Harburg
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Verstärker-S-Bahn: Die Zeit drängt

S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke,  (l.) und der Hamburger Verkehrs-Staatsrat Andreas Rieckhof vor einer neuen S-Bahn vom Typ ET490

S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke, (l.) und der Hamburger Verkehrs-Staatsrat Andreas Rieckhof vor einer neuen S-Bahn vom Typ ET490

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Nur noch bis Herbst können die benötigten Fahrzeuge bestellt werden, warnt Fahrgastaktivist Wolfgang Franke. Danach wird es teuer und kompliziert.

Harburg.  Kommt eine dritte S-Bahn-Linie für Harburg oder nicht? Harburger Politiker fordern sie seit Jahren. Die Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) sieht die Notwendigkeit nicht so hoch und bremst. Dabei drängt die Zeit, sagt der Neu Wulmstorfer Grünen-Politiker Wolfgang Franke. Er ist Mitglied im Fahrgastbeirat des HVV.

„Aktuell werden die neuen Hamburger S-Bahn-Züge bei Bombardier gefertigt“, sagt er. „Wenn man jetzt nicht die zusätzlichen Fahrzeuge bestellt, die für eine Verstärkerlinie zwischen Hauptbahnhof und Harburg benötigt werden, wird die Produktionsstraße im Bombardier-Werk umgebaut. Dann werden dort erst einmal andere Züge für andere Städte gefertigt und Hamburg müsste sich wieder hinten anstellen. Die Züge würden auch erheblich teurer werden.“,

Die Option für die Bestellung weiterer Züge im Verkehrsvertrag zwischen der S-Bahn und der Freien und Hansestadt Hamburg läuft Ende September aus. Neue Fahrzeuge sind für den Harburger Ast des S-Bahn-Netzes auch schon bestellt, allerdings nicht für eine dritte Linie, die in den Hauptverkehrszeiten einen grob dreieinhalbminütigen Zugtakt ermöglichen würde, sondern um in der Rushhour die Züge zu verlängern.

„Ab Dezember wird es auf der S 3 zu einer schrittweisen Ausweitung des Langzugeinsatzes und damit zu einer Verbesserung der Anbindung von Harburg kommen“, sagt Christian Füldner, verkehrspolitischer Pressesprecher der BWVI. „Ein Zug hat dann neun statt sechs Waggons Ab Dezember 2019 wird der Langzugeinsatz in der Hauptverkehrszeit von 7 auf 14 Umläufe verdoppelt. Damit wird die Anzahl der Sitzplätze von heute etwa 4.800) auf etwa 6.000 je Stunde und Richtung. erhöht Dazu käme noch die gleiche Anzahl an Stehplätzen.“

Aufgrund dieser „maßgeblichen Verbesserung des Angebotes“ sei eine eigenständige Linie zwischen Hauptbahnhof und Harburg Rathaus bisher nicht bei der S-Bahn bestellt worden, so Füldner. Die S-Bahn-Strecke zwischen Harburg und Hauptbahnhof ist die am stärksten frequentierte Strecke im Hamburger Nahverkehrsnetz und eine der am meisten frequentierten in Deutschland. Besonders eng wird es zwischen Wilhelmsburg und Hammerbrook.

„Bis Hammerbrook steigen morgens immer mehr Fahrgäste zu und kaum welche aus“, sagt Wolfgang Franke, der die Interessen der Fahrgäste aus dem Landkreis Harburg im HVV-Fahrgastbeirat vertritt. „Bis nach Fischbek findet man morgens immer noch einen Sitzplatz. Wer ab Neugraben einsteigt, muss schon stehen und ab Wilhelmsburg wird es so eng in der Bahn, dass selbst die Fahrgäste auf den Sitzplätzen eingequetscht werden.

Auf dem Rückweg teilen die Landkreis-Fahrgäste das Ölsardinen-Schicksal mit den Hamburgern bis es sich ab Heimfeld lichtet. Morgens sind auch die Fahrgäste, die in Harburg aus dem Metronom umsteigen besonders betroffen. Wir brauchen den dritten Takt!“

Eine Verstärkerlinie zwischen Hauptbahnhof und Harburg ist schon öfter im Gespräch gewesen. zuletzt schien sie in den Bereich de Möglichen zu rücken, weil im Hamburger Nordwesten ebenfalls eine Verstärkerlinie benötigt wird. Derzeit plant die BWVI diese Taktverstärkung aber nur zwischen dem Stadtteil Eidelstedt und der Hamburger Innenstadt.

Die Harburger Bürgerschaftsabgeordneten sind deshalb in ihren Fraktionen schon aktiv geworden und haben auf ihre Hamburger Kollegen eingewirkt. „Die Bestelloption geht bis Ende September“, sagt der SPD-Nahverkehrsexperte Ole Thorben Buschhüter. Vor allem sein Harburger Genosse und Abgeordnetenkollege Sören Schumacher lag dem Rahlstedter in den Ohren. „Bis dahin wird noch an allen Ecken des Netzes geguckt, wo noch Bedarfe sind. So lange hat man auch die Chance, die Bestellungen für eine Harburger Verstärkerlinie unterzubringen. Die Voraussetzungen bei Schienen und Signalen werden derzeit geschaffen“

Der Harburger SPD-Politiker Frank Wiesner, selbst studierter Verkehrsplaner, hat einen Bedarf von zehn Fahrzeugen – jeweils drei Waggons – für die Harburger Verstärkerlinie errechnet. „Die kann man vielleicht zur Not auch aus den Langzügen wieder herausnehmen, und für einen dritten Takt nutzen, wenn man zur Erkenntnis gelangt, dass der kürzere Takt mehr Entlastung bringt als der längere Zug“, sagt er.

Stader S-Bahn

Seit zehn Jahren, genauer, seit Dezember 2007, fährt die Hamburger S-Bahnlinie S 3 umsteigefrei von Stade, über Agathenburg, Dollern, Horneburg, Neukloster, Buxtehude, und Neu Wulmstorf durch Hamburg bis nach Pinneberg. Alle Unkenden, dass diese S-Bahn nicht benötigt würde, strafte die Verbindung schon frühzeitig Lügen: Schon im ersten Jahr nach der Eröffnung übertraf die Zahl der Fahrgäste mit sechs Millionen die erwarteten 4,2 Millionen um 30 Prozent.

Inzwischen sind auf dem Streckenabschnitt jährlich rund sieben Millionen Menschen unterwegs, 70 Prozent mehr, als zu der Zeit, als auf der Strecke noch ausschließlich Regionalzüge unterwegs waren. Die geplante Verlängerung der Züge zur Hauptverkehrszeit kommt den Stader Fahrgästen aber höchstens indirekt zugute. Die Bahnsteige ab Neugraben sind zu kurz für Langzüge.