Rönneburg

Verkehrs-Sabotage – Rettungsdienste müssen Umwege fahren

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Lars Hansen
Die Schlösser der Absperrpoller zwischen Rönneburger Stieg un d Rönneburger Freiheit werden immer wieder mit Heißkleber verstopft

Die Schlösser der Absperrpoller zwischen Rönneburger Stieg un d Rönneburger Freiheit werden immer wieder mit Heißkleber verstopft

Foto: Lars Hansen / xl

Mehrfach wurden Schlösser von umstrittenen Sperrpollern verklebt, so dass die Schlüssel der Rettungskräfte nicht mehr passten.

Rönneburg.  Unbekannte haben offenbar wiederholt die Schlösser von Sperrpollern verklebt, die seit wenigen Monaten die kleine Stichstraße zwischen Rönneburger Stieg im Westen und Rönneburger Freiheit im Osten für den Durchgangsverkehr sperren. Die weiß-rot gestreiften Stahlrohre haben unter den Anwohnern ebensoviele Gegner wie Befürworter. Das hatte der Kommunalpolitiker Torsten Fuß (SPD) einmal festgestellt, wobei der Anteil der Gegner unter den Anwohnern mit der Entfernung zur abgesperrten Straße zunehme.

Die Pollersperre gilt nicht für jeden Verkehrsteilnehmer. Rettungsfahrzeuge, Polizeiwagen und Feuerwehr sollen den Weg auf alle Fälle benutzen können. Dafür lassen sich die Poller aus ihrer Verankerung im Boden aushaken. Damit das nicht jeder tut, ist der dazugehörige Hebel am oberen Pollerende mit einem Vorhängeschloss gesichert. Diese Schlösser sind in ganz Hamburg einheitlich.

Jeder Polizist, Feuerwehrfahrzeugführer und Rettungssanitäter, aber auch Fahrer der Stadtreinigung sowie diverse Mitarbeiter von Bezirksämtern und Landesbehörden haben den dazugehörenden so genannten „B-Schlüssel“ bei sich. In Rönneburg nützt der nur nichts, denn die Schlösser an den Pollern lassen sich nicht öffnen.

Die Schließzylinder sind verklebt. Ganz offensichtlich macht hier jemand seine eigenen Regeln und die zentrale Regel in diesem Fall lautet wohl: Hier darf absolut niemand durch.

Marc Lotto, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Rönneburg, hat überhaupt kein Verständnis für dieses Verhalten: „Wir müssen diesen Weg nicht oft benutzen, aber wenn, dann müssen wir ihn schnell benutzen können“, sagt er.

Zwar gehört der kleine Teil Rönneburgs, der vom Rönneburger Spritzenhaus aus hinter der Absperrung liegt, nicht mehr zum Einsatzbereich seiner Wehr, sondern zur Freiwilligen Feuerwehr Sinstorf. „Aber wir müssen manchmal Assistenz für die Sinstorfer Kameraden fahren und sie für uns. Der Umweg über die Vogteistraße wäre zweieinhalb Kilometer lang. Das können wir nicht in Kauf nehmen. Also würden wir das Schloss mit schwerem Gerät öffnen. Aber auch das kostet Zeit, während woanders dringend Hilfe benötigt wird.“

Notarzt, Rettungswagen oder Polizei haben in der Regel keinen Bolzenschneider im Auto. Sie müssten von Sinstorf und Langenbek nach Rönneburg oder umgekehrt auf alle Fälle Umwege zu Unfällen, Notlagen oder Einbrüchen fahren.

Eine offizielle Straße war der umstrittene Weg nie. Irgendwann hat jemand den Feldweg, der hier vorher war, asphaltiert. Es gibt keine Beleuchtung, keinen Fußweg, keine Kanalisation. Die Straße wird nicht geräumt oder gereinigt, eine enge Kurve macht die Strecke sehr unübersichtlich. Gerade in der Berufsverkehrszeit ist es hier schon zu gefährlichen Situationen und Unfällen gekommen.

Andererseits ist diese Straße für viele Rönneburger der zeit- und spritsparende Weg in Richtung Elbtunnel, Kindertagesstätten oder Schulen. Etwa 500 Autos nutzten den Weg bei der letzten Zählung täglich. Bei Diskussionen um die Poller kristallisierte sich heraus, dass die meisten Anwohner einer Regelung zustimmen würden, die ihnen das exklusive Durchfahrtsrecht belässt, alle anderen aber aussperren würde. Das ist rechtlich allerdings nicht zu verwirklichen.

Dass die Schlösser an den Pollern verklebt sind, ist dem Bezirksamt bekannt. Einmal tauschten Mitarbeiter des Bauhofs bereits die Schlösser aus. „Ein weiterer Austausch der Schlösser führt vermutlich zur erneuten Sabotage“, sagt Bezirksamtssprecherin Bettina Maak. Deshalb würde man jetzt die Poller so lassen.

In Ordnung sei das Verkleben allerdings nicht: „Den Verursachern ist offenbar nicht klar, dass die Schlösser unter anderem dazu gedacht sind, die Poller im Notfall schnell entfernen zu können“, sagt Maak. „Es handelt sich damit um eine abgewandelte Variante der Sabotage, einmal wurden die Poller bereits von Unbekannten entfernt. Sollten wir jemanden bei der Sabotage erwischen, werden wir auf jeden Fall Anzeige erstatten.“

Dem Zugriff durch eine Streifenwagenbesatzung könnte sich der Täter derzeit allerdings schnell entziehen: Er müsste einfach mit dem Fahrrad durch die Poller fliehen.

Die Unterkunft

Das Bezirksamt hat den Weg auf Anraten der Polizei sperren lassen, weil genau in der unübersichtlichen Kurve der Eingang zur Flüchtlingsunterkunft Rönneburger Stieg liegen soll. Die Unterkunft für 260 Menschen soll 2018 bezugsfertig sein. Da die Bewohner hauptsächlich zu Fuß unterwegs sein werden, fürchtet die Polizei erhöhte Unfallgefahr ohne die Sperrung. Die Ver- und Entsorgung der Unterkunft soll laut Baugenehmigung über die Straße Rotbergfeld erfolgen. Auch die ist im letzten Abschnitt vor der Rönneburger Freiheit derzeit mit Pollern gesperrt.

( xl )

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