Winsen

Landkreis will Radler vom Fußweg auf die Straße bringen

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Bernhard Frosdorfer, Sprecher Landkreis Harburg

Bernhard Frosdorfer, Sprecher Landkreis Harburg

Foto: LK Harburg / HA

Verwaltung will Radverkehr fördern und neue Verkehrsregeln durchsetzen. Baumaßnahmen starten in Klecken.

Klecken.  Der Landkreis Harburg plant, Radfahrer verstärkt auf die Fahrbahnen umzuleiten und die Fußwege weitghend den Fußgängern zu überlassen. In Klecken und Eckel startet eine großflächige Initiative zur Schaffung von Radstreifen. Ziel: Den Velo-Verkehr attraktiver zu machen.

Bereits seit einigen Jahren regelt die Straßenverkehrsordnung, dass Rad- und Autofahrer innerhalb geschlossener Ortschaften die Straße gemeinsam nutzen. Nur bei einem bestimmten Verkehrsaufkommen und einer vergleichsweise hohen zulässigen Höchstgeschwindigkeit für Autos darf innerorts noch die Radwegebenutzungspflicht auf ausreichend breiten Bürgersteigen entlang der Straße angeordnet werden. Die Kreisverwaltung setzt diese Vorgaben im Kreisgebiet Schritt für Schritt mit Schildern und Fahrbahnmarkierungen um: Kommende Woche etwa auf der Kreisstraße 12 (Bürgermeister-Glade-Straße) innerhalb Eckels und Kleckens (Gemeinde Rosengarten).

Für viele Verkehrsteilnehmer im Landkreis – ob nun mit dem Auto oder mit dem Fahrrad – sind diese Regelungen neu. Um dafür gleich zu Beginn für Akzeptanz zu werben, weist der Landkreis deshalb auf solche Veränderungen der Verkehrsregeln hin. Bisher nutzen Fußgänger und Radfahrer auf der K12 innerhalb Kleckens und Eckels gemeinsame Fuß- und Radwege. Die entsprechenden Schilder zur Radwegebenutzungspflicht werden kommende Woche entfernt. Radfahrer fahren dann auf der Fahrbahn. Für sie gelten die gleichen Verkehrszeichen wie für den Autoverkehr. Dort wo Radfahrer weiter die Gehwege nutzen dürfen, wird unter den Gehwegschildern der Hinweis „Radfahrer frei“ aufgehängt. „Diese Regelung ist nur in Ausnahmefällen und bei ausreichend breiten Gehwegen zulässig. Fußgänger haben hier grundsätzlich Vorrang. Radfahrer dürfen nur Schrittgeschwindigkeit fahren, wenn gleichzeitig Fußgänger unterwegs sind“, erklärt Kreis-Sprecher Bernhard Frosdorfer. Wenn es keinen Fußgängerverkehr gibt, dürfen Radler nur so schnell fahren, dass sie jederzeit auf Fußgänger reagieren und auch anhalten können.

Die Radwege entlang der K12 außerhalb der beiden Ortschaften bleiben bestehen. Hier müssen Radfahrer auf den Radwegen abseits der Fahrbahn fahren. Auto- und Radfahrer in Eckel und Klecken sind dazu aufgerufen, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Autofahrer sollten besonders darauf achten, dass sie beim Überholen von Radlern ausreichenden Sicherheitsabstand einhalten.

„Ganz besonders wichtig ist die Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr. Deshalb müssen Kinder bis acht Jahren weiterhin auf den Gehwegen entlang der Fahrbahn fahren und dürfen dabei von einer Aufsichtsperson ebenfalls auf dem Gehweg begleitet werden“, so Frosdorfer weiter. Kinder bis zehn Jahre dürfen den Gehweg demnach weiter mit dem Rad nutzen.

Innerhalb der Ortschaften sind die Radwege oft zu schmal

Langjährige Unfalluntersuchungen haben ergeben, dass Radfahrer, die sich auf der Fahrbahn befinden, aufgrund des klaren Sichtkontakts mit dem Autoverkehr besser wahrgenommen werden und ihrerseits den Kfz-Verkehr besser beachten können. Die gemeinsame Nutzung der Fahrbahn durch Autofahrer und Radler innerhalb geschlossener Ortschaften führt nachweislich zu einer höheren Verkehrssicherheit und weniger Unfällen.

Bei Radfahrern ist das Fahren auf Gehwegen entgegen der Fahrtrichtung sogar Unfallursuche Nummer Eins. Zudem sind bestehende Radwege innerhalb der Ortschaften oftmals zu schmal, gerade wenn sie gemeinsam mit Fußgängern benutzt werden sollen. Viele Radfahrer wollen gerade in Zeiten des vermehrten Umstiegs auf das umweltfreundliche Fahrrad – möglicherweise unterstützt durch einen Elektromotor – als gleichwertige Verkehrsteilnehmer behandelt werden. Außerdem sollen Fußgänger Gehwege uneingeschränkt nutzen können. Ziel der in der Straßenverkehrsordnung festgeschriebenen gemeinsamen Nutzung der Straßenfahrbahn durch Autofahrer und Radler ist es, die Eigenverantwortung der Verkehrsteilnehmer zu stärken Rücksichtnahme und Vorsicht zu fördern.

( hpha )

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