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Groß-Sand-Chefchirurg auf Mission in Paraguay

Dr. Wolfgang Reinpold mit einem der operierten Patienten

Dr. Wolfgang Reinpold mit einem der operierten Patienten

Foto: Ole Reinpold / HA

Dr. Wolfgang Reinpold operierte ehrenamtlich Hunderte Patienten mit Leisten- und Bauchwandbrüchen.

Wilhelmsburg.  „Operieren, operieren, operieren“: Arbeitsreiche Tage hat Dr. Wolfgang Reinpold, Chefarzt der Chirurgie im Krankenhaus Groß-Sand, bei seiner kürzlich abgeschlossenen „Hernienmission“ verlebt. Im November verbrachte er bis zu zwölf Stunden am Tag in paraguayischen OPs, um bedürftige Patienten mit Leisten- und Bauchwandbrüchen zu versorgen.

Fragt man Dr. Reinpold nach dem typischen Tagesablauf auf seinen Hernienmissionen, muss er nicht lange überlegen: „Operieren!“ Ziel der Mission waren zwei Kliniken im südamerikanischen Paraguay. Insgesamt hat der Wilhelmsburger Chefarzt gemeinsam mit drei weiteren Chirurgen rund 100 Leisten- und Bauchwandbrüche operiert. „Der Ansturm der Patienten war groß und viele OPs aufgrund komplizierter Brüche sehr zeitaufwendig. Zwölf Stunden im OP waren also keine Seltenheit“, so Dr.

Reinpold. 2017 eine Besonderheit: In der ländlichen Region um Santa Rosa wurden Betroffene unter anderem über den lokalen Radiosender aufgerufen, sich ins Krankenhaus zu begeben, um ihre Brüche professionell und kostenlos versorgen zu lassen. Die Nachricht kam an – teils auch weit entfernt.

So hatte ein Mann einen Weg von mehr als 150 Kilometern auf sich genommen. Der Patient hatte einen doppelseitigen Leistenbruch – und das schon viele Jahre. Er hatte starke Schmerzen, die ihn vor allem bei der Arbeit auf dem Feld beeinträchtigten.

„Kein Einzelfall“, sagt Dr. Reinpold, der bereits auf Erfahrungen von elf Hernienmissionen blickt. „Ich habe es nicht selten erlebt, dass Existenzen ganzer Familien auf dem Spiel standen, weil der Vater – oft der Alleinverdiener – aufgrund einer Hernie arbeitsunfähig geworden war.“

Neben der Soforthilfe ist die Ausbildung der Kollegen vor Ort ein wichtiges Ziel der Hernienmissionen. „Leisten- und Bauchwandbrüche gehören in die Hände von Spezialisten“, sagt Dr. Reinpold, der auch Präsident der Deutschen Herniengesellschaf ist. Bei jeder Operation stand daher mindestens ein einheimischer Mediziner mit am OP-Tisch.

Doch könnte man nicht mehr Menschen helfen, wenn man während des Eingriffs nicht alles erklären müsste? „Vielleicht“, sagt Dr. Reinpold. „Aber es geht uns um die langfristige Verbesserung der Versorgung vor Ort.“ Umso erfreulicher: Zwei paraguayische Chirurgen, die im vergangenen Jahr ausgebildet worden waren, gehörten 2017 zum Experten-Team.

Kaum aus Paraguay zurück freut sich Dr. Reinpold schon jetzt auf die nächste Reise. Statt in den OP führt diese sehr wahrscheinlich in einen Hörsaal. Der Wilhelmsburger ist zum Gastprofessor der Universität von Asuncion ernannt worden, wo er künftig regelmäßig Vorlesungen halten wird.