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Neue Chefs im Helios-Brustzentrum

Dr. Christoph Großmann und Zentrumskoordinatorin Dr. Annika Hohnheiser sind die neuen Leiter des Brustzentrums der Helios Mariahilf Klinik Hamburg

Dr. Christoph Großmann und Zentrumskoordinatorin Dr. Annika Hohnheiser sind die neuen Leiter des Brustzentrums der Helios Mariahilf Klinik Hamburg

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Christoph Großmann und Annika Hohnheiser kommen aus Würzburg in die Helios Mariahilf Klinik und sind ein eingespieltes Team.

Rund 70.000 Frauen erkranken jährlich in Deutschland an Brustkrebs. Damit ist diese Krebsart bei Frauen die häufigste. Die gute Nachricht: „86 Prozent der Betroffenen können geheilt werden“, sagt Dr. Christoph Großmann. Der neue ärztlicher Leiter am Brustzentrum der Helios Mariahilf Klinik Hamburg tritt gemeinsam mit Dr. Annika Hohnheiser die Nachfolge von Dr. Angela Bernhardt an, die sich in den Ruhestand verabschiedet hat. Beim Brustkrebsforum im Hotel Lindtner am Wochenende stellte das neue Ärzteteam seine Pläne der Öffentlichkeit vor. Das Abendblatt sprach vorweg mit den zwei Neuen.

Zwei Würzburger im hohen Norden - was verschlägt Sie vom schönen Bayern ins verregnete Harburg?

Annika Hohnheiser: Die Sehnsucht nach Norddeutschland, der Wunsch nach Veränderung. Ich bin bereits im Januar nach Hamburg gekommen, um die ärztliche Leiterin des Brustzentrums, Dr. Angela Bernhardt, zu unterstützen. Hier im Klinikum war ich als Vertretung von Anna Vogt, die in Elternzeit gegangen ist, geplant. Da Frau Bernhardt dann in den wohlverdienten Ruhestand ging, mussten wir einen Ersatz finden. Der Zufall wollte es, dass Dr. Großmann zum April seine Tätigkeit in der Praxisklinik Süderelbe aufgenommen hatte. Wir haben ihn kurzerhand als erfahrenen Senior-Operateur mit ins Boot geholt.

Das Motto Ihrer Einrichtung lautet ja: „Brustzentrum mit Herz“. Passt das zu Ihrer Arbeitsphilosophie?

Christoph Großmann: Ja, durch unsere lange Zusammenarbeit in der Würzburger Klinik gibt es zwischen uns ein ausgesprochen gutes Arbeitsverhältnis. Wir wissen genau, wie der Andere operiert, man kennt die Abläufe, kann sich hundertprozentig aufeinander verlassen. Hinter allem, was wir tun, stehen wir als eingespieltes Team.

Dr. Großmann, am 3. April haben Sie Ihre Tätigkeit in der Praxisklinik begonnen. Am gleichen Tag riefen die Kollegen vom Mariahilf an und baten um Unterstützung. Was haben Sie in diesem Moment gedacht?

Großmann: Das Ganze passierte recht schnell. Morgens habe ich meinen neuen Job in der Praxis angetreten, am Nachmittag saß ich bereits in der Klinik, um zu besprechen, wie wir handeln können. Am Ende haben wir uns darauf geeinigt, dass ich an zwei Tagen die Woche in der Klinik tätig sein werde, an drei Tagen in der Praxis. Die beiden Einrichtungen sind formal vollständig getrennt.

Sitzen Sie nicht dennoch zwischen zwei Stühlen? Auf der einen Seite die Praxis, auf der anderen die Klinik? Wohin schicken Sie denn nun eine erkrankte Patientin?

Großmann: Wenn ich denke, dass es stationären Handlungsbedarf hat, schicke ich sie in die Klinik. Ansonsten können die Patienten frei entscheiden. Von meiner Seite aus gibt es da keinerlei Einfluss. Für mich ist diese Lösung eine große Bereicherung, da ich aus dem Klinikbereich komme und nun beide Seiten erleben darf.

Was bringen Sie an Erfahrungen aus Würzburg mit?

Großmann: Wir haben in Würzburg das Brustzentrum an der Klinik aufgebaut und uns für dessen Zertifizierung Richtlinien der Deutschen Krebsgesellschaft stark gemacht. Außerdem hat jeder von uns natürlich jahrelange Erfahrung im Bereich der Tumorbehandlung. Bei mir kommt außerdem ein von Medizin geprägtes Elternhaus hinzu. Mein Vater ist ebenfalls Gynäkologe. Sein Wirken hat bei meiner beruflichen Entscheidung eine maßgebliche Rolle gespielt.

Dr. Großmann, Sie hatten als Oberarzt des Brustzentrums Main-Tauber einen sehr guten Ruf. Warum sind Sie weggegangen?

Großmann: Nach 20 Jahren in Würzburg war es Zeit für etwas Neues. Und diese Stadt ist das Beste, was mir passieren konnte. Allein, wenn ich mich morgens auf den Weg zur Arbeit mache, habe ich ein gutes Gefühl. Hamburg ist einfach eine tolle Stadt!

Ihre Vorgängerin, Dr. Angela Bernhardt, hat Großartiges für das Brustzentrum in Harburg geleistet. Und sie wurde von ihren Patientinnen geliebt. Große Fußstapfen, in die Sie nun treten. Belastet Sie das?

