Winsen

2,5 Millionen Euro für die Radwege

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Rolf Zamponi

Beim Ausbau des Netzes sollen die wichtigsten Maßnahmen im Frühjahr feststehen und beschlossen werden

Winsen. Das Radverkehrskonzept für den Landkreis Harburg steht. Es soll als Orientierungsrahmen für die künftige Entwicklung der Radwege dienen und dazu am heutigen Mittwoch vom Bau- und Planungsausschuss des Landkreises beschlossen werden. „Wir haben ein Riesenpaket vor uns“, sagte der Ausschuss-Vorsitzende Wilfried Geiger (CDU) dem Abendblatt. Um das zu bewältigen, will die CDU in den kommenden fünf Jahren insgesamt 2,5 Millionen Euro in die Radwege investieren. Das fordert sie in einem gemeinsamen Antrag für den Ausschuss mit der Wählergemeinschaft.

Die Gutachter vom Büro SHP Ingenieure aus Hannover mahnen in ihrem abschließenden Bericht sowohl beim Thema Verkehrssicherheit als auch beim baulichen Zustand der Wege Verbesserungen an und raten dazu, jetzt rasch die Lücken im Netz zu beseitigen. Für ihre Studien haben die Niedersachsen das gut 1200 Kilometer lange Radnetz befahren und die Ergebnisse für etwa 2000 Streckenabschnitte in einer Datenbank aufbereitet. Die Studie, mit der der Kreistag die Verwaltung im Mai 2014 beauftragt hatte, liegt seit September vor.

Um die Sicherheit zu erhöhen, gehen die Gutachter dabei davon aus, dass Radfahrer „bei zumutbaren Rahmenbedingungen“ gemeinsam mit den Kraftfahrzeugen auf den Straßen fahren sollen. Das würde Unfälle beim Einbiegen und Kreuzen von Straßen minimieren. Bei mehr als 380 Abschnitten im Netz solle geprüft werden, ob nicht die Benutzungspflicht für Fahrradwege aufgehoben werden kann. Dagegen gibt es nach ihrer Meinung nur 27 Abschnitte, an denen neue Anlagen gebaut werden müssten.

Auch der Zustand der Radwege lasse zu wünschen übrig. Nicht nur der Belag der Wege müsse verbessert oder neu angelegt, auch Schlaglöcher, Wurzelaufbrüche und Poller müssten beseitigt werden. Deutlich zu schmale Radwege gelte es auszubauen. Wichtig für die Projekte sei, dass oftmals auch Bundes- und Landesstraßen der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Geschäftsbereich Lüneburg, betroffen seien. Damit ist der Landkreis Harburg für diese Straßen nicht zuständig.

Ein lückenloses Radwegenetz zeichnet sich, so die Gutachter, durch sichere Querungen vor allem in den Ortslagen aus. Die vorhandenen Ampeln müssten dabei auch an die Belange der Radfahrer angepasst werden. Mit einem Regionalen Radverkehrsnetz könne der Anteil des Radverkehrs in den nächsten Jahren deutlich erhöht werden. Voraussetzung: Die Mängel müssen verschwinden.

Das liegt auch im Sinn der CDU-Kreistagsfraktion. Um keine Zeit zu verlieren, soll die Verwaltung bis zum 31. März eine Prioritätenliste für Maßnahmen des Kreises erstellen, über die der Kreistag dann entscheiden soll. „Die Fachleute sollen sagen, was wichtig ist. Dann wird die Politik entscheiden. Dadurch wird verhindert, dass das Thema durch Einzelinteressen vor Ort zersplittert“, sagt der Ausschuss-Vorsitzende Geiger.

Für die Finanzierung des Radwegenetzes hält die CDU den jährlichen Betrag von 500.000 Euro für die nächsten fünf Jahre für notwendig. Die Summe soll für den Doppelhaushalt 2018/2019 eingeplant werden.

Ebenfalls auf der Tagesordnung des Ausschusses steht ein Antrag der Grünen/Linken. Sie fordern, dass innerorts Straßen für den Radverkehr freigegeben werden sollen, „ wo immer es möglich“ ist. Wo die Gefahrenlage ein Fahren auf der Fahrbahn nicht zulasse, sollen bauliche Veränderungen her. Diese sollen das Ziel haben, einer steigenden Anzahl von Radfahrern ebenso gerecht zu werden, wie den berechtigten Interessen der Fußgänger, heißt es in dem Antrag weiter.

Mit ihrem Vorstoß beziehen sich die beiden Parteien auf einen Brief des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (adfc) Kreis Harburg an Landrat Rainer Rempe. Darin hatte der Verein die Beschilderung, die Radfahrer auf Fußwege zwinge, als rechtswidrig kritisiert. Bei dem Thema sollen sich Städte und Gemeinden ebenso aktiv einschalten.

Auch die Kreisverwaltung sucht beim Thema Radfahren den Schulterschluss mit den Kommunen. „Wir werden die Prioritäten mit allen gemeinsam abstimmen“, sagte Kreissprecher Johannes Freudewald. Im November sollen die Bürgermeister und Verwaltungen erstmals Stellung nehmen.

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