gemessen am riesigen Komplex der ehemaligen Jugendherberge mit 160 Betten auf einem sechs Hektar großen Gelände ist das ein Witz. „Wir haben eine ganze Menge an Anfragen von Menschen, die nur einen Teil der Jugendherberge gebrauchen können“, sagt Bürgermeister Heinrich Richter. „Was uns aber fehlt, ist ein Betreiber des gesamten Objekts, der dann Teile des Gebäudes weiter vergibt.“

Deshalb kann er Jan Lürtzing-Brodersen auch nicht viel Hoffnung machen, seine Freie Schule Nordheide in der ehemaligen Jugendherberge eröffnen zu können. Auch André König, Vorsitzender des Fördervereins der Jugendherberge Inzmühlen, bezweifelt, dass solche Teilinteressen bedient werden können. „Wir haben zwar die passenden Puzzleteile, aber uns fehlt der große Rahmen“, sagt er.

König und Richter hoffen, dass sich das in den nächsten Monaten ändert. Der Förderverein will sich jetzt verstärkt um eine Nachnutzung des Gebäudes kümmern und den Standort bewerben. „Jetzt ist der Zeitpunkt, noch einmal richtig Gas zu geben“, sagt André König.

Unrentabel

Die ehemalige Jugendherberge Handeloh war die einzige im Landkreis Harburg. Sie liegt im Ort Inzmühlen auf einem 60.000 Quadratmeter großen Grundstück mitten im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide, umringt von Heide- und Waldlandschaften.

Trotz der idyllischen Lage sind die Übernachtungszahlen über die Jahre stetig gesunken. Im Jahr 2013 kam das Haus mit 12.144 Übernachtungen lediglich noch auf eine Auslastung von 22,3 Prozent.

Ein Jahr später entschied sich der Landesverband Nordmark dann, die Jugendherberge wegen mangelnder Rentabilität zu schließen.