Harburg
Schulausschuss

Winsen schafft die Horte ab – Eltern protestieren

Die neue Halle an der Schule Ilmer Barg entsteht dort, wo die alte stand

Die neue Halle an der Schule Ilmer Barg entsteht dort, wo die alte stand

Foto: Schmitt-Wenzel

Politiker votieren mit Mehrheit für Ganztagsgrundschule – neue Sporthalle am Ilmer Barg entsteht am alten Standort.

Winsen.  Showdown in der Aula der Alten Stadtschule: Eine knapp halbe Stunde prasselten Fragen, Häme und Wut über das geplante Auslaufen der Hortbetreuung in der Kreisstadt auf Politiker und Verwaltungsmitarbeiter und den Ersten Stadtrat Christian Riech nieder. Mehr als 40 Besucher, vor allem betroffene Mütter und Väter, waren in den städtischen Schulausschuss gekommen, um ihre Verstimmung deutlich zu machen. „Sie zerschmettern die Gesellschaft mit einem Handwisch“, sagte eine Mutter. Persönliche Betroffenheit brach sich am Donnerstagabend Bahn. Politik geht anders.

Es blieb schließlich bei der schon im Herbst von der Politik einstimmig getroffenen Entscheidung, die Horte bis auf einen zugunsten der Ganztagsgrundschule innerhalb von zwei Jahren weitgehend auslaufen zu lassen. CDU und der Ausschussvorsitzende Wilfried Rieck (Winsener Liste) stimmten dafür mit vier gegen drei Stimmen von SPD und Grünen.

Nino Ruschmeyer (FDP) als Vertreter im Aussschuss, enthielt sich, machte aber deutlich, dass für ihn „Doppelstrukturen ineffizient sind. Ich glaube, dass man eine gute Betreuung mit Horten aber auch mit der Ganztagsgrundschule erreichen kann.“

Die SPD hatte noch zur Sitzung einen Antrag eingebracht, nach dem „berufstätige Eltern weiterhin die Möglichkeit haben sollen, je nach Bedarf zwischen Hort und offener Ganztagsbetreuung zu wählen.“ Vor allem weil noch nicht klar sei, wie an den Schulen ein Frühbetreuung vor acht Uhr eingerichtet werden könne, lehnte Eike-Christian Harden (Grüne) die Grundsatzentscheidung für die Ganztagsschule ab. Die Lage hatte ihn überrascht. „Das habe ich nicht geahnt.“ Eine andere Mehrheit kam aber auch mit Harden nicht zustande.

„Die Gruppe CDU/Winsener Liste steht zu ihrer Entscheidung“, sagte Sebastian Trenkner (CDU). Frei werdende Mittel durch den Wegfall der Horte sollten für eine bessere Qualität der Ganztagsbetreuung investiert werden. Nach der Entscheidung fasste er noch einmal nach. Die Verwaltung soll nun prüfen, wie die Öffnungszeiten abends und frühmorgens ausgedehnt werden könnten und wie viel Geld dafür notwendig wäre.

Angebote bis 17 Uhr in der Woche und am Freitag bis 15.30 Uhr gebe es schon jetzt, sagte Riech. Für die Zeit ab sieben Uhr dürfte es aber für den als Auftragnehmer der Stadt arbeitenden Verein PädIn schwierig sein, Personal zu finden. Ohnehin schätzt die Stadt den Betreuungsbedarf am frühen Morgen als eher gering ein. „Wir schauen, ob wir das Thema bis zur Sitzung des Verwaltungsausschusses am 8. März voranbringen können“, so Riech.

Zwei weitere Entscheidungen fällte der Schulaussschuss dann einstimmig. So wird die neue Halle an der „Schule Ilmer Barg“ genau dort entstehen, wo die alte, zuletzt abgebrannte ,Halle stand. „Wir brauchen dort weder den Flächennutzungsplan noch den Bebauungsplan zu ändern“, sagte Architekt Stefan Schmitt-Wenzel, der Sachgebietsleiter Hochbau/Gebäudewirtschaft der Stadt.

Die Dreifeld-Halle, die vor allem für den Schulsport genutzt werden soll, wird knapp fünf Millionen Euro kosten. Direkt vor der Bushaltestelle ist an der Halle ein Vordacht geplant, so dass sich die Schüler dort unterstellen können. Zudem soll die Zahl der Parkplätze um 30 erhöhte werden. „Die vorhandenen 50 reichen nicht aus“, sagte Schmitt-Wenzel.

Der Ausschuss entschied sich, eine ehemals landwirtschaftlich genutzt Fläche für die Stellplätze zu nutzen, die die Stadt ursprünglich für den Bau den neuen Sporthalle erworben hatte. Dort soll auch ein Lärmschutzwall entstehen, um Wohnhäuser abzuschirmen. Die Kosten für die neuen Parkplätze betragen 100.000 Euro. Wie viel Geld die VGH-Versicherung für die zerstörte Halle und die Sportgeräte erstattet, steht noch nicht fest.

Ein neues Thema für Winsen kann mit den steigenden Einwohner- und Schülerzahlen der Bau einer neuen Grundschule im Norden werden. „Die Schulen stoßen an ihre Grenzen“, sagte der Erste Stadtrat Riech. Nach dem nun gefassten Beschluss soll die Verwaltung die entsprechenden Analysen des Daten- und Zahlenmaterials vornehmen sowie mit den orientierende Gespräche mit der Schulbehörde beginnen. „Wir wollten mal eine kleine Alarmmeldung geben“, sagte der Vize-Verwaltungschef. Die ist offensichtlich bei den Politikern angekommen.

Turnhalle

Turnhallen gehen auf den von Friedrich Jahn erfundenen Turnplatz zurück. Der erste Turnplatz in Deutschland wurde am 18. Juni 1811 auf der Berliner Hasenheide eröffnet. 1845 entstand in Winterthur die erste Turnhalle der Schweiz. Sie musste aber bereits 1868 dem Gründungsgebäude der damaligen Bank in Winterthur weichen.

Die erste Turnhalle Deutschlands in Hamburg stammt von 1849. Sie war 500 Quadratmeter groß und kostete 16.500 Mark. Finanziert wurde der Bau von den Mitgliedern der Hamburger Turnerschaft von 1816. Sie gilt als der älteste durchgängig existierende Sportverein der Welt.