Harburg
Stadtpark

Harburger Freilichtbühne ist fast ungenutzt

„Tekkno am Teich“ auf der Freilichtbühne im Harburger Stadtpark: Die ausgelassene Stimmung und die Lautstärke kommen nicht bei jedem gut an

„Tekkno am Teich“ auf der Freilichtbühne im Harburger Stadtpark: Die ausgelassene Stimmung und die Lautstärke kommen nicht bei jedem gut an

Foto: Thomas Sulzyc

Restriktive Auflagen erschweren Konzertveranstalter Suedkultur Nutzung der Open-Air-Bühne im Stadtpark.

Wilstorf.  Obwohl die Freilichtbühne im Harburger Stadtpark im Jahr 2015 mit 300.000 Euro saniert worden ist, stellt sich das Amphitheater im Grünen die meiste Zeit im Jahr mehr als totes landschaftsgärtnerisches Museum dar denn als kultureller Veranstaltungsort.

In diesem Jahr war die Freilichtbühne Schauplatz von neun Konzerten und Theateraufführungen, im vergangenen Jahr sind es acht gewesen und in 2015 drei Veranstaltungen. Das teilte das Bezirksamt Harburg dieser Zeitung mit.

Restriktive Auflagen, die einzelne Anwohner vor sieben Jahren mit Hilfe einer Unterschriftensammlung erstritten hatten, machen es Veranstaltern in der ohnehin begrenzten Freiluftsaison schwer, die Bühne zu nutzen. Etwa die, dass nur eine „laute Veranstaltung“ pro Monat zulässig ist.

Heiko Langanke, Sprecher des Verbundes Suedkultur, spricht sich für eine Deregulierung und einen Neuanfang aus, damit die Freiluftbühne zu dem wird, wofür sie geschaffen wurde: ein lebendiger, unverwechselbarer kultureller Ort.

Den Neuanfang hat sich das Bezirksamt Harburg von der Zusammenarbeit mit der Hamburg Kreativgesellschaft versprochen. Seit zwei Jahren ist das städtische Unternehmen dafür verantwortlich, Kultur in den Harburger Stadtpark zu bringen. Bei ihrem Auftrag im Wilhelmsburger Inselpark kann die Kreativgesellschaft bemerkenswerte Erfolge aufweisen. Aber Harburg erweist als schwieriges Pflaster.

Sechs Veranstaltungen in diesem Jahr gehen auf die Kooperation mit der Hamburg Kreativgesellschaft zurück, berichtete jetzt Lina Knipfer vom Fachamt Sozialraummanagement des Bezirksamtes Harburg den Fraktionen im Kulturausschuss.

Ein Reggae-Konzert fiel aus, weil der Veranstalter sich zurückzog. Übrig blieben zwei Theateraufführungen, ein Rap-Konzert und zwei Techno-Konzerte, wovon eines für Ärger sorgte: Ein Veranstalter täuschte das Bezirksamt und tarnte die Party bei der Anmeldung als „italienische Musik“. Was Vivaldi versprach, entpuppte sich zum Ärger des Anwohners Bernd D. als elektronische Tanzmusik. Dass das ein Fehler in der Genehmigungsbehörde war, hat Harburgs Baudezernent Jörg Penner in der Bezirksversammlung souverän zugegeben.

Wie zäh die Entwicklung der Freiluftbühne zu einem kulturellen Ort verläuft, zeigte jetzt ein Versäumnis im Kulturausschuss. Eigentlich haben die Fraktionen eine Einschätzung der Verwaltung zu der Zusammenarbeit mit der Kreativgesellschaft erwartet.

Dazu kam es nicht. Das Gespräch mit der Kreativgesellschaft stehe noch aus, sagte Lina Knipfer nur. Warum sich die beiden Kooperationspartner vier Wochen nach Abschluss der Freiluftsaison immer noch nicht auf eine gemeinsamen Stellungnahme verständigt haben, sagte sie nicht.

Unzulässiger Lärm geht von den Veranstaltungen der Freiluftbühne nach Erkenntnis der Verwaltung nicht aus. Alle Sondernutzungsvereinbarungen mit Veranstaltern hätten die rechtlich genehmigten Höchstwert beinhaltet. Die Musik darf an der nächst gelegenen Wohnbebauung 70 Dezibel nicht überschreiten. Die Polizei habe dem Bezirksamt keine Beschwerden gemeldet, sagte Lina Knipfer.

Dennoch legte nur André Lenthe (Die Linke) ein Bekenntnis zur der Freilichtbühne ab: „Ein bestimmtes Maß muss man ertragen, wenn man dort wohnt. Die Bühne gibt es seit 1926, und die Leute damals werden auch mal gefeiert haben“, sagte er.

Ein neuer Pakt von Kulturschaffenden und Anwohnern muss her, fordert Heiko Langanke. Was bisher falsch gelaufen sei, erklärt er so: „Statt über Stärken und Schwächen der Bühne zu sprechen und zu diskutieren, wofür sie gut geeignet ist, wird über formelle Kriterien verhandelt, als ginge es um ein technisches Handbuch.“

Die Auflagen

Nur eine laute Veranstaltung pro Monat ist in der Freiluftbühne im Harburger Stadtpark zulässig.

Mindestens ein Wochenende ohne laute Musik muss zwischen zwei Veranstaltungen liegen.

Nicht länger als fünf Stunden dürfen Konzerte mit lauter Musik dauern. Um spätestens 22 Uhr müssen sie beendet sein.

Ein Schallpegelmessgerät muss der Veranstalter für den Beschwerdefall bereithalten.