Harburg
Landtagswahl 2017

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Am Sonntag sind die Niedersachsen wieder zur Wahl aufgerufen

Am Sonntag sind die Niedersachsen wieder zur Wahl aufgerufen

Foto: CHROMORANGE / Ernst Weingartner / picture alliance

Die Kandidaten für die niedersächsische Landtagswahl im Wahlkreis 50, Winsen.

Winsen.  Wenige Tage vor der Landtagswahl in Niedersachsen am Sonntag, 15. Oktober, zeichnet sich ein spannendes Finale ab. Wie im Bundestag könnten künftig sechs Parteien im Landtag in Hannover sitzen, derzeit sind es vier. SPD und CDU liegen bei den Zweitstimmen für die Parteien dicht beieinander. Ihre Spitzenkandidaten sind Stephan Weil (SPD), der als Ministerpräsident mit den Grünen regiert und Bernd Althusmann, der im Wahlkreis Seevetal antritt.

Mit dem Übertritt der Grünen-Abgeordneten Elke Twesten zur CDU hatte Weil zuvor seine Ein-Stimmen-Mehrheit im Landtag verloren. Deshalb wurde die Wahl, die die Sitzverteilung in Hannover für die nächsten fünf Jahre bestimmen soll, vom 4. Januar 2018 auf den 15. Oktober vorgezogen.

Wahlberechtigt im Landkreis Harburg sind 198.232 Bürger. Direkt ins Leineschloss einziehen werden drei Kandidaten – jeweils einer aus den Wahlkreisen Winsen, Seevetal und Buchholz. Wenige Tage vor der Entscheidung hat das Abendblatt die Direktkandidaten der Parteien und der Freien Wähler nach ihren Vorstellungen für den Landkreis befragt.

Es ging dabei um den Schienennahverkehr, die Tarifzonen im Hamburger Verkehrsverbund oder ein zukunftsweisendes Radwegekonzept. Diskutiert wird im Kreis zudem über schnelles Internet, die Kinderbetreuung oder mehr Sicherheit für die Bürger. Die Kandidaten konnten zudem weitere eigene Ziele nennen. Die Antworten für die drei Wahlkreise 50, 51 und 52, Winsen, Seevetal und Buchholz veröffentlicht das Abendblatt nun in drei aufeinander folgenden Ausgaben bis einschließlich Freitag.

Im ersten Teil geht es um den Wahlkreis Winsen. In dem Kreis 50 sind 67.970 Wähler registriert, bei der Wahl 2013 waren es 66.006. Der Wahlkreis umfasst die Gemeinde Stelle (9094 Wählerinnen und Wähler), die Stadt Winsen (26.451), die Samtgemeinden Elbmarsch (10.213) und Hanstedt (11.287) sowie die Samtgemeinde Salzhausen (10.925).

Bei der Wahl 2013 lag André Bock (CDU) im Wahlkreis Winsen mit 45,8 Prozent der Erststimmen vorn. Bei der Zweitstimmen kam die CDU auf 38,4 Prozent, die SPD auf 27,4, die FDP auf 10,1 und die Grünen auf 15,8. Alle anderen Parteien scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde.

Die 263 Wahllokale im Kreis sind am Wahlsonntag von acht bis 18 Uhr geöffnet. Mit ersten Ergebnissen wird gegen 18.30 Uhr gerechnet. Das vorläufige amtliche Endergebnis soll gegen 22.30 Uhr vorliegen. Die Wahlentscheidung kann in der Winsener Kreisverwaltung verfolgt werden. Von 18 Uhr an ist das Kreishaus für alle Bürger geöffnet.

Die jeweils aktuellen Zwischenergebnisse der drei Wahlkreise werden im Internet auf der Wahlhomepage des Landkreises http://wahlen.landkreis-harburg.de veröffentlicht. Für internetfähige Mobiltelefone kann unter http://wahlen.landkreis-harburg.de eine kostenlose Web-App im Browser des Mobiltelefons aufgerufen werden. Den Nahverkehr auf Schienen ausbauen

Als Feuerwehrmann habe ich gelernt, in schwierigen Situationen den nötigen Überblick zu behalten. Bei uns nennt sich das „vor die Lage kommen“. Das bedeutet, dass wir nicht nur aktuelle Probleme lösen, sondern auch vorausschauend Dinge bewegen sollten.

Die Verkehrssituation der B 404, die Ortsdurchfahrten Luhdorf/Pattensen und Stelle, Tempo 30 vor Schulen und Kitas und die Tarifangleichung beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Winsen sind Themen. Wir benötigen eine bessere Vernetzung der drei Bundesländer in verkehrspolitischen Fragen. Neben dem Ausbau von Straßen (A 21/A 39), sollte die schienengebundene ÖPNV-Erweiterung nicht tabu sein.

