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„Musical Kids“ fiebern der Premiere entgegen

Die Musical Kids fiebern der Premiere entgegen

Die Musical Kids fiebern der Premiere entgegen

Foto: Lars Hansen / xl

In zwei Wochen feiert das Musical „Anouk und ihre Reise zum Meer“ Premiere. Schon die zehnte Produktion der jungen Schauspieler.

Harburg/Vahrendorf.  Die Harburger Wolkenfabrik steht ja eigentlich in Moorburg. Nur ist über dem Kraftwerk heute gar kein Dampf zu sehen: Dafür werden in der Grundschule von Vahrendorf fleißig Wolken gemacht. Pappe, Kleber und Watte sind überall in dem Klassenzimmer verteilt, während die Musical Kids und ihre Eltern hier am Bühnenbild basteln.

Selbstverständlich ist alles mit großformatigen Zeitungen ausgelegt – beim Theater liest man Abendblatt, denn morgen sitzen hier wieder kleine Kinder und lernen die Grundlagen menschlicher Kulturtechniken. An diesem Sonntag aber ist die ganze Grundschule von den Musical Kids belegt. Eine Klasse weiter werden Pappmaché-Kakteen grün angemalt, anderswo Vulkane zusammengeschraubt, Kostüme genäht oder sogar eine echte, tragfähige Hängebrücke konstruiert. Selbst eine Kantine ist aufgebaut, damit niemand vom Fleisch fällt.

Dazwischen laufen Kinder und Jugendliche in prächtigen Kostümen umher oder warten auf sie, sagen ihre Tete vor sich hin oder sehen bei der gerade laufenden Szenenprobe zu. Einmal im Jahr, immer wenige Wochen vor der Premiere der neusten Produktion, gehört die Vahrendorfer Grundschule ein Wochenende lang dem Jugend-Amateur-Musikheater. Wenn alle Vereins- und Ensemble-Mitglieder da sind, sind 200 Menschen in der kleinen Dorfschule.

Alle Erwachsenen sind voll bei der Sache, denn erstens sind es zumeist ihre Kinder, die in ein paar Wochen auf der Bühne stehen, und zweitens ist die Arbeit am Theaterstück für die meisten eine willkommene Abwechslung zum sonstigen Berufsalltag. Da baut Politikredakteur Florian einen Vulkan, statt gut gehütete Geheimnisse auszugraben und Zahnärztin Michaela freut sich, mal nicht kubikmillimeterweise Füllungen zu formen, sondern mit großen Pinselstrichen einen Pappkaktus grün machen zu dürfen.

Am 14. Februar haben ihr Kind und ihr Kaktus Premiere im Harburger Theater. Am 15. fällt schon der letzte Vorhang. Der ganze Aufwand wird für gerade mal zwei Vorstellungen betrieben.

Mitten im Treiben hat einer die Ruhe weg: Uwe Heynitz ist, seit es die Truppe gibt, der Mann hinter den Musical Kids. Er schreibt die Stücke, komponiert die Musik, führt Regie und hält alle Fäden der Produktion in der Hand. Er hat Routine und Gottvertrauen: Dies ist die zehnte große Produktion der Gruppe und sie sind bislang alle grandios geworden. Als die Sache mit den Musical Kids losging, hätte der Kirchenmusiker nie gedacht, dass dies ihn auf Jahre beschäftigen würde – auch bei ihm übrigens nebenberuflich.

Die Truppe entstand durch einen war eher ein Zufall. An der Vahrendorfer Grundschule, die damals auch Uwe Heynitz’ Tochter besuchte, war der Musiklehrer ausgefallen. Ohne ihn vorher zu fragen, schlug das Mädchen vor, Tochter gesagt, dass ihr Papa das ja machen könnte. Als Berufsmusiker findet Uwe Heynitz Musikunterricht für Kinder im Allgemeinen und seine Tochter im Besonderen wichtig und sagte deshalb zu.

Damit der Musikunterricht nicht langweilig wurde, schrieb Heynitz den Drittklässlern ein kleines Musical auf den Leib und bezog auch die Eltern mit ein: Mütter und Väter hämmerten, schraubten und nähten an Kostümen und Bühnenbild. Nach der Aufführung zum Schuljahresende wollte die Truppe nicht aufhören. Die „Musical Kids“ waren damit gegründet und hatten ihre erste Aufführung 2007 im Helms-Saal.

