Harburg
Oelstorf

Als Treckerkraft die Pferde ersetzte

Dokumentarfilm beschreibt den technischen Wandel am Beispiel von drei Höfen, darunter Hof Dieck in Oelstorf bei Salzhausen

Oelstorf.  „Auf meinem ersten Trecker fühlte ich mich wie ein König. Man saß oben und schaute auf die unten laufenden Menschen herab.“ So beschreibt Hermann Dieck (84) seine Erlebnisse mit dem ersten Traktor, der 1951 auf seinem Heidehof in Oelstorf Einzug hielt. Damals führte noch sein Vater, Peter Hermann Dieck, in zweiter Generation den Betrieb. Dieck ist einer von drei Zeitzeugen, die im Dokumentarfilm „Als der Trecker kam und das Pferd verschwand – norddeutsche Landwirte erinnern sich“ vom technischen Wandel auf den Höfen erzählt.

Über vier Generationen bis zur Gegenwart dokumentierte die Familie Dieck ihre Hofgeschichte – Hermann Dieck erzählt gern darüber, vor allem als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Freilichtmuseums Kiekeberg. Das Archivmaterial des Hofes ist so reichhaltig, dass das Museum daraus eine eigene Sonderausstellung schuf („100 Jahre Landwirtschaft“) und sie von Juli 2016 bis Januar 2017 präsentierte.

„Ich bin regelmäßig im Museum und spreche im Agrarium, im dortigen Büro des Landwirts, mit interessierten Besuchern“, sagt Dieck. Auf diesem Weg kamen die Filmemacher Marion Wilk (Redaktion, Regie) und Ernst Matthiesen (Kamera, Technik) in Kontakt mit Dieck: „Wir haben ihn im Programm des Museums entdeckt“, sagt Matthiesen.

Die Idee, Landwirte von der Zeit erzählen zu lassen, als die Trecker die Pferde von den Höfen verdrängten, sei dem Paar bei einem Treckertreffen in Zeven (Landkreis Rotenburg) gekommen, sagt der Filmemacher. Vor einem Jahr begaben sich Wilk und Matthiesen auf die Suche nach ihren Protagonisten, gedreht wurde dann von Mai bis September 2017. Neben Dieck kommen zwei Landwirte aus Zeven und Ganderkesee zu Wort. Matthiesen: „Es sind drei unterschiedliche Charaktere, damit der Film nicht langweilig wird. Hermann Dieck kann wunderbar erzählen.“

Und das tut er bereitwillig und mit Begeisterung, gerade, wenn es um seinen ersten Trecker geht: „Es war ein Porsche AP17 vom Hersteller Allgaier. Der baute den von Porsche entworfenen Trecker, aber auch Maschinen und Lkw. Der Porsche war aus Leichtmetall gebaut, der Motor luftgekühlt. Zehn Jahre hatten wir ihn, dann war er hin.“

Der Trecker habe ein Pferdegespann ersetzt. Über mehrere Jahrzehnte zogen Max und Moritz Maschinen und Wagen. Es waren natürlich verschiedene Pferde, die aber jeweils den Namen ihres Vorgängers übernahmen. 1951 war Schluss. Max und Moritz wurden abgeschafft, der Dieselmotor des AP17 erzeugte nun stattliche 18 Pferdestärken.

Natürlich waren die ersten Treckergenerationen technisch noch nicht perfekt. So fehlte dem AP17 eine Hebevorrichtung (3-Punkt-Hydraulik), die die Muskelkraft unterstützt, um schwere Geräte hinter dem Trecker einzuhängen. Amerikanische Modelle verfügten bereits über diese Technik. Dieck: „Mein Vater war ein Bastler und hat die Hebevorrichtung vom Dorfschmied nachbauen lassen. Als Vorlage hatte er ein Holzmodell konstruiert.“

Auch beim Fahrkomfort war damals noch Luft nach oben. Während heutige Schlepper mit klimatisierter Fahrerkabine und Bordcomputer ausgestattet sind, hatte der AP17 noch nicht einmal einen Sicherheitsbügel, der den Fahrer schützt, wenn der Trecker umfällt und sich überschlägt. „Sein Sitz war eine eiserne Schale, die wir mit einem Kartoffelsack auslegten“, sagt Dieck. Gut gefedert war das Gefährt auch nicht.

Das alles habe dem Fahrspaß keinen Abbruch getan, so Dieck: „Ich habe viele Stunden auf dem Trecker verbracht. Manchmal haben wir mit ihm eine halbe Nacht durchgearbeitet, das hat uns um die 20 Jahre alten Jungs überhaupt nicht gestört. Viel später hatte ich dann ein kaputtes Kreuz. Und inzwischen zwei Bandscheiben-Operationen hinter mir.“

Der Film blickt vorwiegend in die Vergangenheit bis zum Ende der 1950er Jahre, als die 3-Punkt-Hydraulik auch bei den deutschen Treckern angekommen war. Aber Marion Wilk fragt ihre Gesprächspartner auch nach dem Unterschied der damaligen und heutigen Landwirtschaft – und schlägt damit die Brücke zur Gegenwart.

Hermann Dieck hatte 1964 den Hof übernommen und deutlich ausgebaut. Sein Sohn Ralf-Peter (Jahrgang 1961) folgte 1998. Er arbeitet heute beim Maschinenring Harburg. Ein Großteil der Betriebsfläche ist verpachtet; er bewirtschaftet nur noch elf Hektar Wald.

Der Film (55 Minuten) ist für 19,90 Euro (plus 3 € Versand) über www.mawi-media.de oder unter Telefon 04285/555 16 65 zu bestellenHermann Dieck ist am Sonntag, 18. März, am Modellbautag live im Museum Kiekeberg zu erleben, Am Kiekeberg 1, 21224 Rosengarten-Ehestorf, Eintritt: 9 Euro