Harburg
Winsen

Rotary-Aktion: Deckel drauf auf Polio

Die Rotarier Klaus Weyel, Herbert Schwiegk, Martin Peters und Hartmut Schöberl (v.l.) mit Tausenden Flaschendeckeln

Die Rotarier Klaus Weyel, Herbert Schwiegk, Martin Peters und Hartmut Schöberl (v.l.) mit Tausenden Flaschendeckeln

Foto: Rotary / HA

Flaschendeckel aus Polyethylen bringen etwa 300 Euro je Tonne für die weltweite Bekämpfung der Kinderlähmung in die Kasse.

Winsen.  Vor genau 29 Jahren, am 28. Oktober 1988, beschloss Rotary International, der Kinderlähmung den Kampf anzusagen. Damals trat die Kinderlähmung noch in 125 Ländern auf mit jährlich 350.000 Neuerkrankungen. In Zusammenarbeit mit der Weltgesundheits-Organisation WHO und weiteren Gruppierungen wie der UNICEF gelang es Rotary, die tückische Krankheit weltweit um 99,9 Prozent einzudämmen.

Nur noch in Afghanistan (6 Fälle) und Pakistan (4 Fälle) ist es aktuell zu Neuerkrankungen gekommen. Im Vergleich: 2014 waren es 28 Erkrankungen in Afghanistan und 306 in Pakistan. Nigeria hatte 2014 noch 6 Fälle von Neuerkrankungen, in diesem Jahr keinen mehr.

Millionen Dollar an Spenden flossen in dieses Projekt – das größte, das die 1,2 Millionen Rotarier weltweit in Angriff genommen haben. Allein von 2017 bis 2020 werden von Rotary jährlich 50 Millionen Dollar für die Aktion „End Polio Now“ bereit gestellt. Die Bill-Gates-Stiftung erhöht diese Summe um jeweils 100 Millionen Dollar im Jahr.

Im Landkreis Harburg beteiligt sich der Rotary Club Winsen (Luhe) seit 2015 mit der Aktion „Deckel drauf auf Polio“ am Kampf gegen die Kinderlähmung. Die Winsener Rotarier sammeln Plastikdeckel , wie sie auf Getränkeflaschen aus Kunststoff geschraubt sind. Diese Deckel werden abgeschraubt, bevor die Plastikflasche im Pfandautomaten verschwindet.

An dem Pfandwert der Flasche ändert sich durch den fehlenden Deckel übrigens nichts. Die Deckel bestehen aus Polyethylen und bringen etwa 300 Euro je Tonne, die von der Recycling-Industrie gezahlt werden, wenn das Material angeliefert wird.

Die Winsener Rotarier sorgen bei der Aktion für das Aufstellen und Leeren der Sammeltonnen. Die Säcke mit dem bunten Sammelmaterial werden dann in einem leer stehenden Stall zwischen gelagert, bis genug Material für einen Container beisammen ist. Dafür muss reichlich gesammelt werden. Der RC Winsen hat ein enges Netz von Sammelstellen zwischen Winsen, Harburg und Buchholz aufgebaut.

In Supermärkten in Meckelfeld, Garstedt, Hanstedt, Buchholz und Tostedt zum Beispiel stehen die blauen Sammeltonnen mit den auffälligen gelben Aufklebern: „500 Deckel für 1 Leben ohne Kinderlähmung“. Denn der Gegenwert von nur 500 Deckeln reicht für eine Impfung.

Viele Schulklassen, Kindergärten und Sportvereine haben sich mittlerweile der Aktion der Winsener Rotarier angeschlossen und sammeln in ihrem Umfeld. Das gilt ebenso für einige Restaurants. Auch in den Krankenhäusern in Winsen und Buchholz sowie in der Asklepios Klinik Harburg stehen die Sammeltonnen.

In der Zeit von Dezember 2015 bis August 2017 sind so allein bei den Winsener Rotariern 6,5 Tonnen Plastikdeckel zusammengekommen. Das entspricht einer Zahl von rund 3,25 Millionen Deckeln. Vom Erlös sind damit 6500 Impfungen möglich. Da die Bill-Gates-Stiftung jeden Erlös in Sachen Polio verdreifacht, sind allein durch den Einsatz der Mitglieder des RC Winsen und seiner Helfer rund 20.000 Impfungen möglich.

Mittlerweile hat sich das Deckellager der Rotarier wieder gefüllt. „Die vierte Million an Deckeln ist im Angriff“, sagt Clubpräsident Albert Paulisch erfreut über das hervorragende Sammelergebnis.