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Harburgs Hofbräuhaus: Die letzte Mass ist ausgeschenkt

Abschiedsstimmung: Britta Miltzlaff und Dieter Schröder hielten am letzten regulären Abend die Gäste des Hofbräuhauses mit Bier bei Laune

Abschiedsstimmung: Britta Miltzlaff und Dieter Schröder hielten am letzten regulären Abend die Gäste des Hofbräuhauses mit Bier bei Laune

Foto: Lars Hansen / xl

Harburgs Hofbräuhaus schließt heute seine Türen. Betreiber erzielten keine Einigung mit dem Vermieter.

Harburg.  Seit heute ist das Harburger Hofbräuhaus geschlossen. Der Grund, so die Betreiber, sind Differenzen mit dem Vermieter. Das Gastspiel des Gasthauses in Harburg hat nur kurz gewährt: Zwei Jahre und vier Monate wurden hier Haxen und Masskrüge durch den Saal getragen und norddeutschem Tran bayerische Bierlaune entgegengesetzt.

Am Sonntag gab es noch einmal Brunch und nachts die Übertragung des Superbowl. Seitdem wird die Räumung des Lokals vorbereitet. Die letzte reguläre Harburger Hofbräu-Gaudi fand tags zuvor statt.

Sonnabend, kurz nach 22 Uhr: Die Musik im Hofbräuhaus am Harburger Ring ist schon leiser gedreht. Nicht, um die Gäste zu vertreiben. Lärmschutzauflagen fordern das ein. Im Schankraum sind noch knapp unter hundert Gäste. Jede andere Kneipe in Harburg wäre damit ziemlich bis knüppelvoll.

Hier verläuft es sich schon. Einzelgäste und Paare sucht man fast vergebens. Die Gäste sind in Gruppen gekommen. Darauf ist das Haus ausgelegt. Oder war es. Denn dies ist der letzte reguläre Abend im Harburger Hofbräuhaus. Die Leute sind gekommen, um Abschied zu nehmen. Die letzte Gaudi am Ring bei gedämpfter Musik.

„Das wird mir sehr fehlen“, sagt Andrea Kostrow, die mit fünf Nachbarn und Freunden an einem Fenstertisch sitzt, „wir sind mit dieser Gruppe regelmäßig hier. Das ist schon fast so etwas, wie ein Stammtisch. Und ich habe mich hier auch immer mit ehemaligen Mitschülern aus der Dempwolffstraße getroffen.“

Seit das Hofbräuhaus im September 2015 seine Harburger Filiale eröffnete, wurde in der Stadt geunkt, dass das nicht gutgehen könnte. Zu groß sei der Laden für das kleine Harburg. Wo sollten denn die ganzen Leute herkommen? Hamburger ja wohl bestimmt nicht!

Laura Blin, Tochter des „Wirtshaus-Unternehmens“-Chefs Frank Blin, betont, dass die Schließung nicht daran liegt. „Im Gegenteil: Wir hatten in Harburg noch viel vor und wollten uns sogar den Harburger Besonderheiten anpassen, aber wir kommen mit unserem Vermieter in wichtigen Punkten zu keiner Einigung!“

So wollten die Blins die Brauanlage erweitern, um ein eigenes Harburger Bier zu brauen. So hätte man die Gäste aus der Nachbarschaft bei ihrem Lokalpatriotismus gepackt. Außerdem waren dringend Nacharbeiten am Schallschutz nötig, um die bayerische Gaudi auch nach 22 Uhr noch bei launiger Lautstärke feiern zu können.

Beides kann ein Pächter nicht einfach allein machen. Für Änderungen am Mietobjekt sowie für Bau- und Braugenehmigungen braucht man eine gute Zusammenarbeit mit dem Vermieter. Die gab es allerdings nicht mehr. Die Verträge wurden 2015 mit Hausbesitzer Horst Sobottka geschlossen. Seit dieser 2016 verstarb, bewegt sich nach Aussagen der Blins zwischen ihrer Firmengruppe „Wirtshaus Unternehmen“ und den Sobottka-Erben nur noch Pacht und Post aber nichts Konstruktives. „Wir haben es aufgegeben“, sagt Laura Blin.

Die Mitarbeiter müssen sich keine Sorgen machen. Sie kommen alle in anderen „Wirtshaus“-Betrieben unter. Die Firmengruppe sucht ständig gutes Personal. „Meine Kollegin und ich arbeiten demnächst in der Esplanade, andere am Speersort oder in Bispingen; das geht für jeden irgendwie gut auf“, sagt Dieter Schröder, während er ein helles und ein dunkles Mass in Richtung Tisch 32 befördert.

Dort sitzen Daniela, Tim, Thomas, noch ein Thomas und René zur letzten Gaudi. „Das ist unser Scheidebecher“, sagt der linke Thomas. „Wir sind extra heute noch einmal hergekommen, als wir gehört haben, dass hier geschlossen wird.“

„Wir waren schon gerne abends hier“, sagt Daniela, „aber noch viel lieber zum Sonntagsbrunch. Das war hier immer ganz toll. Nur haben wir diesen Sonntag keine Zeit. Deshalb verabschieden wir uns heute.“

Mit der hellen und der dunklen Mass haben jetzt alle wieder volle Gläser. Sie heben sie und stoßen an. Ein letztes Mal.

500 Mitarbeiter

2005 gründete Frank Blin das erste Hofbräuhaus außerhalb Münchens mitten in Hamburg. Mittlerweile hat er Hofbräuhäuser in Hamburg, Hannover, Bispingen und Berlin, betreibt den Snowdome, ein Automuseum, ein Hotel und ein Gasthaus. Sein Unternehmen zählt 500 Mitarbeiter und hat eine eigene Fleischerei in Winsen. Seine Wirtshäuser setzen jährlich eine Viertelmillion Schweinshaxen, 27 Tonnen Leberkäse und 750.000 Würste um.