Harburg
Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung

Eine Auszeichnung für alle Harburger

Die Jury-Vorsitzende Heike Groll, Jan-Eric Lindtner, stv. Redaktionsleiter Harburg, die Preisträgerin Hanna Kastendieck, Redaktionsleiter Frank Ilse und der Stiftungsvorsitzende Hans-Gert Pöttering bei der Preisverleihung

Die Jury-Vorsitzende Heike Groll, Jan-Eric Lindtner, stv. Redaktionsleiter Harburg, die Preisträgerin Hanna Kastendieck, Redaktionsleiter Frank Ilse und der Stiftungsvorsitzende Hans-Gert Pöttering bei der Preisverleihung

Foto: Adenauer-Stiftung / HA

Festakt: Die Konrad-Adenauer-Stiftung würdigte das Song-Projekt mit dem Preis in der Kategorie Kultur.

Harburg/Lüneburg.  „Eine Hymne für den Stadteil – das musikalische Projekt der Redaktion ist hochpolitisch. Es bringt Menschen aus vielen Nationen zusammen und beweist eindrucksvoll, was Bürger und Zeitung durch ihr Engagement in Bewegung setzen können“. Mit diesen Sätzen hat die Jury des Deutschen Lokaljournalistenpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung das Projekt „Ein Song für Harburg“ gewürdigt. Am Montag nahmen die Autorin Hanna Kastendieck und die Harburger Redaktionsleitung den Preis in Empfang. In der Kategorie Kultur. Im Libeskind-Bau der Universität Leuphana in Lüneburg. Der Elbphilharmonie Lüneburg.

Warum gerade dort? Nach Lüneburg ging der Hauptpreis. Katja Grundmann und Anna Sprockhoff, die den Preis stellvertretend für die „Landeszeitung für die Lüneburger Heide“ entgegennahmen, wurden für ihr Projekt „Aufwachsen als Flüchtlingskind“ ausgezeichnet. Sie setzten sich gegen 334 Mitbewerber durch. Insgesamt wurden bei dem Festakt elf herausragende Leistungen im Lokaljournalismus gewürdigt, darunter drei Volontärsarbeiten.

Der „Song für Harburg“ war ein einzigartiges Projekt. Für den Stadtteil und die Menschen, die in Harburg leben. Und er bewegte im Sommer 2016 tausende Menschen. Die Idee hatte Abendblatt-Redakteurin Hanna Kastendieck, selbst Harburgerin. „Ich wollte im Rahmen unserer Zeitung eine Aktion starten, die die Menschen in Harburg bewegt, das gute Gefühl für ihre Heimat weckt und Identifikation mit ihrem Stadtteil stiftet“, sagt die 43-Jährige. „Was eignet sich da mehr als ein eigener Stadtteilsong, ein Lied, dass die Menschen wortwörtlich auf eine Wellenlänge bringt?“ Innerhalb von vier Monaten wurde aus dieser Idee Wirklichkeit.

Entwickelt wurde der Song „Ich bin Harburg“ vom Harburger Komponisten Peter Schuldt. Der Text stammt von Ansgar Böhme. Der Titel wurde im Studio vom Harburger Jugendchor Gospel Train produziert. Die Kosten für die Produktion wurden von der Arne Weber Stiftung übernommen. Für die Gestaltung des CD-Covers konnte die Künstlerin Doris Dörr gewonnen werden. Umgesetzt wurde das Projekt in enger Zusammenarbeit mit dem Citymanagement Harburg.

Entstanden ist nicht nur ein eigener, bewegender Song den Stadtteil, sondern ein Event, das weit über die Stadtgrenzen Hamburgs hinaus Menschen begeistert hat. Bei der Uraufführung im vergangenen September kamen im Rahmen der „Nacht der Lichter“ nicht nur sämtliche Chöre des Bezirks, sondern auch Tausende Harburger, um gemeinsam ihren Song zu schmettern. Fernsehen und Radio waren live dabei. Am Ende sangen 17.000 Menschen ihre Stadtteil-Hymne.

Begleitet wurde die Aktion von der Regionalredaktion Harburg des Hamburger Abendblattes. Wir veröffentlichten zahlreiche Berichte, Porträts und Reportagen, animierten mehr als ein Dutzend Chöre aus der Region sowie Tausende Harburger zum Mitsingen. Die Jury des Deutschen Lokaljournalistenpreises befand: „Das Projekt stiftet Identifikation, es gibt den Harburgern neues Selbstvertrauen.“

Lokaljournalismus schafft für Menschen eine Identifikation

„Ich freue mich wahnsinnig über diese Auszeichnung“, sagt Hanna Kastendieck. „Der Preis zeigt, dass lokaler Journalismus mehr sein darf als reine Berichterstattung. Guter Lokaljournalismus bedeutet für mich vor allem, nah an den Menschen zu sein, Identifikation mit ihrer Heimat zu ermöglichen und sie zu motivieren, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.“

Genau diese wichtige Funktion des Lokaljournalismus betonten auch die Festredner des Abends, der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Dr. Hans-Gert Pöttering und der Chefredakteur von Zeit-Online, Jochen Wegner. Dessen Redaktion hat in diesem Jahr so genannte „Heimat-Reporter“ ins Leben gerufen. Die Zeit-Onliner fuhren in ihre eigenen Heimatorte, um dort Geschichten zu suchen. „Und sie haben zahlreiche Geschichten gefunden. Vollkommen abseits jeder Meta-Ebene. Diese Artikel erfreuen sich großer Beliebtheit auf Zeit-online. Und zwar unabhängig davon, wo die Geschichte spielt. Denn sie sind einfach guter Journalismus“, sagte Wegner in seiner Rede.

Pöttering bezeichnete den Lokaljournalismus als die wichtigste und originärste Form des Journalismus. Dessen Bedeutung betonte Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge schon am Nachmittag beim Empfang für alle Preisträger im Rathaus. Mädge sieht in der lokalen Berichterstattung ein wesentliches Korrektiv für die lokale und regionale Politik. „Auch wenn man sich manchmal aneinander reibt oder wenn es schmerzhaft ist“, sagte Lüneburgs Oberbürgermeister.

Dem fühlen sich alle Preisträger verpflichtet. Und das ist der Sinn hinter dieser Auszeichnung, die von der Konrad-Adenauer-Stiftung für herausragende Arbeiten und Konzepte im Lokalteil vergeben wird. Sie gilt als „Oscar“ für Lokaljournalisten und soll Redaktionen anspornen, die Qualität im wichtigsten Ressort der Zeitung hochzuhalten.

Wer war Adenauer?

Konrad Adenauer wurde am 5. Januar 1876 in Köln geboren und starb am 19. April 1967 in Rhöndorf. Er war von 1949 bis 1963 der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und von 1951 bis 1955 zugleich erster Bundesminister des Auswärtigen.

Bereits im Kaiserreich und in der Weimarer Republik absolvierte der Jurist und Angehörige der katholischen Zentrumspartei eine politische Karriere. Unter anderem war er Oberbürgermeister von Köln. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde er seiner Ämter enthoben und war zeitweise inhaftiert.

Der Politiker gehörte zu den Begründern der CDU, deren Partei­vorsitzender er von 1950 bis 1966 war. Adenauer stand wirtschaftspolitisch für das System der Sozialen Marktwirtschaft.