Harburg
Parkour

Neue Freizeitanlage für Vahrendorf

Akrobatik pur: Malte Teebken aus Alvesen betreibt seit einem Jahr den Trendsport Parcours, bei dem es darum geht, Hindernisse springend oder kletternd zu überwinden. Er und Ivy Schmidt (l.) aus Vahrendorf freuen sich auf die neue Freizeitanlage in Vahrendorf

Akrobatik pur: Malte Teebken aus Alvesen betreibt seit einem Jahr den Trendsport Parcours, bei dem es darum geht, Hindernisse springend oder kletternd zu überwinden. Er und Ivy Schmidt (l.) aus Vahrendorf freuen sich auf die neue Freizeitanlage in Vahrendorf

Foto: Bianca Wilkens / HA

Der Skatepark ist vom Tisch. Stattdessen können die Jugendlichen der Trendsportart Parkour nachgehen

Tostedt/Vahrendorf.  Die gute Absicht, Jugendliche an kommunalen Entscheidungen zu beteiligen, ist eigentlich immer da. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wer mitgestaltet, engagiert sich eher für eine Sache und übernimmt Verantwortung. Doch die Realität sieht am Ende oft anders aus: Der gute Wille zur Beteiligungskultur gerät nicht selten zwischen die Mühlen des politischen Alltags.

In der Gemeinde Rosengarten hingegen haben Verwaltung und Politik an ihrem Plan, die Jugendlichen zu beteiligen, festgehalten und gemeinsam mit ihnen an der Konzeption einer Freizeitanlage gefeilt. Das Ergebnis: Es entsteht jetzt etwas ganz anderes als zunächst beabsichtigt.

Vor vier Jahren, als die Planungen für eine Anlage hinter den Sportplätzen des TV Vahrendorf begannen, träumten die Jugendlichen noch von einer eigenen Street Plaza nach amerikanischem Vorbild – einer Anlage, die Skaten auf hohem Niveau erlaubt. Doch vier Jahre verstrichen und nichts geschah. In der Zeit hatten sich auch die Bedürfnisse der Jugendlichen gewandelt.

Bei den Beteiligungsrunden unter der Regie von Alina Kibbel, Koordinatorin des Bündnisses für Familie in der Gemeinde Rosengarten, kristallisierte sich heraus, dass sich die Jugendlichen weniger eine reine Skateranlage wünschten. Zumal in den Ortsteilen Nenndorf, Tötensen und Klecken bereits Skateranlagen existieren. Aus den Norddörfern ist die nächst gelegene Anlage in etwa zehn bis fünfzehn Minuten erreichbar. „Für ihre Größe hat die Gemeinde Rosengarten eine sehr hohe Dichte an Skateranlagen“, sagt Alina Kibbel. Auch bis zum großen Skatepark in Hamburg-Wilhelmsburg ist es nicht weit.

Zudem begeistern sich heute mehr Jugendliche für die Sportart Parkour, die sich auch am Rande der Elbmetropole immer mehr zum Trend entwickelt, wie sich in den Beteiligungstreffen herausstellte. Zu den Treffen erschienen insgesamt 34 Jugendliche im Alter von elf bis 16 Jahren. „Für eine Dorfbeteiligung ist das viel“, sagt Alina Kibbel. Es sei gar nicht so einfach gewesen, die Jugendlichen zu erreichen, da die Schüler auf unterschiedlichen Schulen in Rosengarten, Buchholz und Hamburg verstreut seien.

Das Planungsbüro Patt entwickelte schließlich zwei Varianten für die geplante Anlage. Die eine sah im Kern eine Kletteranlage vor. Variante zwei sollte eine Parkouranlage, eine Fläche zum Skaten, aber auch Basketball und Tischtennis enthalten. Letzteres schied ziemlich schnell aus, da sich die Kosten verdoppelt hätten. Auch die erste Variante sagte den Jugendlichen nicht zu. „Sie richtete sich unserer Meinung nach eher an Grundschüler“, sagt Malte Teebken, 15, aus Alvesen. „Wir wollten aber eine Freizeitanlage für Jugendliche und auch eine, die so aussieht.“

Die Verwaltung der Gemeinde Rosengarten brachte dann im Laufe des Beteiligungsprozesses noch eine weitere Alternative ein – eine Freizeitanlage ohne Skaterelemente, was die Investitionskosten deutlich senkt. Die Anlage übersteigt aber immer noch die bislang kalkulierten 75.000 Euro, und zwar um 40.000 Euro. Insbesondere der weicher Boden, der die Jugendliche vor Verletzungen beim Parkour schützen soll, macht die Anlage teurer. „Darauf kann man aber auch besser üben und scheut sich nicht, Parkour auszuprobieren“, sagt Malte Teebken.

Er appellierte an die Politik, „keine halben Sachen zu machen“. Am Ende willigten die Fraktionen der Gemeinde Rosengarten ein und die Jugendlichen bekommen die Anlage, die sie sich wünschen – mit Parkourelementen und der Möglichkeit, Basketball und Tischtennis spielen zu können. Sitzflächen und ein Unterstand sind ebenso vorgesehen.

Voraussichtlich im Frühjahr sollen die Bauarbeiten beginnen, so dass die Anlage, wenn alles gut läuft, im Sommer eröffnet werden kann. Ivy Schmidt, 16, aus Vahrendorf, die sich ebenso an der Gestaltung beteiligte freut sich, dass aus der Anlage kein reiner Skateplatz geworden ist. Und dass die Jugendlichen sich dorthin zurückziehen können. „Wir Jugendlichen wissen oft nicht, wo wir hin sollen. Auf der Freizeitanlage können wir uns treffen und stören keine anderen.“