Harburg
Berufsausbildung

Winsen soll Erzieher ausbilden

Erzieherinnen sind gesucht. Deshalb will jetzt der Landkreis Harburg mit einer zweiten Fachschule dem Personalmangel entgegentreten

Erzieherinnen sind gesucht. Deshalb will jetzt der Landkreis Harburg mit einer zweiten Fachschule dem Personalmangel entgegentreten

Foto: Roland Magunia / HA

Der Landkreis fordert eine zweite Fachschule für Sozialpädagogik schon im Herbst nächsten Jahres.

Winsen.  Wenn Städte und Gemeinden im Landkreis ihr Angebot an Kitaplätzen erweitern wollen, stoßen sie immer wieder auf das gleiche Problem: Es mangelt an geeignetem Fachpersonal. Gute, zuverlässige Erzieher zu finden, ist landauf, landab inzwischen ein schwieriges Unterfangen. Und der erweiterte Rechtsanspruch auf Betreuungsplätze wird die Situation absehbar zusätzlich verschärfen. Deshalb sollen die Berufsbildenden Schulen (BBS) in Winsen schon zum kommenden Schuljahr eine Fachschule für Sozialpädagogik gründen.

Dringenden Bedarf an Erziehern signalisierte jüngst erst die Samtgemeinde Hollenstedt. Bis Ende 2019 sollen dort je vier neue Gruppen im Krippen- sowie im Elementarbereich eingerichtet werden. Dazu bedarf es laut Personalplanung 16 Erzieher und vier Sozialpädagogischer Assistenten. Doch der Markt ist de facto leergefegt.

Ein Dilemma, das auch die Landkreisverwaltung bereits seit Längerem beschäftigt. „Es besteht gerade bei Erziehern ein signifikanter Fachkräftemangel, dem dringend begegnet werden muss“, so Friedrich Goldschmidt, Leiter des Fachbereichs Ordnung. Aus diesem Grund habe der Landkreis die BBS Winsen gebeten, bereits zum Schuljahr 2018/2019 eine Fachschule Sozialpädagogik einzuführen.

Den notwendigen Antrag bei der regionalen Landesschulbehörde in Lüneburg hat Schulleiter Thomas Degen am 27. September gestellt. Mit Schreiben vom 9. Oktober hat die Behörde die Gründung der Fachschule bereits befürwortet. Ein weiterer Beleg dafür, wie gravierend das Problem des Erziehermangels heute schon ist.

Degen sieht derweil keine größeren Hürden, den Start der Fachschule unter dem Dach der BBS Winsen schon im Herbst kommenden Jahres zu ermöglichen: „Wir verfügen sowohl über die räumlichen Kapazitäten, als auch die personellen Kompetenzen.“ Und die geforderte Zahl von 22 Schülern für den ersten Jahrgang bereite ihm ebenfalls keine Sorgen.

In diesem Jahr haben in Winsen 46 Schüler ihre Ausbildung zum Sozialpädagogischen Assistenten abgeschlossen, die dort seit 2015 angeboten wird. 27 haben sich entschlossen, ihre Qualifikation zum Erzieher fortzusetzen. Dafür mussten sie jedoch an Fachschulen wechseln, unter anderem in Buchholz (8), Lüneburg und Hamburg (je 7), Uelzen, Mölln oder sogar ins hessische Kassel.

„Sicher hätten viele von ihnen ihre Ausbildung auch gern in Winsen fortgesetzt, da die Pendelei eine erhebliche Belastung darstellt“, sagt Degen. So seien ihm mindestens zwei Schülerinnen bekannt, die sich insgesamt fünf Stunden Fahrzeit nach Buchholz und retour mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf Dauer nicht zumuten wollten. Weitere acht Sozialpädagogische Assistenten aus Winsen und Umgebung würden ihre Ausbildung auch gern fortsetzen, scheuen aber die weiten Wege.

Alternative Fortbewegungsmittel wie ein eigenes Auto können sich viele Azubis unterdessen kaum leisten, da die bislang rein schulische Ausbildung nicht vergütet wird. Deshalb scheidet zumeist auch ein Wohnortwechsel aus. Weil gerade in Buchholz Wohnraum ohne eigenes Einkommen unbezahlbar wäre.

„Insofern ist es sicher richtig, nun auch in Winsen eine Fachschule Sozialpädagogik anzubieten. Es bleibt aber die Frage, ob nicht auch andere Wege beschritten werden müssen, als sich letztlich nur auf die Aufrüstung von Ausbildungsstandorten zu verlassen“, sagte Degen dem Abendblatt. Zumal den Berufsschulen so die Chance zu einer imagebildenden Schwerpunktsetzung genommen werde.

Der Leiter der BBS Winsen plädiert für die Einführung des Systems der dualen Berufsausbildung auch im Fachbereich Sozialpädagogik. Auf der einen Seite könnten die Schüler so bereits in ihren Ausbildungsbetrieben praktische Erfahrungen sammeln. Auf der anderen Seite könnten die Arbeitgeber über Leasingfahrzeuge und die Ausbildungsvergütung das Mobilitätsproblem der Azubis lösen.

Notwendig sei es überdies, das gesamte Ausbildungsprogramm für Erzieher auf den Prüfstand zu stellen. Vier Jahre dauert die hoch komplexe Ausbildung, so lange wie in keinem anderen Fachbereich. In der Regel sind es zwischen drei und dreieinhalb Jahren. „Wenn wir schneller mehr Erzieher in den Kitas haben wollen, dann sind auch hier neue Überlegungen gefordert“, ist Thomas Degen überzeugt.