Harburg
Familie obdachlos

Welle der Hilfsbereitschaft nach Feuer in Tostedt

Stefanie Hansen und Conny Peters mit ihrem Sohn Leander (2) vor einem Kofferraum voller Spenden für die Familie

Stefanie Hansen und Conny Peters mit ihrem Sohn Leander (2) vor einem Kofferraum voller Spenden für die Familie

Foto: JOTO

Alleinerziehende Mutter, Großmutter und drei Kinder sind obdachlos. Freunde und Fremde spenden Zeit und Güter.

Tostedt.  Im Minutentakt klingelte am Sonntagnachmittag das Telefon bei Stefanie Hansen. Immer wieder meldeten sich Tostedter per WhatsApp oder Anruf bei ihr. Sie wollten der fünfköpfigen Familie Lau helfen, die am Sonntagmorgen ihr Wohnhaus bei einem Feuer verloren hat (wir berichteten). Stefanie Hansen ist eine gute Freundin von Christiane Lau (43), sie kennen sich schon seit Jahren. Die alleinerziehende Christiane Lau lebte zusammen mit ihren Kindern Torben (17), Jonatan (13) und Lennart (9) sowie ihrer Mutter Lilian (70) in dem Einfamilienhaus in der Schützenstraße.

Es war 5.15 Uhr am Sonntagmorgen, als Torben wach wurde, weil ein Sofa in seinem Dachgeschosszimmer in Flammen stand. Ein Versuch, das Feuer zu löschen, scheiterte. Das Feuer breitete sich aus. In letzter Minute konnten sich die vier Anwesenden – Jonatan hatte in der Nacht bei seinem Vater übernachtet – aus dem Haus retten. Bekleidet waren sie nur mit ihren Schlafsachen. Christiane Lau stand mit ihrer Mutter fassungslos am Straßenrand, als erste Feuerwehrleute Minuten später eintrafen. Sie starrte auf ihr Wohnhaus, aus dessen Dach die Flammen schlugen. Ein Polizist fragte: “Wie viele Menschen leben in dem Haus? Sind alle draußen?” Ja, alle hatten es fast unverletzt nach draußen geschafft.

Vorsorglich werden alle ins Krankenhaus gebracht. Obwohl die Feuerwehrleute schnell gegen die Flammen kämpften, wird das Wohnhaus fast vollständig zerstört. Dinge, die von den Flammen verschont blieben, rafft das Löschwasser dahin. Oder der beißende Rauch macht sie unbenutzbar. Nach zwei Stunden meldet der Einsatzleiter: „Feuer Aus“.

In der Zwischenzeit kommen Stefanie Hansen und Conny Peters an den Einsatzort. Sie hatten von Bekannten gehört, dass es bei ihrer Freundin brennen sollte. Für Stefanie steht sofort fest: „Wir müssen Christiane helfen.“ Dann startet eine Hilfsaktion, mit deren Größe und Erfolg am Anfang keiner rechnet.

Sonntagfrüh um 9.11 Uhr schreibt Conny Peters in eine WhatsApp-Gruppe, in der sie zusammen mit Christiane, Stefanie und sechs weiteren Freundinnen ist. Sie schreibt, was geschehen ist, dass Hilfe benötigt werde.

„Um 10.35 Uhr hatten wir eine Dreizimmerwohnung organisiert“, sagt Stefanie. Immer mehr Tostedter hören oder lesen via Facebook, WhatsApp und Freunde und Anrufe von der Hilfsaktion. Bei Stefanie Hansen werden erste Kleidungsstücke, Möbel, Zahnbürsten und vieles mehr gesammelt. „Es wurde und wird schließlich alles benötigt. Sie haben ja nichts mehr“, sagt Stefanie. Sie organisiert, dass die Spenden in die Notwohnung kommen. Helfer bauen dort in der Zwischenzeit die ersten Betten auf. Um 17 Uhr ist die zunächst leere Wohnung so eingerichtet, dass Familie Lau die kommenden Tage dort verbringen kann.

Zwei Dutzend Tostedter hatten ihren freien Sonntag dafür eingesetzt, alles Nötige für Christiane, ihre Kinder und ihre Mutter zu besorgen.

Am Sonntagnachmittag kann Familie Lau das Krankenhaus verlassen. Nach der ersten kurzen Nacht in der Übergangswohnung beginnen am Montag für Christiane Lau die ersten Termine. Eine ausführliche Aussage bei der Polizei muss gemacht, neue Personalausweise beantragt werden. Gespräche mit der Versicherung und dem Vermieter folgen.

Für die Kinder steht die Schule an. Auch um etwas Normalität in der Krisensituation zu schaffen. Christiane Lau zeigt sich froh und gerührt über die Hilfsbereitschaft.

Als nächster Schritt steht nun die Suche nach einer geeigneteren Wohnung an. Die Übergangswohnung ist nur für drei Wochen frei. Außerdem ist die steile Treppe für die 70-jährige Lilian beschwerlich.