Die beitragsfreie Kita ist eines der Wahlziele, aber auch die Unterrichtsabdeckung muss besser werden. Wir sollten die Schulen durch Inklusion und Investitionen in die Digitalisierung zukunftsfähig machen. Mein Wunsch: eine kostenfreie Bildung von Anfang an. Der flächendeckende Glasfasernetzausbau soll schnellstmöglich kommen – nötigenfalls in kommunaler Eigenregie.

Für die Innere Sicherheit sollen mehr Polizisten eingestellt werden. Zielführend sind Task-Forces, welche sich um ein Thema kümmern, z.B. Wohnungseinbrüche. Wir müssen mehr in die Sicherheit investieren, sowohl personell als auch materiell. Bezahlbarer Wohnraum und der Erhalt regionaler Arbeitsplätze sind weitere Ziele.
SPD: Hendrik Frese, 43, Berufsfeuerwehrmann, Landesliste Platz 78

Geld vom Land muss in die Region fließen

Wir brauchen ein echtes Baustellenmanagement zwischen Niedersachsen und Hamburg. Darüber hinaus müssen wir die Interessen der Pendler gerade beim Thema HVV-Tarife konsequenter gegenüber Hamburg vertreten und durchsetzen. Weitere Herausforderungen sind die Entlastung der Bürger an befahrenen Strecken. Ich denke dabei an Luhdorf, Pattensen, Thieshope oder an die Auffahrt der B404 in Rönne.

Es gilt, eine bessere Bildung zu garantieren. Wir brauchen weniger Stundenausfall an unseren Schulen. Dazu brauchen wir eine Imagekampagne für den Lehrerberuf, um die notwendigen Stellen zu besetzen. Schulsozialarbeit muss durch das Land gesichert und ausgebaut werden. Ich stehe für eine echte Entlastung von jungen Familien durch Abschaffung der Kindergartenbeiträge.

Das schnelle Internet gehört zur Daseinsvorsorge. Wir laufen aber der Entwicklung hinterher. In Südkorea ist der Gigabit-Hausanschluss heute schon Standard. Der Ausbau eines leistungsfähigen Netzes ist vorrangig eine Aufgabe der Wirtschaft. Das Land muss ergänzend einschreiten und Lösungen anbieten.

Wir brauchen mehr Schutz vor Einbrüchen. Es geht um eine präsente Polizei auch über Nacht. Die CDU wird 3000 Beamte zusätzlich einstellen. Ich will, dass künftig Landesmittel nicht nur nach Südniedersachsen fließen, sondern auch zu uns.
CDU: André Bock, 44, Landtagsabgeordneter, Landesliste Platz 34

Tausend neue Polizisten

Der öffentliche Nahverkehr muss weiter verbessert werden, daher unterstütze ich die Öffnung der Güterbahnstrecke Maschen – Buchholz für den Personennahverkehr. Eine Durchbindung der Heidebahn Hannover – Buchholz über Maschen nach Hamburg kann nur zum Vorteil der Menschen im Kreis sein.

Unsere Fraktion hatte bereits einen Antrag auf kostenfreie Kita-Plätze im Landtag eingebracht, der aber von der Rot-Grünen Regierung abgelehnt wurde. Diese Forderung ist noch nicht ad acta gelegt. Mein wichtigstes Ziel in der Schulpolitik ist der Abbau von Unterrichtsfehlstunden. Ich fordere zudem flächendeckende Schulsozialarbeit für alle Schulen und Schulformen. Die Kosten muss das Land tragen.

Eine gute Internetverbindung ist nicht nur eine wichtige Bedingung für die Ansiedlung von Gewerbe und Arbeitsplätzen. Eine gesunde digitale Infrastruktur trägt dazu bei, dass es mehr junge Menschen in ländliche Regionen zieht oder mindestens dort hält.

Unsere Polizei muss vor Ort starke Präsenz zeigen können, um die Einsatzreaktionszeit zu verbessern. Darum will die FDP in Niedersachsen 1000 Polizeivollzugsbeamte ausbilden lassen und einstellen, zusätzlich zum „virtuellen“ 1000er Programm der Landesregierung. Im Landkreis kämpfe ich für eine qualitativ hochwertige und flächendeckende Gesundheitsversorgung.
FDP: Tobias Rohde, 24, Gesundheits- und Krankenpfleger, Liste Platz 60

Günstiger HVV-Tarif

Winsen gehört in den HVV-Großbereichstarif. Die Metropolregion Hamburg hört nicht an den Stadtgrenzen auf. Winsen gehört – wie Tostedt oder Buchholz – in den Großbereich Hamburg. Weiterhin bedarf es eines Radverkehrskonzeptes für den Nahbereich, beispielsweise bei der Planung neuer Baugebiete oder für regionale Strecken wie den Radweg von Buchholz nach Lüneburg.

