Harburg
Buchholz

Archivarin zeigt den Wandel der Stadt

Susanne Lang an ihrem Arbeitsplatz im Buchholzer Stadtarchiv

Susanne Lang an ihrem Arbeitsplatz im Buchholzer Stadtarchiv

Foto: Martina Berliner / HA

Susanne Lang hält Vergangenes fest und lernt im Gespräch mit alten Buchholzern immer noch Neues dazu.

Kirchenstraße 6 – das ist die Adresse der Buchholzer Stadtbücherei und des Stadtarchivs. Wer das lang gestreckte moderne Gebäude mit der schlichten Backsteinfassade betrachtet, vermag sich kaum vorzustellen, dass hier noch bis 1980 „Boerns Hus“ stand, ein typisch niedersächsisches Fachwerkhaus mit hohem Reetdach, umgeben von einem Garten.

Buchholz, bis zum Eisenbahnbau 1870 ein ärmliches Heidedorf mit einer Handvoll Bauernhöfen, hat sich gerade in den vergangenen Jahrzehnten rasant verändert. Dass vielerorts buchstäblich kaum ein Stein auf dem anderen geblieben ist, demonstriert Stadtarchivarin Susanne Lang am Dienstag, 7. November, in der Stadtbücherei.

„Buchholz – damals und heute“ lautet der Titel ihres Vortrags. Sie wird mehr als hundert Fotografien zeigen. Bei der Präsentation werden historische Bilder und aktuelle Aufnahmen aus identischer Perspektive zu vergleichen sein. Denn Susanne Lang hat kürzlich gezielt jene Orte abgelichtet, von denen ältere Dokumente existieren.

Mit ihrem Vortrag möchte die Archivarin an vergangene Dekaden erinnern, ihrem Publikum Wissen vermitteln und Erinnerungen wecken. Gleichzeitig ist sie bestrebt, ihrerseits von den Besuchern zu lernen. „Ich werde mir Block und Bleistift mitnehmen, um zu notieren, was die Teilnehmer zu den Fotos zu erzählen haben. Ich selbst weiß ja längst nicht alles“, sagt die 53-jährige Kleckenerin. Darüber hinaus möchte sie alteingesessene Buchholzer animieren, ihr weitere Fotos und Dokumente zu überlassen, um den Fundus des Archivs zu erweitern und Zeitzeugnisse für die Nachwelt zu bewahren.

„Ich kann alles einscannen, so dass sich niemand von seinem Eigentum trennen muss. Wer aber zu Hause keinen geeigneten Platz für wertvolle Originale hat, kann sicher sein, dass das Material bei uns bestens aufgehoben ist.“ Das Stadtarchiv hat zur Lagerung von Dokumenten einen klimatisierten Raum mit konstanter Luftfeuchtigkeit und Temperatur. „Viele Menschen heben Erinnerungsstücke in Kartons oder Kisten auf Dachböden oder in Kellern auf. Papiere leiden an solchen Orten aber stark durch Nässe und Kälte“, erläutert Susanne Lang.

Im fensterlosen Raum hinter ihrem Arbeitsplatz lagern brüchige Landkarten, vergilbte Zeitungen und Fotografien. Viele Bilder stammen aus dem Atelier des ehemaligen Buchholzer Fotografen Nicolaysen, der sein Geschäft in der Neuen Straße hatte. Heute steht an gleicher Stelle der Ulmenhof. „Wir haben vieles sammeln können, aber ich bin sicher, dass es noch viel verschollenes Material gibt.“

In einem Bücherbord des Archivs reiht sich heimatkundliche Buchholz-Literatur neben Ordnern mit gesammelten Informationen zu bestimmten Themen. Etwa zu den ehemaligen Bauernhöfen, der Entwicklung der Eisenbahn oder der Zeit des Nationalsozialismus. In gut 800 Spezialkartons werden alte Verwaltungsdokumente aufbewahrt. „Bei den großen Mengen Unterlagen, die eingehen, kommt das Archiv inzwischen räumlich an seine Grenzen! Dafür gibt’s noch keine Lösung“, sagt Susanne Lang.

Auch das Standesamt übergibt das Personenstandsregister nach festgelegter Zeitspanne ans Archiv - Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden, Meldeunterlagen. Damit die teilweise mehr als hundert Jahre alten Folianten – der älteste stammt von 1874 - nicht durch Blättern strapaziert werden, hat Susanne Lang jede in feiner Sütterlinschrift beschriebene Seite einscannen lassen.

Texte, Listen, Fotos – inzwischen hat sie 38.000 Dokumente im Computer gesichert. „Kein Wunder, dass mein Rechner so langsam ist“, sagt die Verwaltungsangestellte. Auch die Präsentation für den Vortrag hat sie am PC erstellt. Eine langwierige Prozedur, die nur schwer in der knapp bemessenen Zeit ihres Halbtagsjobs zu bewältigen ist. Zu tun hat Susanne Lang immer reichlich.

„Neulich kam eine ältere Dame, die alte Buchholzer Ansichten als Geburtstagsgeschenk für ihren Vater suchte. Stundenlang hat sie hier gesessen und fasziniert in den Ordnern geblättert. Ein Mann wollte von mir wissen, wo es in Buchholz einst Teiche gab. Das musste ich auch erst recherchieren. Die Verwaltung fordert häufig alte Verträge, Satzungen, Karten, Pläne oder Fotos von Straßenverläufen oder Plätzen an.

Anfragen von Gerichten, Erbenermittlern oder Familienforschern gibt es zu Personenstands- oder Meldedaten, etwa in Nachlassangelegenheiten. Die Nutzung des Archivs durch Privatpersonen und Behörden ist ein weites Feld. Die Stadtgeschichte ist da nur ein kleiner Teil“, berichtet Susanne Lang und lässt keinen Zweifel daran, dass dieser Part ihr der liebste ist.

Obwohl sie selbst nie in Buchholz gewohnt hat, grabe sie sich gewissermaßen in ihre stadthistorischen Forschungen ein. Je intensiver sie sich damit beschäftige, desto mehr Aspekte eröffneten sich – vor allem durch den Dialog mit der Bevölkerung. „Ich genieße es, Ur-Buchholzer zu treffen, die mir wieder Neues zu erzählen haben. Ständig lerne ich dazu. Ich glaube, den Charme der Vergangenheit vermissen wir alle. Bei meinem Vortrag ist das Schwelgen in Erinnerungen jedenfalls ausdrücklich erlaubt.“

Der Vortrag „Buchholz - damals und heute“ beginnt am Dienstag, 7. November, um 15 Uhr in der Buchholzer Stadtbücherei an der Kirchstraße 6. Die Veranstaltung ist gratis, es wird auch ein kostenloser Fahrdienst angeboten. Anruf unter 04181/214280 genügt.