Harburg
Tostedt

Illegale Autorennen – im Parkhaus

Nur der Pfeiler hielt den Audifahrer davon ab, in die Tiefe zu stürzen. Der 18-Jährige fuhr vermutlich mit zu hoher Geschwindigkeit in die oberste Etage des Parkhauses

Nur der Pfeiler hielt den Audifahrer davon ab, in die Tiefe zu stürzen. Der 18-Jährige fuhr vermutlich mit zu hoher Geschwindigkeit in die oberste Etage des Parkhauses

Foto: Polizei / HA

Samtgemeinde Tostedt will Raserei mit Benutzungssatzung verhindern. Schon mehrere 10.000 Euro Schaden.

Tostedt.  Raser haben offenbar das Parkhaus in Tostedt für sich entdeckt. Sie nutzen das Parkhaus nachts zunehmend für illegale Autorennen. Zudem beklagt die Samtgemeinde Tostedt massive Sachbeschädigungen. Wie gefährlich solche Autorennen sein können, machte ein Unfall in der Nacht zu Heiligabend deutlich.

Ein 18-Jähriger fuhr von der mittleren Parketage auf die oberste Ebene und stieß dort frontal gegen den äußeren Parkhauszaun. Nur weil ein Pfeiler den Audi-Q3 aufhielt, stürzte das Fahrzeug nicht hinunter. Die Polizei vermutet, dass der Unfall infolge einer Raserei im Parkhaus geschah.

Die Samtgemeinde Tostedt will deshalb jetzt gegensteuern und eine Benutzungssatzung verabschieden. „Was da im Parkhaus stattfindet, hat mit Spaß nichts mehr zu tun“, sagt Tostedts Samtgemeindebürgermeister Peter Dörsam. „Es gab gezielte Sachbeschädigung.“ So seien Kabel der Beleuchtungsanlage wiederholt durchschnitten worden, um sie lahm zu legen. „Offensichtlich wollen die jungen Erwachsenen es dunkel haben“, sagt Dörsam.

Mehrere Fahrzeuge seien beschädigt, Treppenhäuser mit Fäkalien verschmutzt worden. Selbst Laser-Pointer hätten die jungen Erwachsenen benutzt – offensichtlich, um Nutzer des Parkhauses zu blenden. Es handele sich nicht um Bagatellen und Ordnungswidrigkeiten, sondern ganz deutlich um Straftatbestände, sagt Dörsam.

Das bestätigt auch die Polizei. Autorennen und regelmäßige Sachbeschädigung seien ein zunehmendes Ärgernis im Parkhaus Tostedt, sagt Jan Krüger, Sprecher der Polizei Harburg. „Junge Autofahrer nutzen das oberste Deck des Parkhauses als Treffpunkt, hören laute Musik und probieren waghalsige Manöver.“

Die waghalsigen Touren mit hoher Geschwindigkeit sind inzwischen ein weit verbreitetes Phänomen. Auch in Hamburg. Die Polizei hat im vergangenen Jahr eine eigene Einheit gebildet, – auch um den illegalen Autorennen mit getunten Fahrzeugen etwas entgegen setzen zu können.

Polizei erteilte Autofahrern immer wieder Platzverweise

Im Tostedter Parkhaus waren die waghalsigen Touren bislang so einfach möglich, weil das Parkhaus zu jeder Tages- und Nachtzeit befahrbar ist. Zwar haben die Polizisten in Tostedt den jungen Erwachsenen, üblicherweise im Alter von 18 bis 23 Jahren, immer wieder Platzverweise erteilt. „Um diese aussprechen zu können, brauchen wir aber eine konkrete Annahme einer Gefahr“, sagt Tostedts Polizeichef Hans-Jürgen Scholz.

Wenn beispielsweise erkennbar sei, dass sich die jungen Fahrer für Autorennen verabreden oder planen, Graffiti an die Wände zu sprühen, sei das eine solche Gefahr. „Unsere Möglichkeiten, Platzverweise auszusprechen, sind immer noch begrenzt“, sagt Scholz. Mit einer Benutzungsordnung könnte sich das ändern. „Damit hätten wir eine vernünftige Handhabe, gezielter vorzugehen.“

Mit Hilfe der Satzung dürfen lediglich die Menschen das Parkhaus nutzen, die auch mit der Bahn oder mit dem Bus fahren. Alle anderen sind ausgeschlossen und diesen kann die Polizei auch Platzverweise erteilen. Die Satzung soll im Übrigen nicht nur für das Parkhaus gelten, sondern auch für den Park-and-ride-Parkplatz am Bahnhof. Die neue Benutzungssatzung erlaubt zudem, Videokameras zur Überwachung einzusetzen. Die Kameras sollen das Geschehen im Parkhaus 24 Stunden am Tag aufzeichnen.

Davon verspricht sich die Verwaltung der Samtgemeinde Tostedt, den illegalen Rennen und der Zerstörungswut endlich entgegentreten zu können. Ob es zur Benutzungssatzung mitsamt Videoüberwachung kommt, hängt ganz von der Politik ab. Die Fraktionen des Umwelt-, Bau- und Planungsausschusses kommen am Donnerstag, 25. Januar, 18 Uhr, im Großen Sitzungsraum, Schützenstraße 26 a, in Tostedt zusammen, um über das Thema zu beraten.

Parkhaus kostete 4,3 Millionen Euro

Die Samtgemeinde Tostedt hat das Parkhaus am Bahnhof Ende 2013 eröffnet, um den Pendlern mit genügend Parkplätzen zu versorgen. Insgesamt 150 Fahrzeuge haben in dem Gebäude Platz. Dadurch erhöhte sich die Zahl der Stellplätze in den Park-and-ride-Anlage nördlich und südlich der Gleise auf insgesamt 700 Parkplätze.

Der Bau des Parkhauses kostete insgesamt 4,3 Millionen Euro. Zuschüsse flossen von der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen und dem Förderfonds Hamburg-Niedersachsen der Metropolregion Hamburg.


Tostedt als Samtgemeinde übernahm 1,2 Millionen Euro der Kosten.