Harburg
Winsen/Buchholz

Kreis hilft den Opfern häuslicher Gewalt

Kreisrätin Monika Scherf: „Hilfe,  Beratung und Unterstützung von Frauen, die mit Gewalt bedroht werden, stehen im Landkreis außer Frage“

Kreisrätin Monika Scherf: „Hilfe, Beratung und Unterstützung von Frauen, die mit Gewalt bedroht werden, stehen im Landkreis außer Frage“

Foto: Rolf Zamponi / HA

Gleichstellungsbeauftragte und Verein fordern Beratungsstelle für Frauen. Land stockt Förderung auf.

Winsen/Buchholz.  Für den Schutz von Frauen vor Gewalt soll im Landkreis Harburg mehr getan werden. Dafür setzen sich die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten und der Verein Gewalt überwinden ein. „Wir sind im Kreis nicht angemessen aufgestellt. Deshalb fordern wir eine Mädchen- und Frauenberatungsstelle für Opfer von körperlicher und/oder sexueller Gewalt“, schreibt Andrea Schrag, die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, in einer Bilanz für 2017.

Während der 16-tägigen Kampagnen gegen Gewalt an Frauen 2016 und im vergangenen Herbst hatten sich Veranstalter und beteiligte Experten zu Fachgesprächen getroffen und dabei über weitere Angebote diskutiert, die über Frauenhaus und die Beratungsstelle und Interventionsstelle (BISS) für Opfer häuslicher Gewalt hinausgehen. Als Ergebnis kristallisierte sich die Forderung nach der neuen Beratungsstelle für den Landkreis heraus.

Neue Beratungsstelle könnte mehr Hilfe leisten

Hintergrund: Bei der BISS-Beratung geht es in erster Linie um eine Soforthilfe. „Wir erhalten die Meldungen von der Polizei und können dann eingreifen und helfen“, sagte Dörthe Heien, die für die BISS arbeitet. Die Einrichtung in Buchholz wird von den Kirchenkreisen Winsen und Hittfeld getragen und vom im Mai 2004 in Buchholz gegründeten Verein „Gewalt überwinden“ unterstützt. Dort gehört Heien auch dem Vorstand an.

Mit einer neuen Beratungsstelle jedoch könnte nun den betroffenen Frauen auch über die ersten Tage nach dem Übergriff geholfen werden. „Andere Landkreise bieten eine größere Bandbreite“, sagt Heien. Dabei geht es darum, die Mädchen und Frauen längerfristig zu betreuen und sie bei Behördengängen oder bei Terminen im Jobcenter, vor Gericht oder bei der Wohnungssuche zu begleiten.

Eine solche Beratungsstelle gibt es seit 2007 in Lüneburg. Sie geht auf den 1979 gegründeten Verein „Frauen helfen Frauen“ und dessen Autonomes Frauenhaus zurück. Im Jahr 1986 stieg das Land Niedersachsen mit den Richtlinien zur Förderung von Frauenhäusern in die Finanzierung ein.

Verein unterhält drei Projekte

In den folgenden Jahren entstanden weitere Projekte unter der Trägerschaft des Vereins. So gründeten die Frauenhäuser Lüneburg, Uelzen und Lüchow 2002 die BISS als Modellprojekt. Heute ist der Verein eine feste Institution. Mit dem „Runden Tisch gegen Gewalt in der Familie“ ist die BISS Teil eines Lüneburger Netzwerks.

Die Beratungsstelle des Vereins wurde 2007, erstmals durch Landesmittel finanziert, zu einem eigenständigen Projekt. Es trägt in Lüneburg den Namen FiF (Frauen informieren Frauen). Seitdem unterhält der Verein die drei Projekte Frauenhaus, Frauenberatungsstelle und BISS- Beratungsstelle.

Eine solche Beratungsstelle soll nun möglichst auch für den Landkreis Harburg eingerichtet werden. „Wir gehen davon aus, dass dort eine volle Stelle notwendig wäre“, sagt Heien. Aufgrund der Ausdehnung des Landkreises wäre auch eine zweite Stelle gut. „Damit könnten wir Frauen entgegenkommen, die wenig mobil sind.“

Maßnahmen können gefördert werden

„Hilfe, Beratung und Unterstützung von Frauen, die mit Gewalt bedroht werden, stehen im Landkreis Harburg außer Frage“, sagte Kreisrätin Monika Scherf dem Abendblatt. Ihr Vorschlag: „Die Gleichstellungsbeauftragten, der Verein und weitere Interessierte können ein Konzept entwickeln, aus dem hervorgeht, welche Leistungen vor Ort fehlen. Wenn das der Fall sein sollte, müsste überlegt werden, ob sie an vorhandene Angebote angedockt werden könnten.“

Auf Hilfe des Landes kann der Landkreis in jedem Fall setzen. Denn seit Juli gilt rückwirkend zum 1. Januar 2017 eine neue Richtlinie, nach der Maßnahmen für von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen gefördert werden.

Die Summe, die landesweit 2016 noch bei 5,9 Millionen Euro lag, stieg für 2017 und 2018 auf 8,65 Millionen Euro. „Die Förderung gilt grundsätzlich bis Ende 2021“, sagte die stellvertretende Pressesprecherin des Sozialministeriums, Naila Eid, dem Abendblatt. Dem Land ist das Thema ernst. „In den Koalitionsvereinbarungen ist vorgesehen“, versichert Eid, „die Hilfe weiter auszubauen.“

Schutz für Frauen boten früher die Klöster

Ein Frauenhaus ist eine soziale Einrichtung, die Frauen und ihren Kindern im Falle von häuslicher Gewalt Hilfe, Beratung und vorübergehend eine geschützte Unterkunft bietet.

Die Bundesregierung hat im September 2013 erstmals einen Bericht auch zur Situation der Frauenhäuser vorgelegt. Ergebnis: Für drei Viertel der Frauen hatte sich ihre Lage nach der Beratung verbessert.

Schutzräume für Frauen gibt es bereits seit Jahrhunderten. In Europa nahmen vor allem Klöster diese Aufgabe wahr. In Japan sind die „Fluchttempel“ (Kakekomi-dera) für Frauen bekannt.