Harburg

Chefin über 30-köpfiges Hausmeister-Team

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Angelika Hillmer
Christin Stephan ist die jüngste Vorgesetzte an der TUHH und leitet den Bereich „infrastrukturelles Gebäudemanagement“

Christin Stephan ist die jüngste Vorgesetzte an der TUHH und leitet den Bereich „infrastrukturelles Gebäudemanagement“

Foto: Angelika Hillmer / HA

Christin Stephan ist die jüngste Vorgesetzte an der Technischen Universität und managt deren Gebäude.

Harburg.  Sie ist 27 Jahre alt und managt nicht nur ein Team aus 52 Mitarbeitern, sondern auch alle 17 Gebäude auf dem Campus der Technischen Universität Hamburg in Harburg, dazu angemietete Flächen in sechs weiteren Gebäuden im Binnenhafen und in der Harburger Innenstadt: Vor drei Jahren kam Christin Stephan als studierte „Facility Managerin“ an die TUHH. Zunächst als stellvertretende Leiterin eines Bereichs, der dafür sorgt, dass die TU-Gebäude möglichst effizient genutzt werden. Etwas später übernahm sie die Führungsposition und wurde zur jüngsten Vorgesetzten der TUHH. „Ich mag an meiner Arbeit einfach alles“, sagt die junge Frau und lächelt.

Aufgewachsen ist Christin Stephan bei Stendal (Sachsen-Anhalt). „Eigentlich wollte ich Zahnärztin werden. Aber schon das Praktikum habe ich nicht geschafft – ich merkte, dass ich kein Blut sehen kann.“ Eine Freundin, die, wie sie, beim Karnevalsverein ihres Heimatortes Osterburg tanzte, brachte sie auf die Schiene des technisch-kaufmännischen Berufs der Gebäudemanagerin.

Stephan: „Sie studierte Facility Management an der Hochschule Anhalt in Dessau-Roßlau und erzählte mir davon. Ich fand es interessant, Gebäude von ihrer Entstehung über die Bewirtschaftung bis zum Abriss zu begleiten und dafür zu sorgen, dass alle Lebensphasen möglichst effizient gestaltet werden.“ So begann auch sie das Studium in Dessau.

Nach dem Bachelor-Abschluss zog sie zu ihrem damaligen Partner nach Hamburg, fand einen befristeten Job bei einer Tochterfirma des Bauunternehmens Otto Wulff. Die Liebe zerbrach. Die Liebe zu Hamburg blieb. 2014 bewarb sich Stephan auf eine Stellenausschreibung der TUHH. „Ich hatte wenig Hoffnung, die Stelle zu bekommen, schließlich hatte ich nur wenig Berufserfahrung“, erzählt sie. Sie bekam sie.

Nach dem zweiten Arbeitsmonat erkrankte ihr Vorgesetzter. Als seine Stellvertreterin leitete Stephan das TU-Sachgebiet „Infrastrukturelles Gebäudemanagement“ zunächst kommissarisch. Irgendwann war klar, dass der Chef nicht zurückkehrt, und Christin Stephan übernahm offiziell das Ruder – ein Sprung ins kalte Wasser. Den Kern ihres Teams bilden 23 Hausmeister und sieben Hausmeisterinnen. Die hatten offenbar wenig Probleme mit ihrer jungen Chefin. „Ich habe viel gefragt und mich von meinen Mitarbeitern auch an die Hand nehmen lassen, denn ich kannte die TU ja noch gar nicht richtig“, sagt Christin Stephan.

Sie kommuniziere sehr offen, rede viel mit den Kollegen, um frühzeitig zu erfahren, wenn es an irgendeiner Stelle einmal hakt. Potenziale dafür gibt es genug, schließlich ist das Arbeitsfeld umfangreich. Dazu gehören die Auftragsvergabe an Dienstleister für die Gebäudereinigung, für Malerarbeiten, Fuß­-boden­reparaturen, die Wartung der elektrischen Türen, die Gehölzpflege im Außenbereich oder der nächtliche Wachdienst.