Unsere Erzieher machen einen wichtigen Job, der besser bezahlt werden muss. In den Kitas bedarf es einer pädagogischen dritten Kraft. Gute Bildung kann nur gelingen, wenn der Schulunterricht stattfindet. Daher muss mehr Lehrpersonal eingestellt werden.

Das Internet ist der Grundbaustein für wirtschaftlichen Erfolg. Der Ausbau des schnellen Internets muss mit mehr Nachdruck im ländlichen Raum vorangetrieben werden. Hier sind Land und Bund gefordert, finanziell zu helfen.

Der Landkreis Harburg hat nach Dortmund die zweithöchste Einbruchrate in Deutschland. Wir benötigen vor Ort mehr Polizeibeamte und rund um die Uhr besetzte Polizeiwachen.

Als Imker setze ich mich gegen das Insektensterben ein. Wenn wir das in den Griff bekommen, haben wir auch kein Problem mehr mit dem Vogelsterben. Sauberes Wasser, unsere Lebensgrundlage muss geschützt werden: Für weniger Gülle und Gifte auf den Äckern.
Grüne: Nick Mondry-Ritter, 41, Industriekaufmann

Kita und Lernmittel müssen kostenlos sein

Ich setze mich selbstverständlich für den Ausbau des ÖPNV zu bezahlbaren Preisen ein. Für meinen Wahlkreis bedeutet dies, dass die HVV-Tarife herabgesetzt werden, die Taktung der Züge erhöht, aber auch die Verbindungen in die benachbarten Orte über Busse erweitert, beziehungsweise in den Abendstunden und an Wochenenden erst geschaffen werden. Der Güterverkehr muss möglichst von der Straße auf die Schiene verlegt werden. Vorhandene Straßen müssen saniert, aber keine neuen geplant oder gebaut werden, da durch vorhandene Schienennetze und deren Ausbau kein Bedarf besteht.

Kita-Plätze und Lernmittel müssen kostenlos werden. Neben dem Bedarf an einer mehr als 100prozentigen Unterrichtsversorgung braucht es mit der Ganztagsbetreuung eine Entzerrung des Unterrichts. Ganztagsschule heißt, dass die Kinder ohne Stress lernen können, und Lehrer ihrer Aufgabe zufriedenstellend gerecht werden. Integration muss unter guten Lern- und Lehrbedingungen umgesetzt werden: Alle lernen von allen.

Breitbandausbau muss gefördert werden. Eine Grundvoraussetzung der inneren Sicherheit ist die soziale Sicherheit. Geht es den Menschen gut, geschehen weniger Gewalttaten. Mein wichtiges Ziel für den Wahlkreis Winsen ist die bessere Versorgung mit Ärzten. Über Landesprogramme ist es möglich, die Menschen gut zu versorgen, ohne lange Wartezeiten und wohnortnah.
Linkspartei: Anja Stoeck, 51, Physiotherapeutin, Landesliste Platz 1

Die Inklusion ist kläglich gescheitert

Den größten Handlungsbedarf im Wahlkreis Winsen wie auch im Landkreis sehe ich in der Entwicklung des Straßen- und Verkehrsnetzes vor dem Hintergrund der zunehmenden Ansiedlung von Unternehmen in Gewerbegebieten. Wir benötigen eine Entlastung von Gemeinden mit Nähe zur Autobahn vom Lkw-Durchgangsverkehr. Hier sollte Druck auf Niedersachsen ausgeübt werden.

Die Förderung von Familien sollte neben einem ausreichenden Betreuungsangebot auch kostenlose Kindergartenplätze beinhalten. Im schulischen Bereich stehe ich ganz klar für einen Stopp der Radikalinklusion sowie den Erhalt und die Wiedereröffnung der Förderschulen. Kinder mit Förderbedarf auf Grund geistiger, körperlicher oder sozialer Schwächen müssen sich darauf verlassen können, dass sie die bestmögliche Ausbildung durch Förderlehrer erhalten. Das Modell „Inklusion“ scheitert hier kläglich.

Durch die jahrelange Vernachlässigung von Polizei und Verfassungsschutz und durch eine verantwortungslose Zuwanderungspolitik ist die Sicherheit in Niedersachsen schwer beschädigt. Das Aufstocken von Beamtenstellen ist unverzichtbar. Ein ernstzunehmendes Thema ist der Schutz von Kindern. In der per Lehrplan verordneten frühkindlichen Sexualerziehung in Kindergärten und Schulen sehe ich einen Verstoß gegen den verfassungsmäßigen Auftrag, Kinder zu schützen.
AfD: Melanie Hardt, 46, selbstständige Buchhalterin, derzeit Jura-Studentin