Harburg
Ehestorf

Kiekeberg startet Projekt „Königsberger Straße“

Im Freilichtmuseum Kiekeberg entsteht eine Themenstraße zur Nachkriegszeit im ländlichen Raum

Im Freilichtmuseum Kiekeberg entsteht eine Themenstraße zur Nachkriegszeit im ländlichen Raum

Foto: Kiekeberg-Museum / HA

Spatenstich für bedeutendes Vorhaben am Freilichtmuseum ist am 15. Juni. Kosten: sechs Millionen Euro.

Ehestorf.  Ein Großprojekt wird das Freilichtmuseum am Kiekeberg in diesem Jahr besonders beschäftigen: die Königsberger Straße. Der erste Spatenstich für das bundesweit bedeutende Projekt ist am Freitag, 15. Juni. Mit der Königsberger Straße erforscht das Freilichtmuseum die Kulturgeschichte der Nachkriegszeit bis in die späten 1970er-Jahre in der ländlichen Region. Seit zwei Jahren beschäftigt sich das Museum bereits mit dem Projekt.

„In Fachkreisen haben wir für das Projekt hohe Aufmerksamkeit bekommen“, sagte Stefan Zimmermann, Direktor des Freilichtmuseums. Es habe Modellcharakter für viele andere Freilichtmuseen. Zumal Experten prognostizieren, dass der ursprüngliche Baubestand der Nachkriegszeit auf dem Land wegen des zunehmenden Siedlungsdrucks der Großstädte in zwanzig bis dreißig Jahren fast vollständig verschwunden sein werde.

Um dieses Stück Architektur- und Zeitgeschichte zu bewahren, baut das Museum sechs Gebäude auf, die typisch für das Leben in der Nachkriegszeit sind. Dazu gehört eine Tankstelle mit angeschlossener Werkstatt aus den 1960er-Jahren als Symbol für die zunehmende Mobilität in der Zeit. Eine Ladenzeile soll die neue Warenwelt in der Nachkriegszeit zeigen.

Ein Doppelhaus und ein Siedlungshaus, selbst aufgebaut durch Flüchtlinge, Vertriebene und Ausgebombte, soll es ebenso in der Königsberger Straße geben – sie prägen das Erscheinungsbild der Dörfer und Kleinstädte bis heute. Ein Aussiedlerhof macht erkennbar, wie sich das bäuerliche Wirtschaften in der Nachkriegszeit veränderte. Ein Fertighaus soll den steigenden Einfluss der amerikanischen Kultur im Hausbau vergegenwärtigen.

Schon bevor das erste Gebäude der Königsberger Straße steht, bespielt das Freilichtmuseum das Thema. Ein Fluchtwagen von Frauen, die 1945 aus Bessarabien (heute Moldawien und Ukraine) in den Landkreis Harburg geflohen sind, soll ins Museum einziehen. „Mit dieser Geschichte wollen wir Lust auf das Thema machen“, sagte Stefan Zimmermann. Auch die Weihnachtsausstellung, die in diesem Jahr unter dem Titel „Zwischen Trümmern und Träumen“ läuft, legt Fokus auf die Nachkriegszeit.

Lange bevor Stefan Zimmermann den Direktorposten übernahm, hat sein Vorgänger Rolf Wiese das Großprojekt Königsberger Straße eingeführt. Wiese war 30 Jahre lang Direktor und ging am 1. November in den Ruhestand. Klaus-Wilfried Kienert, Stiftungsratsvorsitzender des Museums, gab unumwunden zu, dass man etwas nervös auf den Postenwechsel geschaut hätte. „Das war schon eine einschneidende Sache“, sagt er. „Aber der Übergang ist gelungen und wir haben ein sehr gutes Gefühl.“

Ähnlich optimistisch blickt Landrat Rainer Rempe in die Zukunft und würdigt Wieses Arbeit. „Ohne ihn wäre das Freilichtmuseum nicht das, was es heute ist“, sagt er.

Die Königsberger Straße kostet 6,14 Millionen Euro und wird von Bund, Land, Landkreis und anderen Sponsoren gefördert.