Hohnheiser: Nein, ich denke, wir passen sehr gut in das von ihr vorgelebte Konzept eines „Brustzentrums mit Herz“. Auch für uns geht es in erster Linie darum, nah an den Menschen zu sein, die zu uns kommen, Vertrauen aufzubauen und Betroffene nicht nur medizinisch, sondern auch menschlich eng zu begleiten. Wir wissen, wie wichtig es ist, sich um jeden Einzelnen zu kümmern, sich Zeit zu nehmen und da zu sein, nicht nur, wenn es um therapeutische Fragen geht, sondern auch dann, wenn jemand gebraucht wird, der einfach nur mal zuhört. Ich könnte nie eine Patientin therapieren, mit der ich mich nicht mindestens eine halbe Stunde unterhalten habe und deren Background ich nicht kenne. Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt.

Oft sorgt der wirtschaftliche Druck — auch in der Medizin — dafür, dass die Zeit für ausgiebige Gespräche und menschliche Zuwendung schlichtweg fehlt. Ist das Brustzentrum da eine Ausnahme?

Großmann: In gewisser Hinsicht ja. Wir sind ein kleines Zentrum, betreuen im Jahr zirka 200 Patientinnen mit Brustkrebs. 130 der rund 70.000 Neuerkrankungen bundesweit landen hier durchschnittlich pro Jahr. In diesem Jahr rechnen wir mit einer Steigerung von 20 Prozent im Vergleich zu 2015. Das ist alles noch gut zu schaffen und wir hoffen, dass es so bleibt.

Welchen Vorteil hat eine an Brustkrebs erkrankte Frau, wenn Sie zur Behandlung ein Brustzentrum wie das der Helios Klinik Mariahilf aufsucht?

Hohnheiser: Die betroffenen Frauen kommen ins Brustzentrum, weil sie wissen, dass bei uns ein ganzes Team an Spezialisten unter einem Dach zusammenarbeiten: Krankenschwestern und Gynäkologen, Plastische Chirurgen, Onkologen, Strahlentherapeuten, Radiologen und Nuklearmediziner, Psychoonkologen, Pathologen, Sozialarbeiter, Palliativmediziner und Physiotherapeuten. Einmal in der Woche setzen sich die Kollegen zur Tumorkonferenz zusammen und besprechen gemeinsam jeden Fall. So entsteht ein ganzheitliches Bild über jede einzelne Patientin. Das ist für die Therapie und deren Erfolg von großer Bedeutung. Angstfreiheit und das Gefühl, gut aufgehoben zu sein, flankieren so die Therapie.

In Hamburg gibt es inzwischen mehrere Brustzentren. Wie kann sich die Harburger Einrichtung gegen die Konkurrenz behaupten?

Großmann: Wir haben ein Alleinstellungsmerkmal, auf das wir besonders stolz sind. Dabei handelt es sich um unser Narkoseverfahren, bei dem wir unsere Patientinnen nur regional betäuben. Das schont die Patientin, sie fühlt sich fitter nach der OP. Nur lokal zu betäuben, ist eine gute Alternative zur Vollnarkose. Ein Verfahren, das sich hier bei uns immer wieder bewährt und uns von anderen Brustzentren unterscheidet.

Was raten Sie einer Frau, die einen Knoten in der Brust tastet?

Großmann: Zunächst einmal: keine Panik. Erstmal abwarten, ob sich der Knoten im Monatszyklus verändert oder ganz verschwindet. Ist das nicht der Fall, sollte Sie ihren Gynäkologen aufsuchen. Dieser wird entscheiden, ob weiterführende Untersuchungen wie Ultraschall oder Mammografie notwendig sind.

Brustkrebs ist die häufigste Tumorerkrankung bei Frauen. Wie können diese vorbeugen?

Hohnheiser: Sport und gute Ernährung sind das Wichtigste für die Gesundheit. Hinzu kommt eine regelmäßige Kontrolle der Brust. Man sollte einmal im Monat selbst seine Brust abtasten und regelmäßig die angebotenen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Die Heilungschancen für Brustkrebs sind extrem hoch, vorausgesetzt, die Therapie wird nicht zu lange herausgezögert.

Regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung zur Vorbeugung - das klingt gut. Sind Sie da Vorbild?

Hohnheiser: Ich laufe regelmäßig um die Alster.

Großmann: Ich nehme lieber das Rad.

Und ich versuche, gesund zu kochen, soweit der neue Start in Harburg und die vielen Aufgaben mir Zeit dazu lassen.

Dann schnell zurück ans Werk. Eine Frage noch zum Schluss: Was für Pläne haben Sie für Harburg?

Großmann: Wir wollen künftig mehr Fortbildungen für Ärzte, aber auch für medizinisch Interessierte anbieten. Denn davon gibt es im Süderelberaum viel zu wenig.

Das eingespielte Team aus Würzburg

Dr. Christoph Großmann wurde 1976 in Würzburg geboren und absolvierte sein Studium der Medizin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Seinen Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe machte er in der Missionsärztlichen Klinik Würzburg unter Leitung von Prof. Dr. D. Kranzfelder. 2006 folge die Promotion am Institut für Rechtsmedizin mit dem Thema „DNA-analytische Speziesdiagnostik“. Bis zu seinem Wechsel nach Harburg war der Senior-Mammaoperateur als Oberarzt in der Missionsärztlichen Klinik Würzburg (Brustzentrum Missio) tätig.

Dr. Annika Hohnheiser wurde 1984 in Würzburg geboren und absolvierte ihr Studium an der Universität Erlangen-Nürnberg. Das Promotionsthema der 33-Jährigen lautete: „Malignant melanoma of the Skin - Long-term follow-up and time to first recurrence“. Ihre Zeit als Assistenzärztin verbrachte sie in Schweinfurt und in der Missionsärztlichen Klinik Würzburg. Seit Januar 2017 ist sie als Fachärztin in der Helios Klinik Mariahilf, seit August Oberärztin.