Harburg
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Vom Banker zum Krankenhausmanager

Phillip Fröschle (35), neuer Geschäftsführer der Mariahilf Klinik (436 Mitarbeiter / 163 Planbetten), ist vielen auch als Sportler bekannt: Genau wie seine Geschwister, fünf insgesamt, hat er Karriere als Hockeyspieler gemacht

Phillip Fröschle (35), neuer Geschäftsführer der Mariahilf Klinik (436 Mitarbeiter / 163 Planbetten), ist vielen auch als Sportler bekannt: Genau wie seine Geschwister, fünf insgesamt, hat er Karriere als Hockeyspieler gemacht

Foto: Katharina Geßler / HA

Phillip Fröschle, neuer Mariahilf-Geschäftsführer, will Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten verbessern und erwartet Geburtenrekord.

Heimfeld.  Für Phillip Fröschle, seit dem 1. Oktober Geschäftsführer der Helios Mariahilf Klinik an der Stader Straße, schließt sich ein Kreis: Nach Stationen in Freiburg, Berlin, Brandenburg und Bad Kissingen ist der gebürtige Hamburger zurückgekehrt in seine Heimatstadt.

Nach dem für viele überraschenden Weggang seiner Vorgängerin Ulrike Kömpe im August, musste er denn auch nicht lange überlegen, als er gefragt wurde, ob er die Geschäftsführung in Harburg übernehmen wolle: „Mein Lebensmittelpunkt war immer hier. Meine ganze Familie, auch meine Verlobte, lebt in Hamburg.“

Gleichwohl scheint Fröschle, gerade mal 35 Jahre alt, ein Mann zu sein, der Veränderungen ebenso liebt wie Herausforderungen. Denn begonnen hat er seine Karriere als Banker, genauer als Vorstandsassistent der Hamburger Sparkasse.

Nach dem BWL-Studium in Köln und einiger Zeit bei der Haspa, war für Fröschle klar, dass er sich wieder auf den Weg und etwas anderes machen wollte: „Mein Vater, der Arzt ist, hat den Anstoß gegeben“, sagt er.

Seit 2014 ist Phillip Fröschle bei Helios, einer der größten Anbieter von stationärer und ambulanter Patientenversorgung Europas, angestellt. Bereut habe er den Wechsel vom Banker zum Krankenhausmanager bis heute nicht: „Die Arbeit im Krankenhaus ist extrem abwechslungsreich und verbunden mit sehr viel Entscheidungsbefugnis.“

Entsprechend befinde er sich im ständigen Gespräch mit den Mitarbeitern: „Von der Reinigungskraft bis zum Chefarzt.“ Dass es in einem Krankenhaus anders zugeht als in einer Bank, liegt für ihn auf der Hand: „Es ist der Tick mehr Leidenschaft, der den Unterschied macht. Wer hier arbeitet, sucht sich das bewusst aus.“

Die strukturelle Neuordnung bei den Harburger Krankenhäusern hatte im vergangenen Jahr hohe Wellen geschlagen. Seit dem 1. Januar hat die Mariahilf Klinik ihren Schwerpunkt in Geburtshilfe und Gynäkologie ausgeweitet, während die Asklepios Klinik die entsprechende Abteilung schließen musste, im Gegenzug aber die alleinige Not- und Unfallversorgung für Erwachsene übernommen hat. Aus dem Krankenhausstrukturfonds des Bundes gibt es dafür insgesamt 13,5 Millionen Euro - je 6,75 Millionen vom Bund und aus Hamburg.

Wieviel aus diesem Topf an die Mariahilf Klinik fließt, stehe noch nicht fest, sagte Fröschle gestern: „Aktuell befinden wir uns dazu in Gesprächen.“ Doch sicher sei: „Mariahilf erhält Investitionskosten im einstelligen Millionenbereich.“

Unabhängig davon – gleichwohl ein Ergebnis der Neuordnung – steuert die Mariahilf Klinik einem Rekord entgegen: bis gestern sind dort seit Jahresbeginn 1769 Babys zur Welt gekommen. Im Vergleich dazu: 2016 waren es insgesamt 1750 Kinder, die dort das Licht der Welt erblickten. „Wir sind zuversichtlich, dass wir erstmals die 2000er-Grenze knacken“, sagt Fröschle.

Dass der Aufschrei laut war, als bekannt wurde, dass der hebammengeleitete Kreißsaal der Asklepios Klinik schließt, hat sich Fröschle berichten lassen. Hoffnungen , dieses spezielle Angebot könnte künftig in der Mariahilf Klinik etabliert werden, erstickt er im Keim: „Was viele Paare nicht wissen: Bei hebammengeleiteten Geburten muss die Gebärende auf medikamentöse Schmerzerleichterung verzichten, da Hebammen keine Schmerzmittel verordnen dürfen. Unsere Hebammen haben sich aber auch aus anderen Gründen gegen einen hebammengeleiteten Kreißsaal entschieden, schließlich müssten sie sich zusätzlich zum Schichtdienst auf ständige Rufbereitschaft einlassen. Das wird vor allem für Kolleginnen mit eigenen Kindern schwierig.“

Allerdings gilt für Fröschle, was auch schon seine Vorgängerin Ulrike Kömpe beteuerte: „Wir sind jederzeit offen für Beleghebammen.“ Bei diesem Konzept bringt jede Schwangere „ihre“ Hebamme mit in die Klinik. Doch auch, wenn nicht, gilt in der Mariahilf Klinik der Grundsatz: „Geburten ohne Hebamme gibt es nicht.“ Sie seien „ein wichtiger und zentraler Bestandteil unseres Teams der Geburtshilfe“, betont Phillip Fröschle.

Der Klinikgeschäftsführer will sich seinerseits in den kommenden Wochen und Monaten verstärkt um den elektiven Bereich kümmern, das heißt um die Bereiche, wo Behandlungen zeitlich geplant werden können, etwa im Bereich der Chirurgie, Orthopädie oder Kardiologie.

Deshalb sucht er jetzt verstärkt Kontakt zum Praxisnetzwerk Süderelbe und anderen niedergelassenen Ärzten. „Uns interessiert ihre Einschätzung. Wir wollen wissen, wo wir besser werden können“, sagt Fröschle. Ziel ist, die Abläufe noch reibungsloser und flüssiger zu gestalten: „Davon profitieren alle, die Ärzte und die Patienten.“

Wie alles begann

Die Geschichte der Mariahilf Klinik beginnt 1895. Damals kaufte der Harburger Pastor Johannes Meyer von der Gemeinde St. Maria das Haus Albertstraße 19, um dort eine Abordnung der Kongregation „Barmherzige Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul“ anzusiedeln. Sein Leitsatz: „Wo nur drei Schwestern sind, da entsteht ein Krankenhaus.“

Und so kam es: Ab Mai 1900 sorgten Barmherzige Schwestern dafür, dass sich das Krankenhaus schnell entwickelt. 1946 kaufte Mariahilf die Villa des Fabrikanten H.C. Mayer und läutete damit die Wachablösung an der Stader Straße ein.

Im Jahr 1962 wurde die Klinikverwaltung in die Hände eines Betriebswirts gelegt. 2007 wurde Mariahilf zur Helios Mariahilf Klinik Hamburg. Der neue Träger entschied sich für einen Neubau – der wurde 2015 in Betrieb genommen.