Harburg
Flüchtlinge

In Sinstorf eröffnet neue Unterkunft

Kinder der benachbarten Grundschule tanzten mit den neu angekommenen Kindern

Kinder der benachbarten Grundschule tanzten mit den neu angekommenen Kindern

Foto: Lars Hansen / xl

Flüchtlingsfamilien werden am Kirchweg auch von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern unterstützt

Sinstorf.  Es war einer dieser Termine, die man Thomas Völsch noch gegönnt hätte: Mit einigen Monaten Verzögerung wurde am Sonnabend in der Unterkunft Sinstorfer Kirchweg Willkommensfest gefeiert. Die Einrichtung gehörte in ihrer Planungsphase zu den meist umstrittenen im Bezirk – nicht, weil sie anders oder größer ist als andere, sondern weil sich hier ein Teil der Anwohner besonders vehement sperrte. In einem langen Dialogprozess, den Völsch als Bezirksamtsleiter gestaltete und begleitete, war es gelungen, die Zustimmung fast aller Anwohner in einem Bürgervertrag zu sichern.

Die Verzögerung hatte aber andere Gründe: Genehmigungen und Bauarbeiten waren im Plan – bis kurz vor der geplanten Belegung im Frühjahr. Dann ergaben sich Probleme mit den Wasserleitungen. Es dauerte bis zum Herbst, sie zu lösen. Anfang Oktober zogen die ersten Bewohner in die Unterkunft. Mittlerweile ist sie voll belegt: „Wir haben hier 283 Bewohner“, sagt Matthias Schulze, der Teamleiter der Einrichtung, „die meisten von ihnen aus Syrien, Afghanistan und Eritrea. 80 Prozent von ihnen sind als Familien hier untergekommen.“

Schulze ist bereits der zweite Unterkunftsleiter am Sinstorfer Kirchweg. Josephine Strohmeyer, die seit dem Frühjahr hier war, die letzten Bauarbeiten begleitete und die ersten Bewohner begrüßte, geht aus privaten Gründen nach Uruguay. Die Leitungsübergabe fand bereits am Donnerstag statt.

Schulzes Team besteht aus zwei Sozialarbeiterinnen und zwei technischen Mitarbeitern. Däumchen gedreht haben sie in der Zeit bis zur Eröffnung nicht: „Wir haben diese Monate genutzt, uns noch besser vorzubereiten“, sagt Schulze.

Neben den hauptamtlichen Mitarbeitern kann sich Matthias Schulze auch auf die ehrenamtliche Mithilfe zahlreicher Sinstorferinnen und Sinstorfer verlassen. Der Initiative „Sinstorf hilft“ gehören mittlerweile gut 70 Nachbarn der Unterkunft an. „Wir haben verschiedene Arbeitsgruppen gebildet, die auch schon mit der bestehenden Unterkunft an der Winsener Straße zusammenarbeiten“, sagt Christoph de Vries, einer der Sprecher.

So ist die Fahrradwerkstatt von „Sinstorf hilft“ bereits in den Kellerräumen an der Winsener Straße aktiv. Jeden Mittwoch ab 18 Uhr wird hier an defekten Rädern geschraubt oder werden gespendete Fahrräder so aufgearbeitet, dass sie an Bedürftige weitergegeben werden können.

Eine andere Gruppe kümmert sich unterstützend um die Deutschkenntnisse der Geflüchteten. Die meisten von ihnen sind entweder als politisch oder als humanitär asylberechtigt anerkannt. Damit sind die Erwachsenen ohnehin zu einem Integrationskurs verpflichtet, oder haben ihn bereits abgeschlossen. „Mit den Erwachsenen vertiefen wir die Kenntnisse aus dem Kurs in Konversationsgruppen“, sagt Silke Lehmbeck, von der Deutschgruppe der Initiative. „Mit den Kindern machen wir Deutsch-Nachhilfe. Die, die als kleine Kinder hier ankommen, lernen im Kindergarten auf ganz natürliche Weise deutsch. Aber die, die schon etwas älter sind und gerade frisch ankommen, brauchen noch etwas mehr Unterstützung.“

Zweimal pro Woche finden diese Kurse statt. Darüber hinaus wird alle zwei Wochen ein internationales Café veranstaltet. Die Pfadfinder der Sinstorfer Kirchengemeinde haben sich angeboten, mit den Kindern der Geflüchteten etwas zu unternehmen. Gesucht werden noch Helfer für die so genannte „Lotsengruppe“, die den Unterkunftsbewohnern bei Behördengängen hilft.

„Viel von diesem Bürgerengagement haben wir auch dem Einsatz von Thomas Völsch zu verdanken“, sagt Beate Schmid-Janssen, Regionalleiterin Süd beim Unterkunftsträger „Fördern und Wohnen“. „Wir brauchen dieses Engagement auch. Vor allem, weil wir noch in diesem Jahr die Unterkunft am Rönneburger Stieg eröffnen wollen. Dazu laden wir in den die Anwohner an einen runden Tisch ein, der übernächste Woche am Mittwoch in der Schule stattfinden soll. Ich hoffe, da werden sich ein paar Ehrenamtliche finden.“