Harburg
Erotischer Kunstkalender

Die etwas anderen Pin-ups von der Elbinsel

Nackte Nerds. PinUp-Kalender 2018 aus Wilhelmsburg

Nackte Nerds. PinUp-Kalender 2018 aus Wilhelmsburg

Foto: Studio Ranokel

In Sarah Roloffs neuem Kalender tummeln sich nackte Frauen. Die Künstlerin interpretiert eine alte Kunstform vollkommen neu

Wilhelmsburg.  Nie war die Bilderflut größer als heute: In Zeiten von Instagram und Facebook greift eine Illustratorin aus Wilhelmsburg dennoch auf die Pin-up-Tradition aus dem vergangenen Jahrhundert zurück, um die frivole Kunstform auf eine neue Entwicklungsstufe zu bringen. In ihren neuen Arbeiten huldigt Sarah Roloff (35) zwar den Posen von einst, zelebriert die weibliche Nacktheit aber so, dass sie vor jedem Sexismus-Vorwurf erhaben sind. Ihre emanzipierten Pin-up-Puppen erscheinen am 23. Oktober als Kalender für das nächste Jahr – und sind damit ein Geschenktipp für das kommende Weihnachtsfest.

Der Puppen-Pin-up ist Rache an Aktzeichenkursen

„I might be nerdy. But I’m sexy as hell“ lautet der sperrige Titel des Puppen-Pin-ups. Was frei übersetzt so viel bedeutet wie: „Ich habe zwar einen Tick. Aber dafür bin ich höllisch sexy.“ Bei dem neuen Kalender handelt es sich um die lang erwartete Frauenausgabe. Vor zwei Jahren hatte Sarah Roloff mit kernigen Kerlen die angestaubte Kunstform Pin-up emanzipiert. Eine Neuauflage der Männerausgabe erscheint jetzt als immerwährender Kalender.

Ursprünglich aus Rache an den von ihr gehassten Aktzeichenkursen während ihres Studiums hatte die Illustratorin ihre Interpretation von Pin-up entworfen. Lange hat sich Sarah Roloff gegen eine Frauenausgabe gesträubt. „Mich interessieren Frauen so gar nicht“, sagt sie. Kerle so unverfänglich nackt zu zeichnen, dass sie nie anzüglich erscheinen, ist eine Sache. Aber wie gelingt die Darstellung von Frauen, die zwar die Hüllen fallen lassen, sich aber dennoch nicht anbieten?

Die Illustratorin suchte nach einer neuen Form, den Humor zu formulieren. Bei ihren Männer-Puppen sei es witzig gewesen, dass sie sich voller Selbstbewusstsein anbieten – sogar mit wehendem Schlauch im Küstenwind. Bei Frauen aber hätte das niemand als witzig empfunden. „Weil es ja üblich ist, dass sie sich in Pin-ups anbieten“, sagt Sarah Roloff. Mit langen Beinen, üppigen Oberweiten und Wespentaille.

Nackt, aber nicht pornografisch sollte das emanzipierte Pin-up sein. Den Konflikt zu lösen, gelang Sarah Roloff mit der liebevollen Darstellung einer DJane. Brüste und Schallplatten bilden ein so ausgeklügeltes Arrangement, das Lichtjahre davon entfernt ist, unter die Schamgrenze zu fallen.

Sarah Roloff inszeniert ihre Frauenfiguren selbstbewusst und gleichzeitig unbeholfen. Das ist der Humor, der sich durch alle Kalenderblätter zieht. Zwölf nackige Prachtweiber, die auch mal ein paar Kilos zu viel auf den Rippen haben. Ohne lasziven Blick und rot geschminkte Lippen, aber trotzdem stets mit sich selbst im Reinen.

So zeigt eine Miss Kalenderblatt

auf einem Motorroller ihre ganze Pracht – das Schamhaar zu Rallye-Streifen frisiert. In der Pose der Gene Kelly aus dem Musical „Singing in the rain“ offenbart das Oktober-Modell ihre Weiblichkeit, bloß weil eine Windböe ihr den knallgelben Ostfriesen-Nerz aufreißt.

Ihr Professor hat den Kalender seiner Mutter geschenkt

Sarah Roloff ist in Preetz aufgewachsen und lebt seit dem Jahr 2009 in Wilhelmsburg. Sie hat an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) an der Armgartstraße Illustration studiert. Ihr Werk vermarktet die selbstständige Illustratorin unter dem Namen „Studio Ranokel“. Komplexe Inhalte, charmant kommuniziert, lautet ihr Arbeitscredo. Das ihr das gelingt, beweist die Tatsache, dass ihr früherer Hochschulprofessor den Pin-up-Kalender seiner Mutter geschenkt hat.

Der Pin-up-Kalender 2018 „I might be nerdy. But I’m sexy as hell – die Frauenausgabe“ erscheint am 23. Oktober und kostet 18 Euro. Vorbestellung ab sofort im Internet: www.studioranokel.de/imightbenerdy