Wenn die Heizung ausfällt, sei dies ein Fall für den Technischen Dienst der TU und nicht für ihren Bereich, stellt die Gebäudemanagerin klar. Doch haben auch sie und ihre Mitarbeiter ständig Störungen zu beheben.

„Wir beseitigen Sturmschäden und verstopfte Regenrinnen, kümmern uns um verlorene Schlüssel und klemmende Türen, reparieren Schäden an den Gebäuden oder im Bereich der Außenanlagen“, so Stephan. Vandalismus komme zum Glück selten vor.

Eine der wichtigsten Aufgaben der Gebäudebetreuer ist das Flächenmanagement. Stephan: „Wir entscheiden, wo welche Abteilung untergebracht ist. Wenn neue Arbeitsplätze benötigt werden, dann schauen wir, dass die Wege etwa zu Laboratorien oder Partnerinstituten möglichst kurz werden.“ Obwohl die TUHH erst vor knapp drei Jahren den Ostflügel ihres Hauptgebäudes an der Schwarzenbergstraße eingeweiht hat, kann Stephan den Raumbedarf der weiter wachsenden Universität kaum decken. Deshalb müssen die knappen Flächen optimal genutzt werden.

Zum Team gehören Boten, Umzugshelfer, Postverteiler

Das Gebäudemanagement sorgt auch für die Möblierung der Hochschule. Und zum Team gehören weiterhin Boten sowie Servicekräfte für Umzüge und sonstige Transporte, für die Verkehrssicherung der (bald gebührenpflichtigen) Parkplätze. Dazu der Empfang und die Poststelle, ein Kopierservice und ein Archivdienst für den Präsidialbereich.

Das 30-köpfige Hausmeisterteam der TUHH arbeitet in zwei Schichten bis spät in den Abend. Nachts übernimmt der beauftragte Sicherheitsdienst. Christin Stephan hat Gleitzeit und nimmt diese gern in Anspruch, wenn sie mehrmals im Monat in ihre rund 200 Kilometer entfernte Heimat, die Altmark, fährt. Denn dort, in Osterburg, wohnt nicht nur ihre Familie, sondern im benachbarten Stendal auch ihr Lebenspartner, den sie im August geheiratet hat.

„Philipp ist Verpackungsmittelmechaniker und hatte in Hamburg nur einen befristeten Job gefunden. Wir suchten danach ein halbes Jahr lang für ihn eine neue Stelle, hatten aber in Hamburg keinen Erfolg. Deshalb ging er zurück nach Stendal, zu seinem alten Arbeitgeber.“

„Natürlich möchten wir, dass er wieder nach Hamburg kommt. Aber er soll den Job ausüben, den er gern macht“, sagt die verständnisvolle Ehefrau. Und genau das wünscht sich die Führungskraft auch für ihre Mitarbeiter an der TUHH.

TUHH in Zahlen

7620 Studenten besuchen die TUHH (Stand 2016). Der Frauenanteil beträgt 26 Prozent. Knapp 20 Prozent der Studierenden kommen aus dem Ausland. 92 Professoren forschen und lehren an der TUHH. Sie werden unterstützt von gut 600 wissenschaftlichen Mitarbeitern.

Der Gesamtetat der Hochschule beträgt rund 123 Millionen Euro. Der Betriebszuschuss der Stadt macht fast 70 Millionen Euro aus. Der zweite große Posten sind 42 Millionen Euro aus Drittmitteln (meist Forschungskooperationen mit der Industrie).

1978 wurde die TUHH gegründet. Sie feiert in diesem Jahr also ihr 40-jähriges Bestehen.

Gebäudedaten

7 Gebäude bilden den Campus der Technischen Universität an der Schwarzenberg-, Denicke- und Eißendorfer Straße. In weiteren sechs Gebäuden hat die TUHH Flächen angemietet, etwa am Schloßmühlendamm und an der Harburger Schloßstraße.

Die Nutzfläche, über die die TUHH verfügt, liegt knapp unter 120.000 Quadratmeter. Die Grundstücksfläche beträgt gut 89.506 Quadratmeter.

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