Mittlerweile sind es gut 40 Kinder und Jugendliche, die zum Ensemble gehören. Das reicht beim aktuellen Stück „Anouk“ für zwei Besetzungen. „Am Anfang hatten wir die Regel, dass die Kinder mit 13 ausscheiden sollen“, sagt Heynitz, „aber in dem Alter fangen sie erst an, richtig gut zu werden. Also haben wir die Altersgrenze gekippt. Das heißt aber, dass wir weniger frisches Blut in die Truppe bekommen.“

Neben den Jugendlichen bleiben auch die Eltern weiter aktiv bei der Truppe, einige sogar länger, als ihre Kinder. „Auch unter den Eltern sind erstaunliche Talente“, sagt Uwe Heynitz.“ Unsere Kostüme werden zum Beispiel von Bettina Eichblatt entworfen, der Designerin der Oakleaf-Stelzentruppe und hinter manchem Stück Bühnentechnik steckt hohe Ingenieurskunst“.

Neun große Produktionen und diverse Weihnachtsmärchen haben die „Musical Kids“ bislang auf die Bühne gebracht, allesamt erdacht und komponiert von Uwe Heynitz. Die Stücke werden inzwischen von anderen Jugend-Theatergruppen in ganz Deutschland übernommen. „Das ist für mich nicht nur eine Anerkennung, das ist auch meine Altersabsicherung“, sagt Heynitz verschmitzt.

Die Geschichte des Stücks „Anouk“ beginnt in einer nicht allzu fernen Zukunft in einem Waisenhaus. Das Mädchen Anouk ist enttäuscht von ihren Freunden, seit diese nur noch in ihre Handys starren, chatten oder Computerspiele spielen.

Alles dreht sich nur noch um „Likes“, „Dislikes“ und den eigenen Status, der auf einer stets sichtbaren Screen gezeigt wird. Ein Miteinander findet nicht statt. Was die Kinder nicht wissen: Ihr ganzes „virtuelles“ Leben wird von dem mächtigen Konzern „Oktopus“ gesteuert, dessen bösartige Chefin Chleo nichts Geringeres als die Weltherrschaft anstrebt.

Um Widerstand im Keim zu ersticken, lässt Chleo Anouk vergiften. Anouk muss sich auf die Suche nach einem Gegenmittel machen, wenn sie nicht sterben will. Außerhalb des Waisenhauses löst sich die echte Wirklichkeit bereits auf. Anouk muss spektakuläre Abenteuer bestehen und sich mit fantastischen Wesen auseinandersetzen, um das Meer zu finden, denn nur Meerwasser kann ihr helfen. Sie erhält unerwartete Hilfe...

„Anouk und ihre Reise zum Meer“, Mi. 14., Do.15. Februar, jew. 18 Uhr, Harburger Theater. Dauer inkl. Pause: 2 Std. Eintritt Erw. 13, Kinder 9 Euro. Karten online oder im Phoenix-Center. Wenig freie Plätze, aber dennoch gute Chancen Die Musical Kids führen einmal im Jahr ein großes Stück – wie jetzt Anouk – und einmal im Jahr ein selbst geschriebenes Weihnachtsmärchen auf. Obwohl die Theatergruppe in Vahrendorf gegründet wurde, findet ein Großteil ihrer Proben in Marmstorfer Schulen statt. Als Kirchenmusiker ist „Musical-Kids-Mastermind“ Uwe Heynitz unter anderem auch an der Marmstorfer Kirchengemeinde aktiv.
Neu einsteigen können Kinder zwischen acht und dreizehn Jahren. Allerdings ist die Zahl der frei werdenden Plätze sehr begrenzt. Dennoch findet mindestens einmal im Jahr ein Vorsprechen statt, für das man sich online auf eine Liste setzen lassen muss. Die Liste wird komplett abgearbeitet. Die Internet-Adresse lautet: http://musicalkidshamburg.de/web/mitmachen.html