Harburg
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Landschaftsbrücke – kommt sie jetzt doch?

Das Bild zeigt eine Wettbewerbsidee zu einer Landschaftsbrücke über die Buxtehuder Straße (B73) in Harburg

Das Bild zeigt eine Wettbewerbsidee zu einer Landschaftsbrücke über die Buxtehuder Straße (B73) in Harburg

Foto: GGK Solution/HHVH Landschaftsarchitekten/WKC

Der vier Jahre alte Plan einer Fußgängerquerung über die B 73 gilt als alternativlos. Doch woher soll das Geld kommen?

Harburg.  Ein städtebaulicher Wettbewerb und die Präsentation schöner, am Computer erzeugter Bilder sind noch keine Garantie dafür, dass Bauvorhaben Wirklichkeit werden. Die vor vier Jahren erdachte Landschaftsbrücke, die Harburgs Innenstadt mit dem Harburger Binnenhafen verbinden soll, gilt im Fachamt für Stadt- und Landschaftsplanung des Bezirksamtes Harburg zwar als alternativlos. Ihre Realisierung lässt sich aber dennoch nicht absehen. „Die Finanzierung ist bisher nicht gesichert. Ein konkretes Förderprogramm des Bundes gibt es bisher nicht“, sagte Harburgs Baudezernent Jörg Penner am Montagabend im Stadtplanungsausschuss der Bezirksversammlung Harburg.

Anlass, über die Realisierungschancen der Landschaftsbrücke zu sprechen, war der Entwurf der Verwaltung für einen Bebauungsplan, der die rechtliche Grundlage zu einer städtebaulichen Modernisierung des Schippseequartiers in der Harburger Innenstadt bilden soll. In dem Quartier, das von den Straßen Großer Schippsee, Lauterbachstraße und Buxtehuder Straße (B 73) begrenzt ist, würde auch eine mindestens 160 Meter lange Rampe der Landschaftsbrücke gebaut werden.

Dieser Bebauungsplan wäre also die rechtliche Voraussetzung für den Bau der spektakulären Wegeverbindung über die Bahngleise. Ob es denn realistisch sei, das Brückenbauwerk zu finanzieren, wollte Kay Wolkau (Neue Liberale) wissen. Baudezernent Jörg Penner gab daraufhin zu, dass passende Förderprogramme des Bundes nicht vorhanden seien. Dass die Stadt zudem teilweise Grundstücke, auf denen Menschen zurzeit wohnen, erwerben müsste, macht den Bau der Landschaftsbrücke nicht einfacher.

Bis zu 11,5 Millionen Euro würde allein das Bauwerk laut den Kostenschätzungen aus dem Jahr 2013 kosten. Selbst wenn der Bund sich an den Kosten beteiligt: Zwei Drittel davon, also etwa 7,6 Millionen Euro, müsste die Freie und Hansestadt Hamburg bezahlen, ihr Anteil als Land und Kommune. Das hat Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) bei einem Besuch im Juli in Harburg gesagt. Die Ministerin hatte sich zwar lobend zu der Idee der Landschaftsbrücke geäußert und ihren städtebauliche Nutzen anerkannt.

Bahngleise geltenals größtes Hindernis

Das Wohlwollen der Ministerin wird dem Vorhaben in Harburg aber nichts mehr nutzen, denn nach der Wahlniederlage im September wird die SPD aus der Bundesregierung ausscheiden – und damit auch Barbara Hendricks.

Dass Bahngleise eine trennende Schneise zwischen der Innenstadt und dem sich dynamisch entwickelnden Wohn- und Arbeitsquartier Binnenhafen schlagen, gilt als größtes Hindernis der städtebaulichen Entwicklung Harburgs. Die Bahn sogar städtebaulich zu überdecken und ähnlich wie an der Autobahn 7 in Hamburg zu überbauen, hält Jörg Penner deshalb für eine „im Grundsatz gute Idee“, aber für ein aussichtsloses Unterfangen. Die Bodenpreise in Harburg seien nicht in der Größe, dass sich ein Deckel wirtschaftlich darstellen ließe.

Aber die Landschaftsbrücke soll es schon sein. Acht Meter hoch muss sie sein, um genügend Abstand zur Oberleitung der Bahnlinie zu erhalten. Städtebaulich erzielt so eine Wegeverbindung den Effekt, dass die Bahn wie in einem Trog tief unten zu liegen scheint und optisch weniger störend auffällt. Harburgs Baudezernent könnte sich eine Finanzierung aus Bundesmitteln, die nicht abgerufen worden sind, vorstellen.

Deshalb sei es wichtig, das Planrecht zu schaffen und den Bebauungsplan für das Schippseequartier aufzustellen. Die Verwaltung plant, ein Urbanes Gebiet auszuweisen. Diese neue Baurechtskategorie erlaubt, Wohnen und Gewerbe zusammen in einem Quartier bei weniger strengen Lärmwerten als bisher üblich.

Die SPD, größte Fraktion in der Bezirksversammlung, begrüßt die Initiative, das Planrecht für die Landschaftsbrücke zu schaffen. Dagmar Overbeck (SPD) hält es für eine gute Idee, die Wegeverbindung bis an das Karstadt-Gebäude heran zu verlängern und damit weiter in die Innenstadt hinein als bisher geplant.

Die CDU dagegen, Partner der SPD in einem Mehrheitsbündnis, will noch beraten, so dass die Entscheidung im Stadtplanungsausschuss vertagt wurde. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ralf-Dieter Fischer verlangt, dass die Neugestaltung der Innenstadt „größer gedacht wird.“

Unendliche Geschichte

Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hatte im Jahr 2013 beim Herrenabend des Wirtschaftsvereins Harburg gesagt, dass das Thema Landschaftsbrücke im Senat ernsthaft bewegt werde.

Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) äußerte sich im Juli 2017 lobend zu einer Landschaftsbrücke in Harburg.

Das Bezirksamt Harburg will im November 2017 mit einem Bebauungsplanentwurf das Verfahren einleiten, um das Planrecht für die Brücke zu schaffen. 18 Monate wird das mindestens dauern. Die Finanzierung des Bauwerks ist weiter offen.