Harburg
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Grüne: Mehr S-Bahn-Waggons, wenig Verbesserung

Große  Enge in der S-Bahn von

Große Enge in der S-Bahn von

Foto: Lars Hansen

Bezirksfraktion kritisiert Planung der Verkehrsbehörde als unzureichend und fordert, die dritte S-Bahn-Linie weiterhin zu planen.

Harburg.  Die Fraktion der Grünen in der Bezirksversammlung Harburg fordern eine zügigere und umfangreichere Erweiterung der S-Bahn-Kapazitäten im Hamburger Süden, als die Wirtschafts-und Verkehrsbehörde derzeit plant. Die Zeit für Entscheidungen dränge, mahnt die Fraktionsvorsitzende Britta Hermann, denn obwohl der S-Bahn-Verkehrsvertrag relativ jung sei, liefen nach Angaben der Grünen bereits im Herbst dieses Jahres die ersten Bestelloptionen für weitere S-Bahn-Fahrzeuge aus.

Anlässlich der Abendblatt-Berichterstattung, dass die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) die Verstärkerlinie S 32 trotz anderslautender öffentlicher Zusagen in der Vergangenheit nicht mehr bis Harburg plant, hatten die Harburger Grünen eine schriftliche Anfrage zur Kapazitätserweiterung der S-Bahn an die BWVI gestellt.

„Die Antwort der BWVI bestätigt den stark wachsenden Bedarf für neue Kapazitäten der S-Bahn zwischen Hamburg-Hauptbahnhof und Harburg“, sagt Britta Hermann, kritisiert aber, dass die Behörde nur mit sehr vagen Prognosen aufwartet.

Eine konkrete Vorausberechnung für den Streckenabschnitt Hauptbahnhof-Harburg will die BWVI zwar im laufenden Jahr an einem Verkehrsmodell erstellen. Bis dahin geht die BWVI allerdings von einer groben, netzweiten Langfristberechnung aus, die sie auf die Streckenabschnitte umlegt. In diesem Modell werden für das Jahr 2025 14 und für das Jahr 2030 23 Prozent mehr Fahrgäste als 2016 erwartet.

„Diese Annahmen sind aber deutlich zu niedrig“, kritisiert Hermann. „Die S-Bahn lag 2016 bei einem Wachstum von 3,6 Prozent im Vergleich mit 2015. Bei dieser Wachstumsrate würden die prognostizierten Zahlen für 2025 bereits 2020 oder 2021 erreicht. Hinzu kommt, dass die Bevölkerungsentwicklung im Hamburger Süden unter anderem durch neue Wohnquartiere mit guter S-Bahn-Anbindung in Wilhelmsburg, Neugraben und Fischbek sehr dynamisch ist und der Zuwachs auf der S 3 eher über dem Durchschnitt liegen wird.“

Die 2019 vorgesehene Kapazitätserhöhung durch zusätzliche Waggons um 20 Prozent in den Hauptverkehrszeiten würde deshalb nicht über das Jahr 2020 hinaus reichen, so Hermann: „Die Überlastung wird lediglich auf dem derzeitigen Niveau stabilisiert!“

Für die Verkehrwende im Hamburger Süden sei eine zusätzliche S-Bahn-Linie S 32 zwingend erforderlich, sagt Britta Hermann. Deshalb solle die im Verkehrsvertrag mit der S-Bahn enthaltene Option auf Anschaffung weiterer Fahrzeuge sollte auf jeden Fall vor dem Auslaufen am 30. September gezogen werden. „Eine gute Verkehrsinfrastruktur muss rechtzeitig und mit realistischen Annahmen geplant werden.“

Die Bezirks-Grünen sind mit ihrer Forderung nicht allein. So setzt sich auch der Harburger SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Sören Schumacher für die S 32 ein. „Die Bürgerschaftsmehrheit will die S 32 auch auf dem Harburger Ast des S-Bahn-Netzes. Das ist immerhin der am meisten belastete Teil des gesamten HVV-Netzes“, sagt er.

„Darum haben die Abgeordneten von SPD und Grünen auch im Herbst den Ausbau der Weichen und Signale auf dieser Strecke beschlossen. Das ist die Infrastrukturvoraussetzung für eine dritte Linie. Selbstverständlich wollen wir dann auch, dass die BWVI die Züge bestellt! Ich finde es aber schön, dass die Harburger Grünen in diesem Punkt einer Meinung mit ihren Hamburger Parteifreunden sind .“